LEID UND HERRLICHKEIT

PÖNIs:       (4,5/5)

„LEID UND HERRLICHKEIT“ von Pedro Almodóvar (B + R; Spanien 2018; K: José Luis Alcaine; M: Alberto Iglesias; 114 Minuten; deutscher Kino-Start: 25.07.2019); ER ist ausgebrannt. Kriegt schon lange Zeit nichts mehr „zustande“. Typischer Fall von: Schaffenskrise. Horcht andauernd nur noch „in sich“ rein und empfindet Verlust und Schmerzen, ausgelöst durch Nervenqualen und Schlafmangel. Der schwule spanische Filmemacher Salvador Mallo (ANTONIO BANDERAS) leidet unter Depressionen und seelischen Blockaden. An kreatives Arbeiten ist überhaupt nicht mehr zu denken. In einem solchen Gemütszustand ist die Vergangenheit das Einzige, was noch zum (Weiter-)Leben veranlasst. Mit den Erinnerungen an die Kindheit und an die geliebte Mutter (PENÉLOPE CRUZ). An das Erwachen der Sexualität und deren schamhaftem – „katholischen“ – Umgang. Die mit vielen Begleiterscheinungen – wie Drogen – versehene Arbeit als Filmkünstler.

Als die Kinemathek ein früheres (Meister-)Werk restauriert hat und aufführen will, startet Mallo doch die Rückkehr ins Leben. Schließt mit einem früheren Freund und ehemaligem Hauptdarsteller (ASIER ETXEANDIA) Frieden und begibt sich auf neue „Startpositionen“.

Liebe, Leidenschaft, Sehnsucht – seit Jahrzehnten ist ER d e r große Gefühls-Filmer: der spanische Autoren-Regisseur PEDRO ALMODÓVAR. Der demnächst, am 25. September 2019, 70 Jahre alt wird. Der sich als spezieller Frauen-Versteher und exzellenter, emotionaler Farben-Dramaturg hervorgetan hat. Und der jetzt sein autobiographisch gefärbtes großes Alterswerk geschaffen hat. Sich viele seiner Werke in lebendige Erinnerung zu rufen, bedeutet, in virtuose Filme einzusteigen wie: „Labyrinth der Leidenschaften“ (1982/s. Kino-KRITIK); „Matador“ (1986/s. Kino-KRITIK); „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“ (1988/s. Kino-KRITIK); „Fessle mich!“ (1990/s. Kino-KRITIK); „Volvér“ (2006/s. Kino-KRITIK); „Zerrissene Umarmungen“ (2008/s. Kino-KRITIK) oder „Die Haut, in der ich wohne“ (2010/s. Kino-KRITIK) sowie der Schwank „Fliegende Liebende“ (2012/s. Kino-KRITIK). Mit „Dolor y gloria“, „Leid und Herrlichkeit“, hat der bedeutendste Melodramatiker und zweifache „Oscar“-Preisträger („Alles über meine Mutter“/Auslands-Trophäe 2000 + „Sprich mit ihr“/Original-Drehbuch 2003) ein fulminantes meisterliches Spät-Werk geschaffen. In dem er begeisternd mit den Lebensepisoden und Zeitebenen ebenso augenzwinkernd spielt wie mit Tatsachen und Erfundenem und der ewigen Sehnsucht nach authentischen Gefühlen, sprich der: der sinnlichen Formvollendung KINO. Dabei schaut er quasi sich selbst „neugierig“ über die Schulter, um zu beobachten, wie sich ein überragender ANTONIO BANDERAS (wird am 10. August 59) begeisternd abstrampelt. Äußerlich, mit dieser hippeligen Frisur und den „sprechenden traurigen Händen“ ebenso wie innerlich mit dieser bittersüßen Sehnsucht nach endlichem neuen „Aufblühen“. Antonio Banderas, der einstige Sex-„Zorro“ („Die Legende des Zorro“/2005), mimt vollendet das sensible, schelmische zweite Ich seines Maestros Pedro Almodóvar. Völlig zu Recht bekam er beim diesjährigen Cannes-Festival den Preis als „Bester Darsteller“.

Banderas ist rundum mitreißend. Mitfühlend. Überragend. Wie diese wunderbare Komposition von Kunst im Leben. Beziehungsweise: umgekehrt (= 4 1/2 PÖNIs).

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