ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL

PÖNIs:    (2/5)

„ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL“ von Caroline Link (Co-B + R; D/Schweiz 2018; Co-B: Anna Brüggemann; nach dem gleichn. Roman von Judith Kerr/1973; K: Bella Halben; M: Volker Bertelmann; 119 Minuten; deutscher Kino-Start: 25.12.2019); der gleichnamige Roman von Judith Kerr (*14. Juni 1923 in Berlin – †22. Mai 2019 in London) zählt zu den Klassikern der Jugend-Literatur. Er wurde 1971 in englischer und 1973 in deutscher Sprache veröffentlicht. Das Kinder- und Jugend-Buch, das auf autobiografischen Begebenheiten von Judith Kerr basiert, gilt als bedeutendes Standard-Werk für den – vor allem auch aktuellen – Unterricht in der Schule im Hinblick auf die Themen: Anfänge des Dritten Reichs in Deutschland und Flüchtlingsproblematik. 1974 wurde der Roman mit dem „Deutschen Jugendliteraturpreis“ als „herausragendes Kinderbuch“ ausgezeichnet. Bis 2013 wurden in Deutschland rund 1,3 Millionen Exemplare des Buches verkauft.

CAROLINE LINK. Geboren am 2. Juni 1964 in Bad Nauheim. SIE zählt hierzulande zu den renommiertesten Filmemacherinnen. Wurde 2003 mit dem Auslands-„Oscar“ für ihren Film „Nirgendwo in Afrika“ (s. Kino-KRITIK) bedacht. Schuf danach „Im Winter ein Jahr“ (2008/s. Kino-KRITIK) und „Exit Marrakech“ (2013/s. Kino-KRITIK). Anfang diesen Jahres konnte Caroline Link mit der Hape Kerkeling-Kindheits-Biographie „Der Junge muss an die frische Luft“ (s. Kino-KRITIK) einen Riesen-Erfolg verbuchen. Mit ihrem neuen Film erzählt sie von den Kindheitserinnerungen von Judith Kerr, die hier Anna Kemper heißt. Und 1933, als sie 9 Jahre jung ist, mit ihren Eltern unbeschwert in Berlin aufwächst. Bis sich die Welt verändert. Weil die Nationalsozialisten dabei sind, die Macht in Deutschland zu übernehmen. Jüdisches Leben ist ab sofort bedroht. Eines Morgens ist Vater Arthur verschwunden. Als liberaler Schriftsteller und populärer Theater-Kritiker blieb ihm nur die Flucht. Vor den immer näher rückenden Verfolgern. Ehefrau Dorothea, Anna und der 13-jährige Bruder Max müssen ebenfalls bald damit rechnen, von den Nazi-Schergen verhaftet zu werden. Also planen sie ebenfalls ihre Flucht aus Deutschland. Für Anna aber bedeutet dies, sie darf nur ein Spielzeug mitnehmen. Ihr heiß geliebtes Rosa-Kaninchen lässt sie deshalb zurück. Eine Entscheidung, die sie später immer wieder bedauern wird.

Roman und Film schildern fortan das Leben der Familie Kemper im schweizerischen Exil. Als Aufträge und Einnahmen ausbleiben, wird es schwierig. Existenz-bedrohend. So dass sich die Familie nach Frankreich aufmacht, wo man sich bessere Überlebenschancen erhofft. Bevor es dann endgültig nach England geht. Das ist die – bekannte – Geschichte.

Aus welcher der Film viel zu wenig „Sauerstoff“ entnimmt. Caroline Link hakt die Stationen dieser Zwangsbewegungen einer Familie im statischen Episodenformat ab. Vermag dabei die mit der Vertreibung verbundenen immensen – physischen wie psychischen – Schwierigkeiten und enormen Entbehrungen nur oberflächlich anzudeuten und nur wenig-wirklich-wirkungsvoll zu schildern. Und die Co-Autorin und Regisseurin vermag ebenfalls auch nur begrenzt, sich ihren Personen emotional wirklich zu nähern. Unzureichend werden zudem diese ekelhafte, widerwärtige und aggressive Nazi-Politik und die damit verbundenen realen gesellschaftlichen Auswirkungen beschrieben. Von den fürchterlichen individuellen Panik- wie Sorgen-Stimmungen ganz zu schweigen. Aus allen Poren und Motiven des künstelnden Films sind nur Bemühtheit und Anstrengungen zu konstatieren. „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ ist durchsetzt mit nur behaupteter Empathie.

Was auch an den wenig mitreißenden Schauspielern liegt. Die junge RIVA KRYMALOWSKI als Anna erscheint mehr altklug denn kindlich-nachdenklich. OLIVER MASUCCI (der „Adolf Hitler“ aus „Er ist wieder da“) als Vater Arthur tritt mehr wie ein dauer-rauchender Bonvivant auf als wie ein bedrohter Emigrant. Und auch CARLA JURI („Feuchtgebiete“) als Mutter Dorothea hinterlässt kaum Wirkung.

Die Absicht ist ehrenwert, die angesteuerte doppelbödige Ausführung dagegen wenig überzeugend. Der Film landet weit hinter jedwedem Anspruch (= 2 PÖNIs).

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