PÖNIs BLOG (126): „SPREERADIO“: RAUSSCHMISS statt ABSCHIED; REDFORD / FONDA; „NUR EIN EINZIGES LEBEN“; FASSBINDER; „RIFIFI“; Musik: HIGHWAYMAN

0.)   Auch die Kurzversion tropft. Im Juli 2004 kam die Einigung zwischen dem Geschäftsführer Stephan Schmitter und mir zustande für den neuen Berlin-Sender: „Spreeradio“. Ab DONNERSTAG, den 12. August 2004 war ich dort wöchentlich live im Einsatz als Filmkritiker. Mit dann auch vielen fachlichen „Nebenschienen“ (wie Heimkino, Porträts, Gratulationen, „Radio Gong“/München, wöchentliche Podcasts und vieles, vieles mehr). Bis zum DONNERSTAG, den 12. März 2020 war ich dort ununterbrochen wöchentlich aktiv, insgesamt mit / in 838 Donnerstag-Morgen-Sendungen, in denen insgesamt rund zweieinhalb Tausend KINOFILME von mir kritisch besprochen wurden. Dann war „Corona“-Pause. Am 30. März 2020 hatte ich einen häuslichen Unfall. Die Krankheit bedeutete – eine Auszeit, bis zum 15. Mai 2020. Die Begrüßung der Kolleginnen/Kollegen der „Spreeradio“-Redaktion war nach der Rückkehr außerordentlich herzlich. Wegen der andauernden Epidemie und die dadurch geschlossenen Kinos gab es weiterhin keine Berichterstattung in Sachen KINOFILM-KRITIKEN. Inzwischen fand ein Führungswechsel im RTL-Haus = bei „SPREERADIO“ statt. Im Juni erreicht mich ein Anruf des neuen „Spreeradio“-Chefs. Ruf‘ doch mal zurück. Ich rufe zurück. Tenor des kurzen Telefongesprächs: Geld-Probleme, das Kino ist kein Thema mehr und: Du === also Ich === auch nicht mehr. Das war’s. Feierabend. Tschüs. Meine Reaktionen: Bin angefressen, sauer, erbost. Frustriert. Traurig. Über diese düstere Art eines Abschieds mit üblem Rausschmeißer-Charme. Nach rund 16 „Spreeradio“-Dienstjahren. Hatte wochenlang seelisch „damit“ – mit dieser deftigen „Abräum-Art“ – zu kämpfen. Jetzt, ein Jahr später, startet das autobiographische Aufarbeiten. Denken. Und Handeln.

1.)   Netflix, seit „geraumer Zeit“: ROBERT REDFORD & JANE FONDA: Ein FILM-GEWINN. Titel = „UNSERE SEELEN BEI NACHT“USA 2017. Regie: Der indische Hollywood-Regisseur RITESH BATRA, geboren am 12. Juni 1979 in Mumbai, eroberte mit zwei Spielfilmen europäische Cineasten: „LUNCHBOX“ (2012/s. Kino-KRITIK)und „Vom Ende einer Geschichte“ (2015/s. Kino-KRITIK). Sein drittes Werk schöpft aus dem darstellerischen Hollywood-Vollen, in dem zwei Stars zum vierten Male zusammentreffen: Eben Robert Redford (81/deutsche Stimme: Kaspar Eichel), auch Co-Produzent, und Jane Fonda (79/Judy Winter), die dabei waren in: „Ein Mann wird gejagt“ von Arthur Penn (1966); „Barfuß im Park“ von Gene Saks (1967); „DER ELEKTRISCHE REITER“ von Sydney Pollack (1979/s. Kino-KRITIK) sowie hier noch einmal. Als ungleiches Paar. In der Adaption des 2015 posthum erschienenen  Romans „Our Souls at Night“ von KENT HARUF (1943 – 2014).

