TRASH

TRASH“ von Stephen Daldry + Christian Duurvoort (GB/Brasilien 2013; B: Richard Curtis, Andy Mulligan; nach dem gleichnamigen Roman von Andy Mulligan/2001; Co-Produzent: Fernando Meirelles; K: Adriano Goldman; M: Antonio Pinto; 114 Minuten; Start D: 18.06.2015); hier waren Hochkaräter am Werk: Der brasilianische Spitzenregisseur FERNANDO MEIRELLES („City of God“/2004/“Oscar“-Nominierung; „Der ewige Gärtner“/2006/“Golden Globe-Nominierung; „Die Stadt der Blinden“/2008/im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes) fungierte als ausführender Produzent. Die literarische Grundlage stammt vom britischen Schriftsteller ANDY MULLIGAN, dessen gleichnamiger Roman 2011 zum Bestseller avancierte (sein Roman wurde in 27 Sprachen übersetzt) und im Dezember 2011 hierzulande zum „Jugendbuch des Monats“ gekürt wurde. Der 1956 in Neuseeland geborene und seit über 35 Jahren in London lebende Drehbuch-Autor RICHARD CURTIS, bekannt durch seine Drehbücher zu Hits wie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ und „Notting Hill“, adaptierte den Mulligan-Roman zu einem Film-Skript. Der britische Regisseur STEPHEN DALDRY, 52, hat mit seinen bisherigen vier Spielfilmen sehr viel Zuspruch erfahren: Regie-„Oscar“-Nominierungen gab es für „Billy Elliot – I Will Dance“ (2000); „The Hours – Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (2002) und „Der Vorleser“ (2008); sein vorletzter Streifen, „Extrem laut & unglaublich nah“, erhielt 2012 eine „Oscar“-Nominierung in der Kategorie „Bester Film“.

Der Müll ist gigantisch. Am Stadtrand von Rio de Janeiro. Wo die Straßenkinder Raphael (RICKSON TEVEZ) und Gardo (EDUARDO LUIS) tagtäglich ihrer „Arbeit“ nachgehen: Zu sehen, zu suchen, ob sich etwas von diesem Abfall für sie verwerten lässt. Als der 14jährige Raphael eine Brieftasche findet, gefüllt mit Geld und einige „anderen Sachen“ wie Ausweis, Kinderfoto, einem Schlüssel, beginnen die Aufregungen. Korrupte Polizisten interessieren sich ebenso für den Fund wie die Mafia. Schließlich enthält er Beweis-Unterlagen für eine üble landesweite Verschwörung. Fortan sind die Kids, gemeinsam mit ihrem Freund Rato (GABRIEL WEINSTEIN), unter ständigem „Beschuss“. Vorübergehend können sie beim desillusionierten Pater Julliard (MARTIN SHEEN) und der engagierten Helferin Olivia (ROONEY MARA) durchatmen, doch lösen, lösen müssen sie „ihr Ding“ selbst.

Ein Dazwischen-Movie. Mal brutaler Favela-Thriller, mal märchenhaftes Jugend-Drama. Zwischen „City of God“ und „Slumdog Millionär“ angesiedelt. Mal hartes Milieu, mal detektivischer Spürsinn. „Gott hat uns vergessen“, lässt Raphael verlauten. Also müssen sie selber „ackern“, dass ihr Traum von einem besseren Leben vielleicht doch möglich werden kann. Motto: „Mit dem richtigen Schlüssel kannst du die Tür weit aufstoßen. Denn niemand wird sie dir freiwillig öffnen“. Die kleinen Underdogs erkennen ihre Chance. Besitzen sie doch jetzt „den Schlüssel“.

Das Elend, die Slum-Brutalität, die Verachtung der Herrschenden gegenüber den Unterprivilegierten. Bei uns: Prekariat. Allgemein auch als „Pöbel“ tituliert“. Drei pfiffige Kids vermögen dieses – gesellschaftliche wie individuelle wie politische wie zynische – „Gleichgewicht“ immens zu stören. In einem Film, der manchmal wie eine exotisch-kriminalistische „Drei???“-Folge ausschaut, um sich dann auf eine poren- und seelentiefe Geschichte um Freundschaft, Mut und Bewährung dreier Chancenloser einzulassen. Wobei diese drei jungen einheimischen Laien-Darsteller phänomenal präsent auftreten. Und die „Show“ spannend vorantreiben. Während die äußerlichen Missstände drum herum bisweilen viel „zu schön“ ausschauen, als dass sie wirklich ernst genommen werden können.

Der Film „Trash“ mixt britisches Arthouse mit brasilianischem Mainstream. Authentische Vor-Ort-Härte mit detektivischer Spannung. In Brasilien wurde der Film sehr gemocht. Wenigstens im Lichtspielhaus soll sich Optimismus verbreiten. Dürfen. (= 3 ½ PÖNIs).