ZOROS SOLO

PÖNIs:      (3,5/5)

„ZOROS SOLO“ von Martin Busker (Co-B + R; D 2018; Co-B: Fabian Hebestreit; K: Martin L. Ludwig; M: Steven Schwalbe, Justin Michael LaVallee; 90 Minuten; deutscher Kino-Start: 24.10.2019); eine TV-Produktion (des SWR/“Debüt im Dritten“) des im ostfriesischen Emden 1980 geborenen Autoren-Regisseurs MARTIN BUSKER. Der von 2004 bis 2011 an der Filmakademie Baden-Württemberg Regie (mit dem Schwerpunkt: Szenischer Film) studierte; dessen studentischer Kurzfilm „Höllenritt“ auf der Berlinale 2009 lief und dessen Diplomfilm „Halbe Portionen“ 2011 u.a. mit dem „Max-Ophüls-Preis“ in der Kategorie „Mittellange Filme“ ausgezeichnet wurde. Sein Jetzt-Debüt-Langfilm „Zoros Solo“ kann sich durchaus im Kino sehen lassen. Auf dem 30. Internationalen „Filmfest Emden-Norderney“ wurde er neulich mit dem „Bernhard Wicki-Preis“ für einen „außergewöhnlichen Spielfilm“ bedacht.

Sie sind Feuer auf Feuer. Sie ist eine christliche Schullehrerin, diese spröde Frau Lehmann (ANDREA SAWATZKI), die im schwäbischen Liebigheim als ehrgeizige Leiterin des Knabenchors ein strenges „Alte Jungfer“-Regiment führt. Er, Zoro (MERT DINCER), ist ein Moslem von 13, einst – mit Mutter und Schwester – aus Afghanistan hier gestrandet, der sich gerne öffentlich als Möchtegern-Macho und intern als Familien-Oberhaupt aufspielt, weil sein Vater sich noch in Ungarn befindet. Zoro baut ziemlich viel Mist und kann Frau Lehmann überhaupt nicht ausstehen. Seine Sprüche sind frech, vorlaut und mitunter auch eklig-frauenfeindlich, aber da ist er bei Frau Lehmann an der Richtigen. Sie gibt diesem Klein-Macker – „Bastard“ – kühl und oft kontra. Doch dann muss sich Zoro arrangieren, denn es geht auf eine Chor-Reise nach Ungarn. Und dort könnte er doch seinen geliebten zurückgebliebenen Vater „befreien“. Wenn er denn mit-darf. Doch sein Vorteil, über den er sich anfangs gar nicht so bewusst ist: Zoro besitzt eine fantastische Stimme. Und wäre für den Chor bei diesem Wettbewerb ein riesiger Gewinn. Frau Lehmann kriegt das Denk-Flattern.

Wie solch eine Geschichte in Hollywood platziert worden wäre ist klar. Doch wir befinden uns nicht im süßlichen Disney-Tempel, sondern auf ziemlich frostigem deutschem Boden. Was dem Film auch ganz gut bekommt. Denn Martin Busker versteht es geschickt wie latent, Klischees zu unterlaufen. Indem er sie karikiert, etwa allgemein, zum Beispiel bei demonstrierenden erwachsenen einheimischen „Wutbürgern“ (darunter die Kabarettistin Dr. Birte Schneider aus der „heute-show“) mit ihrem saudämlich-komischen Provinz-Rassismus („Eine Horde Buschleute“), und dann auch direkt, in den konfrontativen Annäherungen zwischen diesen ungleichen Duellanten, deren Vokabular sich zwischen „Frau Bitch“ und „Zwerg-Prolet“ langsam wärmt.

Eine gar nicht weichgespülte hiesige Tragikomödie, die über ein starkes Ensemble funktioniert und in der großen wie kleinen Hauptrolle bestens besetzt ist. Als gescheiter, listiger und ziemlich überzeugender „Spaß“-Versuch, auf DAS zu blicken und es unterhaltsam anzugehen, was sich derzeit hierzulande – meistens starr-verbittert – unter „Migrationsprobleme“ titelt. Dabei wechseln schon mal – schließlich über die weltliche Musik – die starren Positionen. So dass die gegenseitige „Angst“ (vor was und wem und warum eigentlich?) sich Ton-mäßig lockert.

Ein erstaunlicher deutscher Mut- und Wut-Film (= 3 1/2 PÖNIs).

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