Spezialisten Kritik

DIE SPEZIALISTEN“ von Patrice Leconte (Fr 1985; 94 Minuten; Start D: 17.10.1985)

Paul (BERNARD GIRAUDEAU) hat einen Polizisten gekillt und erwartet lebenslänglich. Stephane (GÉRARD LANVIN) ist wegen mehrerer spektakulärer Einbrüche verurteilt. Bei einem Gefangenentransport treffen sie zufällig aufeinander und können abhauen. Gehandicapt allerdings: sie sind aneinander gekettet. Obwohl sie die Verfolger abschütteln können, ist die Stimmung mies. Die Beiden mögen sich nicht besonders und zeigen sich das auch ganz deutlich. Trotzdem muss es ja zusammen weitergehen. Bis zu einem Bauernhof, wo sie auf eine junge, hilfsbereite Witwe treffen, der die Bullen vor einiger Zeit den Ehemann erschossen haben. Jetzt sind sie zu dritt, um zu einem Coup zu starten, der von vorn herein als aussichtslos erscheint. Eine Spielbank an der Cote d‘Azur ist so gesichert, dass jeder Bruch ein Selbstmordkommando bedeutet. Trotzdem wagen sie das Ding.

Wenn die Spruchweisheit, dass jeder Film im Grunde schon irgendwann einmal gemacht wurde, irgendwo zutreffen sollte, dann ganz bestimmt hier. Die Ausgangssituation zitiert ziemlich präzise den Stanley Kramer-Klassiker “Flucht in Ketten“ von 1958, wo allerdings Tony Curtis und Sidney Poitier zunächst die rassistischen Vorurteile auszuräumen hatten, bevor es an die große Freundschaft ging. Und im weiteren Verlauf dieser Story, bei der routiniert und flott, aber auch mit sehr viel synchronmäßigem, glattem Rotz-Jargon wieder einmal ein unmöglicher Coup gestartet wird, geht‘s durch die französische Abenteuer- und Gangstergeschichte. “Rifiifi“ von Jules Dassin (1954), d i e Vorlage aller Film-Brüche, darf ebenso zitiert werden wie etwa “Lautlos wie die Nacht“, das grandiose Überall-Spektakel von Henri Verneuil aus dem Jahre 1962, wo Jean Gabin und Alain Delon mustergültig ebenfalls ein Spielkasino ausräumten, sowie “Die Abenteuer“ von Robert Enrico (1966), wo auch das hohe Lied einer Dreiecksfreundschaft gesungen wurde. Was hier nur auffällt, ist die marktschreierische Musik, die viel zu laut ist und die ebenso glatte, betont französische Atmosphäre tötende Synchron-Eindeutschung.“Du bestehst nur aus einem Haufen Sprüchen, die nichts bringen“, sagt Carella einmal im Film zu seinem Kumpel, und da ist durchaus was dran (= 2 PÖNIs).