PÖNIS BLOG 278 (08.03.2024): KINO-POET: VEIT HELMER; ETHAN COEN als Solist; SULTANAS TRAUM; STAN & OLIVER & MICHAEL

0.)    In dieser Kino-Woche ist das Neuprogramm überschaubar. Weiterhin ganz Publikums-vorne und mit viel Zuneigung versehen: „THE ZONE OF INTEREST“ (s. Kino-KRITIK /5 PÖNIs)  sowie   „DUNE – Part Two“ (s. Kino-KRITIK /4 PÖNIs).

1.)     RARES KINO. IN DER FERNE: LÄCHELNDE MÄRCHENHAFTE PHANTASIE. Titel = „GONDOLA“ von VEIT HELMER (B + Co-Produktion + R; D/Georgien 2022; K: Goga Devdariani; M: Malcolm Arison; Sängerin: Sóley Stefánsdottir; 82 Minuten; deutscher Kino-Start: 07.03.2024). Sich einmal – schmunzelnd – kinematografisch zurückzudrehen, ist seit rund 25 Jahren möglich, wenn sich – der am 24. April 1968 in Hannover geborene – VEIT HELMER per Leinwand meldet. Denn stets teilt er sich als interessanter, cineastischer Leinwandbeweger mit. Das begann im Jahr 2000 mit seinem exotischen Kinodebüt-Ereignis „TUVALU“, wo er sich mit berühmten Stummfilm-Giganten wie Charles Chaplin, Buster Keaton und Jacques Tati verbündete (s. Kino-KRITIK /3 PÖNIs).             „Ich will Kunst und Kommerz versöhnen“, lautete im Dezember 2003 das Motto für sein nächstes spielerisches Amusement in Richtung „Bollywood-Kintopp“, als Plädoyer für Menschlichkeit und Toleranz, für die Begegnung der Kulturen mit seinem Streich „TOR ZUM HIMMEL“ (s. Kino-KRITIK /3 PÖNIs).            In dem im März 2008 im Kino herauskommen magischen Streich „ABSURDISTAN“, mit unter anderem Maximilian Mauff an der Rampe, waren Mimik und Gestik sowie die verbale Off-Vermittlung unterhaltsam-prägend (s. Kino-KRITIK /3 1/2 PÖNIs).            Ab November 2014  sorgte Veit Helmer mit „QUATSCH UND DIE NASENBÄRBANDE“ für ein rundum gelungenes Slapstick-Vergnügen, für ein Klasse-stimmungsvolles Familienkinoprogramm mit viel Nachwuchs-Trubel (s. Kino-KRITIK /4 PÖNIs).                     Um schließlich Anfang März 2019 mit seinem „speziellen“ Clown-Poem „VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE“ auf atmosphärische, humorige Narrenweltlichkeit ala Monsieur Hulot zu setzen (s. Kino-KRITIK /4 PÖNIs).

VEIT HELMER entpuppte sich über die Kino-Jahre als pikante Rarität im sonst so schnellen, extrem bewegungsfreudigen Leinwandrummel. Aktuelles 6. Beispiel, mit passendem Titel und schöner Story versehen: „GONDOLA“. Im Blickpunkt  – eine altmodische Seilbahn mit zwei Gondeln verbindet ein Dorf in den Bergen Georgiens mit einer kleinen Stadt im Tal. Als der alte Schaffner stirbt, kehrt seine Tochter Iva (MATHILDE IRRMANN) in die Region zurück und nimmt seinen Platz ein. Sie lernt Nino (NINO SOSELIA) kennen, die dort schon länger arbeitet und ihr die Tricks des Seilbahnfahrens verrät. Beibringt. Immer, tagein tagaus, wenn Ivas Gondel hochfährt, fährt Ninos Gondel runter und anschließend umgekehrt. Alle halbe Stunde sehen sich die beiden auf halber Strecke. Lernen sich kennen. Zum Ärger ihres griesgrämigen, eifersüchtigen Chefs.

80 Minuten -plus. Ohne Worte. Mit listigem Charme. Weil sich die Französin Mathilde Irrmann und die Georgien Nino Soselia darstellerisch prima verständigen. Beziehungsweise über die Bilder und Bewegungen, über die Gestik, Körperausdruck und ironischen Schrifttafeln (meistens) lächelnd verstehen. Das einzige gesprochene Wort, mit dem dieser Spielfilm „sich äußert“, findet „Anwendung“ mit dem Wort OKAY. Das Benutzung findet, wenn ein freudig-lärmender Rollstuhlfahrer mit einem Seilzug unter der Gondel heruntergefahren wird. Was für eine prächtige Kinematografie-Veranstaltung.

„Der Film ist in einem Setting angesiedelt, das wie aus einer Zeit gefallen wirkt. Die vorhandenen Gerätschaften wie die verrostete Seilbahntechnik oder die Münzbehälter der Schaffnerinnenwirken renovierungsbedürftig oder veraltet. Moderne Kommunikationsmittel wie Smartphones oder Laptops sucht man vergebens (wenn man sie denn überhaupt sucht/d. Autor); auch ein Radio oder einen Fernseher würde man vergebens erwarten. Es ist die Illusion eines zeitlosen Mikrokosmos, aus dem jedes soziale Gefälle, alle ethnischen Spannungen und politischen Konflikte ausgespart bleiben“ („Film Dienst“). Wie gelungen!

