DIE ADDAMS FAMILY (2019)

PÖNIs:    (2/5)

„DIE ADDAMS FAMILY“ von Conrad Vernon und Greg Tiernan (USA 2017-2019; B: Matt Lieberman; basierend auf den gleichn. Comics von Charles Addams; M: Mychael Danna, Jeff Danna; 87 Minuten; deutscher Kino-Start: 24.10.2019); die Idee ist hübsch – die „saubere“ amerikanische Familie „umgekehrt“: abgefahren, exzentrisch, im wahrsten Sinne schrecklich-nett. Die Freude hat an allem, was dem „Normalbürger“ grotesk, makaber und abartig erscheint. Ohne dass ihren Mitgliedern bewusst ist, dass andere Menschen sie als bizarr, beängstigend oder gefährlich empfinden (könnten). In den Dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts tauchten die Cartoons des amerikanischen Zeichners Charles Addams in „The New Yorker“ erstmals auf und erfreuten sich mehr und mehr großer Beliebtheit. The Addams Family, die in einer riesigen, verrotteten viktorianische Villa haust, fand durch ihren morbiden Humor viele Anhänger. Wo andere es gerne hell und sonnig mögen, stehen die Addams auf Dunkelheit und Gewitter. Ihre Nahrung entspricht Ekel-Faktor fünf, während sie ständig herumprobieren an „unanständigen Dingen“ wie Sich-in-die Luft-Sprengen-Versuchen oder an genüsslich-komischen Quälereien. Die gar nicht wehtun. TV-Serien folgten in den Sechzigern und Siebzigern und liefen auch hier im Fernsehen. Unübertroffen: Eine abgetrennte Hand, „das eiskalte Händchen“, im Original: „Thing T. Thing“, sich ständig „kultig“ auf Fingerspitzen trippelnd-bewegend.

Drei Real-Kinofilme kümmerten sich in den Neunzigern um diese extravagante Sippe: „Addams Family“ (1991/s. Kino-KRITIK; mit den Hintergründen); „Die Addams Family in verrückter Tradition“ (1993) sowie „Addams Family – Und die lieben Verwandten“ (1998). Ihre jetzige Kino-Reanimation entstand durch das Regie-Duo Conrad Vernon & Greg Tiernan. Die sind dadurch auch bei uns kurz bekannt geworden, dass sie 2016 den Animationshumbug „Sausage Party – Es geht um die Wurst“ (s. Kino-KRITIK) verantworteten. Hier schufen sie völlig harmlose, emotional geradezu unverbindliche und atmosphärisch überschaubare Gruseleien mit viel zu geringem Spaß-Charme. Und einer Story mit Bierdeckel-Ausmaß. Nachdem die Addams Family aus ihrer Behausung von einem „anständigen Mob“ vertrieben wurde, landet sie in einem für sie passenden düsteren Gemäuer auf einem Hügel, irgendwo bei New Jersey. Wo die pubertäre Tochter Wednesday Ausbruchsversuche startet, die natürlich – zunächst – nach hinten losgehen, und wo eine Immobilien-„Barbie“ aus der rosaroten Plastik-Vorzeigesiedlung „unten“ – genannt „Assimilation“ – bemüht ist, sich ihre Behausung anzueignen. Von wegen Profit-Streben. Wieder werden die Addams mit den Aggressionen des Pöbels konfrontiert, doch dann der unmögliche Schwenk – alle haben sich plötzlich lieb. Und „Blondie“ kann einpacken.

Mit dem ursprünglichen Anarchie-Addams-Geist und Frech-Charme hat dies wenig zu tun. Eine Trau-mich-nicht-Richtig-Stimmung haucht ständig mit. Slapstick-Nummern werden verramscht, die wenig Spaß am Anti-Verhalten der Addams verbreiten. Sondern grauslich langweilen. Dieses neue „Addams Family“-Movie ist weder Fisch noch Fleisch. Einerseits bemüht man sich um eine „anständige“ Störung gegenüber der genormten Normalwelt, andererseits kommt dabei kaum wahre schräge = wirklich provokativ-süffisante Addams-Stimmung auf. Die FSK-Freigabe lautet: ab 6 Jahren.

Dieses neuerliche Leinwand-Treiben dieser speziellen Schauer-Nonsens-Familie versendet sich im Nirwana des Belanglosen (= 2 PÖNIs).

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