THE TREE OF LIFE

THE TREE OF LIFE“ von Terence Malick (B+R; USA 2008-2010; 138 Minuten; Start D: 16.06.2011); ganz klar – der am 30. November 1943 in Ottawa/Illinois geborene Drehbuch-Autor, Regisseur und Filmproduzent ist der wohl “geheimnisvollste” Filmemacher überhaupt. Absolut scheu. Unnahbar. Unerreichbar. Seit seinem grandiosen Debütfilm „BADLANDS – ZERSCHOSSENE TRÄUME“ von 1973 hat er nur insgesamt vier weitere Filme geschaffen: „IN DER GLUT DES SÜDENS“, 1978 („Oscar“ für Kameramann Néstor Almendros; „Bester Regisseur“ in Cannes); „DER SCHMALE GRAT“, 1998 (7fach „Oscar“ nominiert; „Goldener Berlinale-Bär“); „THE NEW WORLD“, 2005.

In seinem 5. Werk, das kürzlich bei den Filmfestspielen von Cannes mit dem Hauptpreis, der „Goldenen Palme“, bedacht wurde, geht der inzwischen über 65jährige an die Sinn-Fragen und –Suche menschlichen Lebens. Menschlicher Existenz. Menschlichen Seins. Im Kosmos Erde. Und überhaupt. Unser Planet „von oben“. Gleich zu Anfang erwartet uns ein Zitat aus dem Alten Testament: „Wo warst du, als ich die Erde gründete? Sag an, wenn du Bescheid weißt“. Es folgt ein mysteriöses, flackerndes, gewaltiges Rot-Sonnen-Licht, danach begeben wir uns in das USA-Texas der 1950er Jahre. In eine dortige Kleinstadt. Sozusagen vom Urknall ins überschaubare Mini-Reservoir einer „disziplinierten“ amerikanischen Family. DIE aber wird nicht geradlinig, sondern anekdotenhaft, in erzählerischen Gestern-Heute-Gedanken-Mustern, vorgestellt, „erklärt“. Denn bisweilen befinden wir uns auch in der heutigen Zeit. Wo Sean Penn als erwachsener Sohn Jack mit gequältem Pokerface und im Designer-Anzug als „trauriger Erwachsener“ durch eine Wüstenlandschaft tapert und offensichtlich immer noch an den unauslöschlichen Folgen einer harten Brutalo-Pädagogik seines Erzeugers (BRAD PITT) leidet. Und am frühen Tod des jüngsten geliebten Bruders.

Dies Ganze kommt mit einer merkwürdig abgehackten Symbol-Sprache daher. Beziehungsweise durch rätselhaft gehauchte Texte „von oben“. Aus dem Off. Eine fundamentalistische Religionsstimmung breitet sich aus. In der Atmosphäre zwischen harscher Bibelstunde und diktatorischem Kirchen-Ton. Wobei mehr „auf die Vergangenheit“ geblickt wird. Wo der unnachgiebige, herzlose Daddy seine „unvollkommenen“ Jungs autoritär malträtiert. Besonders halt den Älteren. Jack. Um DEN „zu stählern“. Um ihn auf das ungerechte, harte, gemeine erwachsene Alltagsleben vorzubereiten. Während die Mutter (JESISICA CHASTAIN) sinn-traurig schuldvoll zusieht. Und nicht eingreift. Fröhlichkeit kommt nur auf, wenn der Alte mal einige Zeit von Zuhause weg ist. Oder so.

„The Tree of Life“ ist ein Schnipsel-Film. Kann „so“ oder auch „so“ gedeutet werden. Gibt sich weltumfassend sinnsuchend. Von der Schöpfung bis zum Jetzt. Was war? Was ist? Was hat Bedeutung? Liebe? Warum Gott? Wo? Wieso so? Wer sind wir? Nichts weiter als armselige Gestalten? In seinem Universum? Oder SIND WIR HALT SO? Fest-gepolt? Für immer und ewig? Falsch? Bekloppt? Gemein? Lächerlich? Eigentlich überflüssig? Und überhaupt. Ist das alles gewollt? Von IHM? Den wir Gott nennen? Oder was? Der Mensch als pure Traurigkeit. Und ziemlich doof. Elendig. Armselig. Innerhalb eines SO sagenhaften „guten“ Kosmos. „Schaut auf diese Erde“. Oder so. Sind diese Frage-Fäden beliebig, achselzuckend-banal, philosophisch dick, das volle theoretische Schmerz-Programm, so bombastisch zeigt sich das Visuelle. Wolken, Himmel, Sterne. Landschaften. Allgewaltig. Schön. Kamera: EMMANUEL LUBEZKI. Sehr atmosphärisch. Bisweilen. Vorübergehend.

Musikalisch wird der Bilderstrom wuchtig „kommentiert“. Von ALEXANDRE DESPLAT. Mit betörenden Sphären-Klängen. Dafür bleibt die Sprache, wenn sie denn überhaupt „stattfindet“, verwirrend. Uneinheitlich. Mysteriös. Sich in – zumeist biblischen – Andeutungen und Lippenbekenntnissen ergehend. Spirituell ergiebig wie total langweilend. Verkauft als bedeutungsschwangere Poesie. Mit nur begrenzter Magie. Meistens aufdringlich. Belästigend. Läppisch. Marke: Unser Leben als Tod im Wartestand. Aha! Mit unausweichlichem Schicksal. Samt ebensolchen Schlägen. Kann man nichts machen. Oder? Seelenheil kommt vielleicht höchstens von Oben. Von GANZ OBEN. Von IHM. Oder so. Aber DAS „kriegt“ keiner. Von wegen mit/bei unserer ewigen Sünden-Existenz.

Der Mensch ist schuldig. Voll und ganz. Punkt. Oder?: Erst wenn wir uns entscheiden zwischen Natur und Gnade, heißt es einmal aus dem Off gedämpft, können wir hoffen. Auch auf bessere Filme??? (= 2 PÖNIs).