Was für eine sympathische Seelenbesonnenheit. Mit „GONDOLA“ fokussiert sich der Autoren-Regisseur Veit Helmer einmal mehr auf die Essenz des Kinos. Mit teilweise magischen Bildern.  Die Welturaufführung fand 2023 auf dem 36th Tokyo International Film Festival statt und wurde dort mit „Standing Ovation“ gefeiert. Die Europapremiere war im Rahmen der 57. Internationalen Filmtagen in Hof im Vorjahr statt. Jetzt präsentiert das hiesige Kino seinen Deutsch-Georgischen Außenseiter-Hit. Die Empfehlung gilt! (= 4 PÖNIs).

2.)     Belästigend. Titel = „DRIVE-AWAY DOLLS“ von ETHAN COEN (Co-B + Co-Produzent + R; USA 2022; Co-B: Tricia Cooke/auch Co-Produktion; K: Ari Wegner; M: Carter Burwell; 84 Minuten; deutscher Kino-Start: 07.03.2024). Eigentlich will ich über die Werke der Brüder Ethan und und Joel Coen immer gerne schreiben. Weil deren Filme IMMER eine wahre Lust sind. Präzise: Waren. Denn dieses Debüt von ETHAN, das er zusammen mit seiner Ehefrau TRICIA COOKE schuf, ist rundum misslungen. Er pustet sich mit wüstem Armselig-Gewalt-Sex-Humor hoch, der mitunter gen Tarantino riecht, mit derben Witzen anti-provokant hantiert und überhaupt  – schrecklich langweilt. Auf dass Minus-Null-Lust besteht, sich überhaupt „damit“ zu befassen. Also nehme ich mir den Presse-Newsletter-MAI-Text von Universal Pictures vor, wo steht: In Ethan Coens neuer Komödie muss die lebenslustige Jamie mal wieder eine Trennung verarbeiten. Auf der Suche nach einem Neuanfang unternimmt sie mit der schüchternen Marian, die dringend ein wenig lockerer werden muss, einen spontanen Roadtrip nach Tallahassee. Wo das ungleiche Duo ungewollt zum Ziel unfähiger Ganoven wird. So so.

Also so was in der Mach-Art. Wo sich im Kofferraum des Autos (was für ein Auto? Bitte keine Fragen stellen) ein hoch sensibler Gegenstand befindet. Das isses. Wenn man will, kann man auch die Szene mit-einbinden, wo ein Mann von einem Kellner mit zwei Korkenziehern ermordet wird. Ja, aber nun ist wirklich genug. Finger hoch, wer sich DAS bzw. SOWAS ansehen möchte. Keiner? Okay (= 0 PÖNIs).

3.)      EMPFEHLUNG! Titel = „SULTANAS TRAUM“ von Isabel Herguera (Co-B + R; Spanien/D 2022/2023; Co-B: Gianmarco Serra; K: Eduardo Elosegi; M + Schnitt: Gianmarco Serra; 87 Minuten; deutscher Kino-Start: 07.03.2024). Inés ist eine spanische Künstlerin, die in Indien lebt und in einer Buchhandlung auf „Sultana’s Dream“ stößt, eine feministische Science-Fiction-Novelle von 1905. Die Autorin Rokeya Hussain beschreibt in der Novelle den utopischen Ort Ladyland, wo Frauen das Land regieren, während Männer ungebildet zu Hause bleiben und sich um die Hausarbeit kümmern. Dieses visionäre Werk fesselt Inés sofort, und sie beginnt ihre weite Reise auf der Suche nach einem sagenumwobenen Land der Frauen – und ihren eigenen verloren geglaubten Träumen.

Der poetische Roadtrip „SULTANAS TRAUM“ verbindet verschiedene ANIMATIONSSTILE miteinander: Inés Reise ist in handgezeichneter 2D-Aquarelleanimation umgesetzt. Das Leben der Autorin Rokeya Hussain ist im Stil des Schattentheaters inszeniert. Die Episode Ladyland ist eine freie Adaption der Originalgeschichte „The Sultana’s Dream“ und wurde vollständig im indischen Stil der temporären Mehndi-Tattoos ausgeführt.

Regisseurin ist ISABEL HERGUERA (Professorin für Animation an der Kunsthochschule für Medien, Köln), nach einem Drehbuch von ihr selbst und Gianmarco Serra. Die Geschichte ist inspiriert von persönlichen Erfahrungen der Regisseurin , die als Professorin mehr als 10 Jahre in Indien lebte und arbeitete. Insgesamt hat sie 10 Jahre an ihrem Langfilmdebüt gearbeitet (= 4 PÖNIs).

4.)     MUSIK = Was für eine köstliche Mischung. Wenn sich STAN LAUREL, OLIVER HARDY und MICHAEL JACKSON treffen. Während Michael Jackson seinen Hit BILLIE JEAN pfeffert, tanzen „Dick & Doof“ (= pardon) elegant. Was für eine zünftige Gute-Wochen-Laune!

An diesem SONNTAG (10.3.) dürfen wir mal wieder auf (An-)Spannung setzen; beim TATORT aus Wien. Wenn BIBI FELLNER & MORITZ EISNER  (ADELE NEUHAUSER & MORITZ EISNER, der gerade sein 25. Jubiläum hat) ziemlichen Ärger bekommen. Was schon der Titel – „DEIN VERLUST“ – ausdrückt. Nach der 20.15 Uhr-ARD-Sendung folgt meine TV-KRITIK. Auf den bekannten Kanälen.

Beste Gute Wien-Macht-Laune -Stimmungsgrüße aus Berlin:     PÖNI Pönack

kontakt@poenack.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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