BERNADETTE

PÖNIs:      (4/5)

„BERNADETTE“ von Richard Linklater (Co-B + R; USA 2017/2018; Co-B: Holly Gent, Vincent Palmo Jr.; nach dem Roman „Wo steckst Du, Bernadette?“ von Maria Semple/2015; K: Shane F. Kelly; M: Sam Lipman, Graham Reynolds; 111 Minuten; deutscher Kino-Start: 21.11.2019); ich mag RICHARD LINKLATER, den am 30. Juli 1960 im texanischen Houston geborenen unorthodoxen Filmemacher. Ein Autodidakt, der „sieht“, empfindet und darüber – filmt. Um ihn vorzustellen und vor allem, warum man ihm gegenüber sehr viele Sympathie entgegenbringen kann, verweise ich auf die Texte zu seinen wunderbaren (Lebens-)Streifen wie „School of Rock“ (2003/s. Kino-KRITIK); vor allem natürlich „Boyhood“ (2014/5 PÖNIs/s. Kino-KRITIK) und zuletzt „Everybody Wants Some!!“ (2016/s. Kino-KRITIK). Man kann auch sagen, „aus was DER Filme fabriziert“, ist bewundernswert. Weil so unkonventionell wie unberechenbar, faszinierend sperrig wie bei seinen inspirierenden Lebensweg-Stücken „Before Sunrise“ (1995); „Before Sunset“ (2004/s. Kino-KRITIK) und „Before Midnight“ (2013).

Das Beste, was man von ihr sagen darf: Sie wird nicht gemocht. „Von denen“. Diesen Angepassten, Spießern, Regelwütigen. Bernadette Fox (CATE BLANCHETT) „ist berüchtigt“. Heißt es schon im Vorspann des Romans. Von Maria Semple. Aus dem Jahr 2012. Der über 50 Wochen auf der „New York Times“-Bestsellerliste stand und einen beim Lesen anstrahlt. Was für eine herrlich schräge Frau, die sich nicht einverleiben lässt. Dabei war sie als hochgeschätzte Star-Architektin unterwegs, bevor… Dabei ist ihr Gatte ein hochgeschätzter Experte bei Microsoft. Alles könnte doch so im Lot sein, aber … SIE NERVT. Ist eben nicht zu ummanteln. Gestattet sich Launen. Extravaganz. Rückzug. Mag keine Menschen-Anhäufungen. Beschäftigt online eine indische Assistentin, die ihren Alltag für sie regelt. Dann aber beschließt Ehemann Elgie (BILLY CRUDUP), dass sich jemand „Amtliches“ um Bernadette kümmern sollte. Müsste. Dabei plante man doch gerade, gemeinsam mit Tochter Bee (EMMA NELSON), anlässlich ihres Schulabschlusses, eine Reise in die Antarktis. Alles im Unlot inzwischen. Und Bernadette verschwindet. Einfach so.

Meine tolle Güte: Die zweifache „Oscar“-Preisträgerin CATE BLANCHETT („Aviator“; „Blue Jasmine“). Als empfindsame Neurotikerin und selbstständige Ängsteinhaberin eine darstellerische Wonne und Wucht. Mit köstlicher wie verständlicher Menschenscheu, wenn ich dagegen an die stets „aufgekratzte“ blonde eifrige Nachbarin Audrey denke (KRISTEN WIIG), ist Bernadette eine im vortrefflichsten Sinne: souveräne Eigenentwicklerin. Die nur das zu tun bereit ist, was sie berührt. Anspricht. Interessiert. Kompromisse? Faul. Dämlich. Unangenehm.

„BERNADETTE“, der Film, ist eine herzerwärmende Denk- und Seelen-Begegnung mit einer Frau, der man gerne folgt. Die man angekratzt-amüsiert begleitet. Was wieder für eine lustige, frische, pfiffige Richard Linklater-Begegnung mit viel (einvernehmlicher) Cate Blanchett-Anteilnahme (= 4 PÖNIs).

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