Wir befinden uns in einer Kleinstadt in Colorado. Louis Waters und Addie Moore leben hier nachbarlich schon seit Ewigkeiten, haben aber selten Kontakt. Beide leben allein, die Kinder sind schon lange aus dem Haus, und die jeweiligen Lebensgefährten vor Jahren gestorben. Eines Abends klopft Sie bei Ihm an der Tür. Und macht ihm einen ungewöhnlichen wie nervösen Vorschlag  –  sie fühle sich nachts einsam, kann schlecht schlafen, ob er nicht bereit wäre, bei ihr – platonisch – zu schlafen. Um die Einsamkeit gemeinsam zu bewältigen. Und die Langeweile: „laß‘ uns zusammenschlafen; keinen Sex“. Louis zögert kurz und ist dann „bereit“. Über ihre Hintertür zieht er für die Nächte zu ihr; Hintertür = von wegen  – um bloß keinen Klatsch und Tratsch in der Gemeinde „zu ermöglichen“. Nach vielen kommunikationslosen Jahren beginnt man mit reichlich Redestoff. Was für Pointen sorgt. Wie überhaupt  –  diese lebhaften Kleinigkeiten durch Blicke, kleinen Gesten und die zunehmende Neugier vom Leben des Anderen zu erfahren, nehmen zu. Das Sich-Kennenlernen und dabei von den verwundbaren Ereignissen „einst“ zu erfahren, sorgt für spezielle Zur-Kenntnis-Nehmen-Empfindungen. So als würde man gerade aus seiner Autobiographie zitieren. Die Bindung zwischen diesen beiden Alten wächst. Als Addies Sohn Gene (MATTHIAS SCHOENAERTS) auftaucht, ist dieser von dem „Verhalten“ seiner Mutter gar nicht angetan. Dafür verstehen sich sein 7jähriger Sohn Jamie (Iain Armitage) und Louis um so besser. So dass Oma/“Opa Louis“ und Enkel Ausflüge zu planen beginnen.

Nein – keine Explosionen, keine Schießereien, keine wütenden Verbal-Duelle. Und ohne Hirnrissigkeiten. Sondern eine ebenso mehr leise als aufwühlende Ohne-Krawall-Geschichte; mitunter berührend, mit verdecktem Humor versehen, und ohne auch nur annähernd kitschig zu pusten. Mit passender Country-Musik-Begleitung (u.a. von „The Highwaymen“/s. unten MUSIK) und zwei sympathischen Interpreten mit Falten und kaum Schminke, deren beruhigende, stille Körpersprache imponiert. „Our Souls at Night“ hatte Uraufführung am 1. September 2017 im Rahmen der 74. Internationalen Filmfestspiele von Venedig als Hommage an Fonda & Redford, die auf dem Festival „für ihr Lebenswerk“ mit „Goldenen Löwen“ ausgezeichnet wurden. Danach wurde dieser feine 103minütige Film von Netflix eingemeindet.

Empfehlung: Empathie-Nostalgie zum puren Wohlfühlen (= 4 PÖNIs).

2.)   HEIMKINO: MUT IN SCHLIMMEN ZEITEN. Titel = „NUR EIN EINZIGS LEBEN“. Großbritannien/Belgien 2019. Von Ben Cookson. Der das Jugendbuch „Warten auf Anya“ von Michael  Morpurgo adaptierte. „Wer auch nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“: „Der deutsche Filmtitel sucht die Nähe zu dem Talmudspruch, den man seit Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ mit dem Juden-Retter Oskare Schindler assoziiert“, steht im „filmdienst“. Europa ist durch die Schrecklichkeiten des Zweiten Weltkriegs verwüstet. Nur die Welt des jungen Hirten Jo in den französischen Pyrenäen scheint bemerkenswert unberührt geblieben zu sein. Doch als Jo im Wald einen mysteriösen Fremden begegnet, ändert sich sein Dasein, denn dieser Benjamin (Frederick Schmidt), der auf der Flucht vor den Nazis von seiner kleinen Tochter getrennt wurde, hütet ein Geheimnis. Als deutsche Soldaten in die Region kommen, spitzt sich die Lage zu. Denn Benjamin konnte bislang vergleichsweise „unbehelligt“ jüdische Kinder, die im Dorf Zuflucht fanden, über die Grenze nach Spanien bringen. Jo solidarisiert sich, gerät aber in Kontakt mit einem deutschen Anführer-Soldaten (Thomas Kretschmann), der sich mit dem Jungen anfreundet. Der anfangs zwischen Mainstream und Historiendrama pendelnde Film, in dessen Vorspann „Inspiriert durch wahre Begebenheiten“ steht, erzählt von Menschen, die bereit waren, ihr Leben für das Leben anderer einzusetzen. Mit hochkarätiger Besetzung wie NOAH SCHNAPP (der „Stranger Things“-Star) als junger Hirte; ANJELICA HUSTON und JEAN RENO sowie ELSA ZYLBERSTEIN. „NUR EIN EINZIGS LEBEN“ hatte im Vorjahr beim „Miami Jewish Film Festival“ seine Premiere und ist jetzt im hiesigen Heimkino-Angebot (= 3 PÖNIs).

