Spion und sein Bruder Kritik

DER SPION UND SEIN BRUDER“ von Louis Leterrier (GB/USA 2014; B: Sacha Baron Cohen, Phil Johnston, Peter Baynham; Co-Produzent: Sacha Baron Cohen; K: Oliver Wood; M: Erran Baron Cohen, David Buckley; 82 Minuten; Start D: 10.03.2016); normalerweise ist seine filmische Hackfresse „interessant“, hier ist sie nur potthässlich. Als Norman „Nobby“ Butcher. Aus Grimsby, so heißt auch der Originaltitel, einer kleinen britischen Stadt im Norden Londons. Sacha Baron Cohen ist aber nicht nur äußerlich am Tiefpunkt angekommen; sein neuer Film ist, also vermittelt, buchstäblich Scheiße.

SACHA BARON COHEN, geboren am 13. Oktober 1971 in London, im vornehmen Stadtteil Hammersmith, als Spross einer walisisch-jüdisch-iranischen Mittelstandsfamilie. Der die Privatschule besuchte, Geschichte in Cambridge studierte und einen Abschluss mit der Note 2,1 (über die Beziehung von jüdischen und schwarzen Bürgerrechtlern) hinlegte. Als „Unschuldsferkel aus Kasachstan“ („SZ“/6.7.2009) provozierte er Ende 2006 im Kino mit und als „Borat“ (s. Kino-KRITIK) und wurde berühmt. In der Film-Folge entstanden, schon schwächer provozierend, „Brüno“ (s. Kino-KRITIK) und zuletzt „Der Diktator“ (s. Kino-KRITIK). Während diese drei Extrem-Possen unter der Regiefuchtel seines New Yorker Radau-Freundes Larry Charles entstanden, verbündete er sich hier mit dem französischen Regisseur LOUIS LETERRIER, 42. Der hat zwei „Transporter“-Kracher zu verantworten (2002 / 2005) und zuletzt den wirbelnden, imposanten Spannungshit „Die Unfassbaren – Now You See Me“ (2013) geschaffen. Die Handschrift von Leterrier ist hier eindeutig: Er steht für den zahlreichen sinnleeren Action-Krawall, den dieser Streifen durchzieht, während Cohen als Norman „Nobby“ Butcher für „das Übliche“ zuständig ist: Unterleib, Scheiße, im wahrsten Klo-Sinne, Körperflüssigkeiten. Penis-Aktionen. Diesmal auch in der Gebärmutter einer Elefantenkuh, in die er sich mit seinem Bruder Sebastian (MARK STRONG), einem hochkarätigen MI6-Agenten, „begeben“ hat. Währenddessen Frau Elefant von zahlreichen Bullen bestiegen wird und das Sperma literweise auf die „Ein-Wohner“ spritzt.

Warum? Zwei Brüder treffen sich nach Jahrzehnten wieder. Der eine ein selbstbewusster Proll, englischer Fußball-Fan, dämlich bis zum Abwinken, vielfacher „Daddy“, mit einer übergewichtigen „reifen“ Frau ausgestattet. Der andere ein Agent im Einsatz, der auf Grund eines Versehens von seinen eigenen Leuten als Mörder und Verräter gejagt wird. Und bei seinem Bruder Unterschlupf und mit ihm dann auch „Begleitung“ findet. Der eine ist dusslig, der andere begriffsstutzig. Oder umgekehrt. Beide retten die Welt. Vor Penélope Cruz, die in Südafrika mit der Verbreitung eines Virus die Anzahl der Weltbevölkerung verringern möchte. Alles klar? Zwischendurch immer wieder diese ekligen Penis- & Co.-Mätzchen sowie die manchmal etwas zum Lächeln inspirierenden Anspielungen, etwa wenn England die Deutschen im WM-Endspiel endlich einmal besiegt, mit Hilfe des „Pistoleros“ Nobby, oder wenn schließlich Donald Trump mit „Aids“ in Verbindung gebracht wird. Am Ende stecken sich die Brüder Raketen in ihre Ärsche und düsen ab.

Das mit dem Provozieren, der bürgerlichen Welt einen unmoralischen Schmutz-Spiegel vorzuhalten, ist längst passé. Schon 2009 schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ anlässlich des Starts von „Brüno“ „Wie Bully Herbig mit Dildo“. War das noch nett, wird es hier abartig. Nicht komisch-, sondern widerlich-obszön. Was Sacha Baron Cohen jetzt anstellt, ist geistiges wie erzählerisches Billig-Rammeln von, nein mit der Billig-Stange (= 1 PÖNI).