Danish Girl Kritik

THE DANISH GIRL“ von Tom Hooper (GB/D/USA 2015; B: Lucinda Coxon; nach dem gleichn. Debüt-Roman von David Ebershoff/2000; K: Danny Cohen; M: Alexandre Desplat; 120 Minuten; Start D: 07.01.2016); TRANSGENDER, den Begriff gibt es in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts noch nicht. Am Schauplatz Kopenhagen kommen wir mit dem Ehepaar Einar und Gerda Wegener in Kontakt. Er ist ein erfolgreicher Landschaftsmaler, sie zeichnet Porträts.

Ihre Ehe ist glücklich. Und bleibt es auch nach „diesem“ folgenschweren Ereignis: Als sie eines Tages ohne Modell dasteht, bitte sie ihren Mann, einzuspringen. In Frauen-Kleidern. Ein Schlüssel-Erlebnis. Denn Einar fühlt sich plötzlich und dann mehr und mehr angesprochen: als Frau. In ihm. Begibt sich als „Cousine Lily“ in die Gesellschaft. Während seine Frau Gerda mit den androgynen Frau-Porträts ihres Mannes endlich künstlerische Anerkennung findet, entschließt Einar sich zu einer radikalen Verwandlung. Als Lili Elbe zieht er mit Gerda nach Paris, wo sie Teil der Künstlergemeinschaft werden. Und er sich entschließt, sich endgültig zu bekennen: er will sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterziehen. Natürlich wird er = sie von Ärzten als hirnrissig, schizophren oder abnormal oder homosexuell bezeichnet. „Eingestuft“. Doch gemeinsam mit Gerda, die als treue, bedingungslose Gefährtin Lily zur Seite steht, wird der Kampf aufgenommen. Der Dresdener Arzt Kurt Warnekros (SEBASTIAN KOCH) erklärt sich schließlich bereit, die Operation vorzunehmen.

Kein ideologisches Fahnen- und Polit-Bild, sondern das einfühlsame wie konventionelle Porträt eines besonderen Menschen. Der sein „anderes Ich“ entdeckt, empfindet, und sich konsequent und gegen alle Widerstände darauf einlässt. Was eine kitschige Schmonzette hätte werden können, wird durch die herausragende Interpretation eines außergewöhnlichen sensiblen Schauspielers zu einem (übrigens historisch verbürgten) Menschen-Drama: EDDIE REDMAYNE; der bereits im vorigen Jahr durch den überragenden Part als schwerkrankes Geistes-Genie Stephen Hawkins in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ (s. Kino-KRITIK) triumphierte und den Hauptdarsteller-„Oscar“ zugesprochen bekam. Ihm gelingt auch hier „das Werden“ zu seiner Filmfigur. In Körpersprache und Seelen-Intimität. Der soeben, am 6. Januar 2015, 33 Jahre jung gewordene Vollblut-Mime verstört faszinierend und dabei ungeheuer behutsam mit den Nöten eines Menschen „im falschen Körper“. Die nächste „Oscar“-Nominierung winkt. Als gleichsam gefühlsintensive, um ihre Liebe kämpfende Ehefrau Gerda, weiß die schwedische Schauspielerin ALICIA VIKANDER („Ex_Machina“) ihre Null Ouvert-Auftritte in „Codename U.N.C.L.E.“ und kürzlich in „Im Rausch der Sterne“ mitreißend vergessen zu machen.

Spielleiter TOM HOOPER, der 2011 für sein Meisterstück „The King’s Speech“ den „Oscar“ als „Bester Regisseur“ zugesprochen bekam, hat erneut einen emotionalen Sehnsuchtsfilm geschaffen, der gedanklich wie atmosphärisch tief in die Haut einzudringen vermag (= 4 PÖNIs).