3.)   HEIMKINO: WÜSTE FERKEL-SHOW. Titel = „ENFANT TERRIBLE“, was „schreckliches Kind“, sinngemäß also „Familien- oder Bürgerschreck“, bedeutet. Als der 22-jährige RAINER WERNER FASSBINDER 1967 die Bühne des Antitheaters in München stürmt und kurzerhand die Inszenierung an sich reißt, ahnt niemand der Anwesenden, dass dieser dreiste Typ einmal der bedeutendste Filmemacher der BR-Deutschland werden wird. Wie er damals beruflich und privat polarisierte, wie er mit der Arbeitswut und mit Selbstausbeutung und Drogenkonsum hantierte, steht im Blick- und Mittelpunkt des 16. Regie-Films von OSKAR ROEHLER. In der Titelrolle, großartig: OLIVER MASUCCI. Empfehle: s. Kino-KRITIK (= 4 PÖNIs).

4.)   Begeisterung =  TV-TIPP: „RIFIFI“. Mitteilung über einen französischen Krimi-Klassiker, der in der Bestenliste immer ganz vorne mitmischt. Obwohl er mittlerweile 66 Jahre jung ist. Und am kommenden  MONTAG, 15. März 2021 als Highlight bei ARTE – ab 20.15 Uhr – auf dem Spielplan steht. Was – wieso – warum- und wieso trotz einer halben Stunde ohne Dialog und Musik!!!!I , bitte: Ich verweise auf die Fakten:   s. Kino-KRITIK (= 5 PÖNIs). 

5.)   Habe in dieser Woche bei Netflix wieder einen HIT entdeckt. Zum einen filmisch (s. oben: „Unsere Seelen bei Nacht“), dann  aber auch – beim Nachspann – grandios musikalisches. Von einer Gruppe, die 1985 von den COUNTRY-MUSIKERN WILLIE NELSON, KRIS KRISTOFFERSON, JOHNNY CASH und WAYLON JENNINGS gegründet wurde. Als dem mit der Gruppe verbundenen Marty Stuart der 1977 von Jimmy Webb geschriebene Song HIGHWAYMAN angeboten wurde, erkannte die Truppe das Potenzial. Der Titel des Songs („HIGHWAYMAN“) wurde nicht nur der Titel ihres ersten Albums, er inspirierte auch ihren Namen: THE HIGHWAYMEN. In der englischen Bezeichnung für Wegelagerer oder Straßenräuber erkannten sich alle vier Bandmitglieder wieder, weil sie auf ihren Tourneen viel Zeit auf Highways verbrachten und alle vier im Genre der Country-Musik der Outlaw-Bewegung zuzurechnen waren, benannt nach dem englischer Wort Outlaw, Gesetzlose. HIGHWAYMAN wurde zum erfolgreichsten Lied und einzigen Nummer-Eins-Hit der Gruppe. Er hielt sich 20 Wochen in den US-Country-Charts, wurde 1985 bei den Academy of Country Music Awards als Single of the Year ausgezeichnet und erhielt bei den Grammy Awards 1986 den Grammy Award for Best Country Song. Wieso, das merkt ihr, wenn ihr den Song genießt, er ist mein Lieblingssong dieser Woche und geht ab wie Zunder-Number-One:

Wünsche eine Highway-intensive GESUNDE Woche.             HERZlich: PÖNI PÖnack

kontakt@poenack.de

 

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