DER GEHEIME ROMAN DES MONSIEUR PICK

PÖNIs:      (4/5)

„DER GEHEIME ROMAN DES MONSIEUR PICK“ von Rémi Bezancon (Co-B + R; Fr 2018; Co-B: Vanessa Portal; nach dem Roman „Le Mystère Henri Pick“ von David Foenkinos/2016; K: Antoine Monod; M: Laurent Perez Del Mar; 100 Minuten; deutscher Kino-Start: 26.12.2019); der 1971 in Paris geborene RÉMI BEZANCON fand im April 2009 mit seinem zweiten Spielfilm auch bei uns viel Beachtung und Zuspruch: „C´est la vie – So sind wir, so ist das Leben“ (s. Kino-KRITIK) war ein formidables filmisches Fotoalbum einer fünfköpfigen französischen Familie. 2011 folgte der zauberhafte Animations-Streich „Die Abenteuer der kleinen Giraffe Zarafa“, mit dem Rémi Bezancon 2012 im „Generation Kplus“-Wettbewerb der Berlinale vertreten war. Film 3 von ihm ist auch (sehr) gelungen.

Motto: Ein Kritiker ist ein Kritiker, ist ein KRITIKER! Jean-Michel Rouche ist solch ein mächtiger wie eitler KRITIKER. Im französischen Fernsehen. Wo er über DIE LITERATUR befindet. Seine Worte, sein Urteil, haben Gewicht. Deshalb – als er eines Tages DAVON hört, ist er empört. Geradezu aufgebracht. DAS darf doch, nein, dass kann einfach nicht wahr sein. Aber: der Reihe nach.

Auf der landschaftlich wunderschön wie sehr entlegen gelegenen Halbinsel Crozon in der Bretagne existiert eine „merkwürdige“ Bibliothek. Eine BIBLIOTHEK DER ZURÜCKGEWIESENEN ROMANE. Hier werden unzählige Manuskripte von Autoren aufbewahrt, gelagert, deren „Werke“ von Verlagen NICHT angenommen wurden. Abgelehnt wurden. Von „Masturbation und Sushi“ bis zu „Kaviar für die Mutigen“. Doch dann spielt der Zufall eine phantastische Rolle. Als die junge Verlegerin Daphné Despero hier herumschnüffelt und auf ein, wie sie sofort erkennt, spektakuläres Roman-Manuskript stößt. Das sie umgehend unter dem Titel „Die letzten Stunden einer großen Liebe“ veröffentlicht. Fortan ist das Literatur-Frankreich nicht mehr dasselbe wie zuvor, der Roman mutiert zu einem triumphalen Erfolg. Das ganze Land taumelt, also befindet sich: in einem literarischen Fieber-Zustand. Und will natürlich nur eines wissen: Wer, bitte schön, ist dieser Autor, der Verfasser des Romans? Wer ist dieser „Debütant“ Henri Pick? Und es stellt sich heraus – dieser Monsieur Henri Pick ist, das heißt war niemand anderes als der vor einiger Zeit verstorbene Pizza-Bäcker aus dieser kleinen bretonischen Gemeinde. Von dem es heißt, er hätte – eigentlich – nie etwas mit Literatur am Hut gehabt.

Der Besserwisser Jean-Michel ist a) verärgert, über diesen Riesen-Hype, der sich um diesen Roman entwickelt hat, und b) wittert er den großen Betrug. Also macht er sich, gegen zahlreiche Widerstände, schließlich mögen die Menschen „wahre Märchen“, auf die Spuren nach diesem toten wie geheimnisvollen Bestseller-Autoren und Pizza-Bäckers, Monsieur Pick. Und was er bei seinem aufwendigen Kreuzzug dabei erlebt, ist ebenso amüsant wie kriminalistisch angehaucht von Agatha Christie. Mit vielen hübschen Pointen versehen. Und einigen listigen Überraschungen. In seinem Schlepptau: Die alleinlebende Joséphine (CAMILLE COTTIN), die eigenwillige Tochter von Henri Pick, die ihren Sohn „Melville“ taufen ließ und mal Kontrahentin, mal Verbündete für Jean-Michel ist. Und dafür sorgt, dass der Literatur-Papst von seinem hohen Eitel-Sockel immer mehr heruntersteigen muss.

Eine Film-PERLE! Mit fröhlicher Klugheit wird von der Liebe zu Büchern erzählt und auch davon, wie diese – von nüchtern bis euphorisch – heutzutage verwertet werden. Mit liebevollem, hintergründigem Charme-Humor verwickelt uns der Autoren-Regisseur Rémi Bezancon in ein abenteuerliches Versteckspiel voller Finten und Wendungen. Mit einem einmal mehr formidablen französischen Bühnen- und Kino-Star FABRICE LUCHINI (zuletzt: „Die feine Gesellschaft“; davor: „Das zweite Leben des Monsieur Alain“/s. Kino-KRITIK) in der detektivischen Hauptrolle.

„DER GEHEIME ROMAN DES MONSIEUR PICK“: Ein sympathischer, warmherziger, köstlich unterhaltsamer neuer französischer Film (= 4 PÖNIs).

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