LOVE, SIMON

„LOVE, SIMON“ von Greg Barlanti (USA 2017; B: Elizabeth Berlanti; Isaac Aptaker; nach dem Roman „Simon vs. the Homo Sapiens Agenda“ von Becky Albertalli/2015/hierzulande jetzt unter dem Film-Titel als Taschenbuch neu erschienen; K: John Guleserian; M: Rob Simonsen; 10 Minuten); ER hatte einst, in den Achtzigern, damit erfolgreich begonnen, das Genre des Teenager-Films nachhaltig neu zu formulieren, kreativ zu beeinflussen: JOHN HUGHES, der leider viel zu früh verstorbene amerikanische Drehbuch-Autor, Produzent und Regisseur (18.2.1950 – 6.8.2009). Mit zum Beispiel „The Breakfast Club – Der Frühstücksclub“ (s. Kino-KRITIK); „Ferris macht blau“ (s. Kino-KRITIK) oder „Kevin – Allein zu Haus“ (s. Kino-KRITIK). Hauptursachen für seinen Dauer-Erfolg: Hughes nahm die Sorgen und Nöte von Heranwachsenden ernst und zugleich auf originelle Weise komisch, so dass diese hier pari-pari gegenüber Erwachsenen auftrumpften.

Der am 24. Mai 1972 in Rye, New York geborene GREG BERLANTI, der mit seinen ersten beiden Spielfilmen – „Der Club der gebrochenen Herzen“ (2000) sowie mit „So spielt das Leben“ (2010/s. Kino-KRITIK) nicht gleich zu Vollform auflief, kann mit „Love, Simon“ nunmehr zum großen Hughes-Vorbild aufschließen, in Sachen feinem pointierten Humor in einem „Neuland“-Teenie-Spitzen-Movie. Marke: „Love, Simon“ ist schließlich der erste Mainstream-Film eines großen Hollywood-Studios („Twentieth Century Fox“), der sich auf eine schwule Teenager-Romanze einlässt. Was die US-Kinobesucher in Scharen strömen ließ und verzückte. (Budget: um die 15 Millionen US-Dollar; Theaterkasse: rd. 60 Millionen). Immerhin: Wir schreiben das Jahr 2019!

In diesem Dramedy, Bezeichnung für die Begriffe Drama und Comedy, lebt der 17jährige Simon (NICK ROBINSON) in einem vergleichsweise unkomplizierten Umfeld. Seine Eltern mögen ihn und zeigen es ihm auch gerne liebevoll (JENNIFER GARNER & JOSH DUHAMEL), und inmitten seiner bunten Freundesclique, bestehend aus Männlein und Weiblein, ist er auch sehr beliebt. Alles wäre paletti, wenn da nicht ein sehr persönliches Problem in ihm brodeln würde: Simon ist schwul. Und hat sich bislang nicht getraut, sich zu outen. Dabei ist anzunehmen, dass dies für sein Umfeld so gut wie gar kein Problem wäre. Also baut er einen – zögerlichen – Kontakt über den Blog eines anonymen Mitschülers auf, der sich unter dem Pseudonym „Blue“ als homosexuell outet. Als zufällig ein reichlich nervender Mitschüler und ebenfalls Mitglied der schulischen Theatergruppe diese geheime Internet-Korrespondenz entdeckt und Simon erpresst, kriegt dieser bei den folgenden emotionalen Turbulenzen Schwierigkeiten. Und findet dabei viel Unterstützung durch Prima-Unterstützer.

Denn diesmal sind (endlich einmal) NICHT gesellschaftliche Ausgrenzung, elterlicher Ablehnung und oder Bestrafung und damit verbundenen schlimme Identitäts-Probleme annonciert, die „gelöst“ werden müssen, sondern, ganz im Gegenteil, ist das zunächst unwissende Umfeld des Jungen (Eltern, Kumpels, Schuldirektor) absolut bereit, ihm zu helfen, ihn selbstverständlich zu unterstützen. Um gegen (bisherige, filmisch gern thematisierte) Vorurteile, vermeintliche Probleme, gar Beschimpfungen und überhaupt Schwulen-Klischees von Anfang an anzugehen. Sir gar nicht erst blöd „aufkochen“ zu lassen. „Love, Simon“ unterhält prächtig durch seinen köstlich trockenen Humor, ist amüsant wie beiläufig-herzerwärmend. Also „normal“. Man wird überrascht von kurzweiligen Ideen, einfallsreichen Dialogen und einer Traumsequenz, die es sagenhaft in sich hat: In der Kinder ihren „verzweifelten“ Eltern gestehen, heterosexuell zu sein. Was für ein hübscher Geniestreich.

Ach so ja, habe ich es schon erwähnt: Das gesamte Ensemble, allen voran natürlich dieser natürliche Rampen-Boy NICK ROBINSON /der Zach aus „Jurassic World“/2015), ist hervorragend besetzt und bestens gut drauf.

„Love, Simon“ oder:  Schwul-Sein ist absolut okay. Und schon gar für Teenager. Das Motto des Films kommt einfühlsam wie charmant ‚rüber. Belehrt oder nervt nie, sondern lässt positive Stimmungen klug-normal wie HERZhaft dominieren. Wie schön! (= 4 PÖNIs).