Fessle mich! Kritik

FESSLE MICH!“ von Pedro Almodovar (B+R; Spanien 1990; 111 Minuten; Start D: 16.08.1990)

Ricky ist 23, Waise und lebt in einer Erziehungsanstalt. Als er als geheilt entlassen wird, hat er nur eins im Kopf: Marina finden und mit ihr ein neues Leben anfangen. Marina ist Schauspielerin in Porno- und Horrorfilmen. Sie zu finden, dass ist nicht so schwer, viel komplizierter ist es, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Als alle Versuche misslingen, hält Ricky Marina in ihrer eigenen
gefangen. Das klingt zu albern, um wahr zu sein. Und natürlich ist im Film “Fessle mich!“, von Pedro Almodovar, von vorne bis hinten nichts ernst gemeint. “Fessle mich!“ ist ein einziger, großer Quatsch, ein modernes Märchen, in dem die Hauptfiguren nicht Prinz und Prinzessin, sondern Heroinsüchtige, Waisen und Pornoschauspieler sind. Der spanische Regisseur Almodovar verhilft ihnen allen zu einem Happy End, wenigstens im Film.
Aber vorher muss noch alles drunter und drüber gehen – ganz nach spanischer Mentalität. Und ganz nach Almodovars Geschmack gibt es viel Sex pur, in allen möglichen und unmöglichen Kameraeinstellungen und Positionen, mal blutverschmiert, mal gefesselt.

Almodovar ist ein offensiver Regisseur. Er macht sich über alles lustig, was ihm gerade in die Quere kommt, sei es die große Liebe, die Atmosphäre bei Dreharbeiten, die deutschen Urlauber in Spanien oder das spanische Temperament. Almodovar ist nichts heilig. Dabei merkt man seinen Filmen die spanische Herkunft an: Es passieren immer 5 Sachen gleichzeitig, bei Menschenversammlungen reden alle, wild gestikulierend, durcheinander, alle Männer sind sexbesessen und lüstern.

Zurück zu Ricky und Marina. Ricky hat Marina nun lange genug gefesselt und geknebelt, seine Rechnung ist aufgegangen: Marina hat Ricky wirklich lieben gelernt. Bevor die beiden aber nun heiraten und viele Kinder bekommen, muss Ricky Marina noch seine Lebensgeschichte erzählen.

Mein Gott, ist das romantisch. Wer jetzt wissen will, wie man eine Frau so lange foltert, bis sie sich in einen verliebt, der muss sich “Fessle mich!“ von Pedro Almodovar ansehen, denn das ist das eigentliche Geheimnis des heimtückischen Filmes (= 4 PÖNIs).