OFFICIAL SECRETS

PÖNIs:      (4/5)

„OFFICIAL SECRETS“ von Gavin Hood (Co-B + R; GB/USA 2018; Co-B: Gregory Bernstein, Sara Bernstein; nach dem Buch: „The Spy Who Tried to Stop a War: Katharine Gun and the Secret Plot to Sanction the Iraq Invasion“ von Marcia und Thomas Mitchell/2008; K: Florian Hoffmeister; M: Paul Hepker, Mark Kilian; 112 Minuten; deutscher Kino-Start: 21.11.2019); SIE sind gerade DIE HELDEN DER GEGENWART. Man nennt sie Whistleblower, also „Hinweisgeber/Enthüller“, und ohne sie geht es nicht mehr in unserer Zivilisation. Gemeinschaft. Gesellschaft. Die sich dermaßen technisch verkompliziert und abhängig von Maschinen/Computern/Robotern gemacht hat, dass „Experten“ diesen Fortschritt, diese Errungenschaft(en), entweder zum Wohle oder zur Geisel der Menschheit anwenden. Schmutzige Deals der Politik, der Banker, der Gierigen, der Entscheider haben Whistleblower heute in den Rang der Unentbehrlichen aufsteigen lassen. Warum – weshalb – wieso erklärt in dieser Woche „DER SPIEGEL“ in einer Titelgeschichte („Im Dienst der Wahrheit“) über „Macht und Tragik der Whistleblower“ als Die fünfte Macht“. 

Filme mit diesen Themen werden sich häufen. Nach „Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt“ von 2013 (s. Kino-KRITIK); „Snowden“ von Oliver Stone 2016 (s. Kino-KRITIK); „The Secret Man“ 2017 mit Liam Neeson (s. Kino-KRITIK) oder zuletzt „The Report“ mit Adam Driver (s. Kino-KRITIK) nun also die Geschichte der vergleichsweise unbekannten britische Übersetzerin KATHARINE GUN, die 2003 für den britischen Nachrichtendienst GCHQ tätig war und quasi im Alleingang versuchte, den Irak-Krieg zu verhindern. Indem sie ein streng geheimes Memo bekam, in dem der US-Geheimdienst NSA die britischen Kollegen aufforderte, einige Mitgliedsstaaten des UN-Sicherheitsrats auszuspionieren. Der perfide Plan: Belastendes Material zu sammeln, um so eine Zustimmung zu der von der US-Regierung von George W. Bush eingebrachten UN-Resolution für den Irak-Krieg zu erpressen. Katharine gerät in einen moralischen Zwiespalt und entscheidet sich, das Dokument zu leaken. Was ihr Leben von gleich auf jetzt völlig verändern soll. „Ich habe gegen die Buchstaben des Gesetzes verstoßen, aber ich hatte dafür einen legitimen Grund“, sagt Katharine Gun heute im „Spiegel“-Interview. Und das stimmt: Denn wenn sie „damit“ „durchgekommen“ wäre, hätte dieser Krieg nicht hunderttausende Menschenleben gekostet. Schließlich: Dass die USA und Großbritannien den Krieg auf der Basis falscher Geheimdienstinformation durchführten, kann mittlerweile nicht mehr angezweifelt werden. Die angeblichen Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein existierten nicht; vielmehr lagen die Interessen in der Nähe von Öl, Money und Macht.

Der aus Südafrika stammende Drehbuch-Autor, Schauspieler und Regisseur GAVIN HOOD, 56, zählt zu den spannenden Filmemachern der Gegenwart. Seine Werke wie „Tsotsi“ (Auslands-„Oscar“ 2006/s. Kino-KRITIK); „Machtlos“ (2007/s. Kino-KRITIK) und zuletzt der leider nie ins Kino gekommene und bei uns gleich im Heimkino veröffentlichte Polit-Thriller „Eye in the Sky“ (2015/s. Heimkino-KRITIK/5 PÖNIs) unterstreichen dies nachhaltig. Gavin Hood, der einst ein Studium der Rechtswissenschaft abschloss, erzählt schnörkellos von diesem in der Öffentlichkeit bisher wenig bekannten ungeheuerlichen Skandal und kann dabei auf ein großartig auftrumpfendes Ensemble zählen. An der Rampe brilliert die (zur Drehzeit) 33-jährige Britin KEIRA KNIGHTLEY („Stolz und Vorurteil“; „Abbitte“) als engagierte, verzweifelnde Katharine Gun. RALPH FIENNES als ihr Anwalt bietet einmal mehr außerordentliches wie kluges Charakter-Feeling. Zur weiteren tadellosen Besetzung zählen: MATT SMITH als Reporter Martin Bright und RHYS IFANS als investigativer Korrespondent Ed Vulliamy.

Das Kino erweist sich einmal mehr als spannender Ort, um aktuelle politische Debatten anzuschieben und vor allem – um die üblen Machenschaften jener anzuprangern, die sich einen Dreck scheren um Demokratie, Menschen und deren Leben. Wie es heißt, stecken in Hollywood derzeit mehrere Projekte mit „diesen Themen“ auf dem Laufband. Man darf gespannt sein (= 4 PÖNIs).

Teilen mit: