EIN VERBORGENES LEBEN

PÖNIs:     (2,5/5)

„EIN VERBORGENES LEBEN“ von Terrence Malick (B + R; USA/D 2016-2018; K: Jörg Widmer; M: James Newton Howard; 174 Minuten; deutscher Kino-Start: 30.01.2020); am Beginn seiner Filmkarriere habe ich ihn verehrt: TERRENCE MALICK. Mit seinen Werken „Badlands – Zerschossene Träume“ (Debüt 1973), „In der Glut des Südens“ von 1978, der später in „Tage des Himmels“ (s. Kino-KRITIK) umgetitelt wurde und dem Anti-Kriegsfilm „Der schmale Grat“ („Goldener Berlinale-Bär“ 1999 sowie zwei „Oscar“-Nominierungen) avancierte der scheue Filmemacher, der sich selten zeigt, zu einem Kult-Regisseur. Als „The New World“ 2005 herauskam (s. Kino-KRITIK) war die Euphorie noch „umfangreich“. Bei mir. Dann aber wurde es „schlimm“: Mit „The Tree of Life“ (2011/“Goldene Cannes-Palme“/s. Kino-KRITIK); „To the Wonder“, ein Jahr darauf (s. Kino-KRITIK) und zuletzt mit „Song to Song“ (2017/s. Kino-KRITIK).

„A Hidden Life“, so der Originaltitel, muss man teilen. Ein Film-Zwitter. Kommentiert aus dem Off, erst von Franz, dann übernehmend mehr und mehr von Fani, seiner Frau. Dort die Geschichte, hier – vor allem – die Kathedralen-Aufnahmen von monumentaler Natur. Zur Handlung: Die historisch belegt ist. AUGUST DIEHL in der – bis dahin weitgehend unbekannt gebliebenen – Figur des österreichischen Bauern und „Wehrkraftzersetzers“ Franz Jägerstätter, der 1943, im Alter von 36 Jahren, von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde. Als die Nazis einst Österreich vereinnahmten, blieb das oberösterreichische Dorf St. Radegund „unangetastet“. Die erste halbe Filmstunde bestehend aus puren Beobachtungen. Wie: den Umgang mit der prachtvoll blühenden Natur. Das Mähen des Grases, das Pflücken des Obstes; das Versorgen der Tiere. Idylle. Das GANZE: zusammen mit dem Zusammenleben innerhalb der Familie. Mit Ehefrau und drei Töchtern. Und dem guten Franz, der auch seine alte Mutter umsorgt. Hier herrscht biblische Ruhe. Sicherheit. Jägerstätter ist tiefgläubiger Katholik. Beruft sich auf seinen eigenen und freien Willen: „Wenn Gott uns jemals einen freien Willen zugesteht, dann sind wir auch selber verantwortlich“, lautet seine Begründung für die Verweigerung des Eids auf den Führer, als er 1943 eingezogen wird. Lässt sich auch von seiner Frau Franziska, „Fani“ (VALERIE PACHNER), und dem Pfarrer nicht umstimmen. Mut als Akt des Sinns.

Verteilt auf ganz lange Fast-Drei-Stunden. Eine spirituelle Atmosphäre. Terrence Malick ist gläubiger Katholik. Mit Überhöhungsüberzeugung. Wobei er mit Klerus-Kritik nicht hinterm Berg hält. Erst verweigern SIE Unterstützung, später werden sie ihn heilig sprechen. Was für eine bigotte, schändliche, feige Moral. Viel mehr als die menschlichen Sorgen aber interessieren Terrence Malick umso intensiver Flora und Fauna. Elegisch wehen im Wind die Kornfelder. Phantastische Sonnenuntergänge scheinen die Leinwand zu sprengen. Unterwasseraufnahmen werden ebenso magisch zelebriert wie Vogelschwarm-Formationen am Himmel. Und wenn Sätze fallen wie „Das neue Heu gibt mir Hoffnung“, bin ich ‘raus. Visuell opulent, ja, gar meisterlich, aber inhaltlich, das „Film-Fleisch“ betreffend, ist „Ein verborgenes Leben“ nur eine ziemlich langweilige filmische Halleluja-Einschlaf-Botschaft (= 2 1/2 PÖNIs).

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