Diktator Kritik

DER DIKTATOR“ von Larry Charles (USA 2011; 80 Minuten; Start D: 17.05.2012); sie sind fest miteinander verbunden als groteske Anarcho-Clowns – der (jetzt) 56jährige New Yorker Ex-Stand-Up-Komiker, Drehbuch-Schreiber und Regisseur Larry Charles und der 40jährige Londoner Komiker, Autor, Schauspieler und Produzent SACHA BARON COHEN. Beide haben zusammen die provokanten Häme-Movies „BORAT“ (2006/s. KRITIK) und „BRÜNO“ (2009/s. KRITIK) gezimmert; zwischendurch hat Larry Charles mit „Religulous“ (2008) einen brillanten dokumentarischen Interview-Spott auf das fundamentalistische Glaubens-Amerika geschaffen (deutscher DVD-Titel: RELIGULOUS – Man wird doch wohl fragen dürfen“). Nun drehen sie erneut „dick“ auf, allerdings in offensichtlich verschiedenen Versionen: Während das US-Presseheft eine Länge von 101 Minuten behauptet, haben wir – in der hiesigen Pressevorführung (ohne Pressematerial) – eine originale Version serviert bekommen, die gerade mal rund 80 Minuten kurz war. Offensichtlich reicht man uns hier im Kino zunächst einen „unvollständigen Happen“, um dann möglicherweise demnächst mit der DVD „komplett“ (als Bonusmaterial) verkaufsmäßig noch einmal zu klotzen. Das inzwischen gängige Doppel-Geschäft also.

Alles begann mit der TV-Reihe „Da Ali G Show“. 18 Episoden in 3 Staffeln, zwischen 2000 + 2004. Die hierzulande bei MTV und VIVA ausgestrahlt wurden. Aus dieser Erfolgsserie übernahm Sacha Baron Cohen die schrägsten Figuren für seine Kinoauftritte in „Ali G in da House“ (2002), für „Borat“, den unterbelichteten kasaischen Fernsehreporter, sowie für „Brüno“, den schwulen österreichischen Mode-Reporter. Anders als in seinen „improvisierten“ filmischen Real-Satiren wurde für „The Dictator“ nun erstmals ein Drehbuch von gleich vier Autoren (= Sacha Baron Cohen/Alec Berg/David Mandel/Jeff Schaffer) für eine fiktive Geschichte erstellt. Für einen diesmal also „ganz normalen“ Kinofilm. Cohen mimt Admiral General Aladeen. Den mit einem grässlichen Rauschevollbart ausgestatteten diktatorischen Landes-Chef des arabischen Staates Wadiya am Indischen Ozean. Der sein Volk „liebevoll unterdrückt, um es nicht der Demokratie aussetzen zu müssen“ (Pressetext). Und der gerade dabei ist oder sein soll, ein Atomprogramm „aufzulegen“. Was natürlich weltweit für Aufmerksamkeit und zu Protesten führt. Also reist der Kostüm-Zausel nach New York, um vor der UNO sich und „sein Anliegen“ zu erklären. Dabei wird er von seinem engsten Vertrauten (Sir BEN KINGSLEY) „ausgetauscht“. Und mit einem schlichten Ziegenhirten-Doppelgänger (natürlich ebenfalls Sacha Baron Cohen) neu „besetzt“. Von wegen Umsturz und Verscherbeln der Ölvorkommen an internationale Multi-Konzerne. So wuselt der nunmehr bartlose Führer, der abhauen konnte, anonym in New York herum. Landet bei einer unsäglich naiven Öko-Tusse (Anna Faris) im antirassistisch-lesbenfreundlichen Multikulti-Bio-Laden und bemüht sich fortan, seinen „Posten“ als „demokratischer“ Despot zurückzuerobern.

Slapstick. Wort-Witz. Anspielungen. Gaga. Auf Sexismus, Rassismus, auf diese „verdammte“ „Political Correctness“. Auf die Bösen unter den weltlichen Mächtigen. Wie Mahmud Ahmadinedschad, Kim Jong-il. Aber auch auf die Verblichenen. Wie Osama Bin Laden, Muhammar al-Gaddafi oder Saddam Hussein. Viele kriegen zünftiges „Spott-Fett“ ab. Werden der Lächerlichkeit in Selbstdarstellung und Personenkult preisgegeben. Mit ebenso brachialem Fäkal-Humor wie mit brillanter doppelzüngiger Zunge: Die Lob-Rede des „beklopptren Herrschers“ auf die Vorteile einer „sympathischen Diktatur“ zielt bitterkomisch auf fragwürdige US-Kriegseinsätze ebenso wie auf Guantanemo. Auf das „hehre Demokratieverständnis“ der aktuellen USA. Hier ist das zynische Pointen-Potenzial vielfältig. Entlarvend. Reich. Doll. Voll denk- & treffsicher. Während an anderen Stellen vielfach die harmlose, mehr nur ordinäre Groteske winkt. Stichwort. Bemühte Handlung. Die bisweilen ziemlich durchhängt. Weil halbherzig konstruiert. Wirkt. Harmlos. Sogar langweilig. Von wg.: Die bemühte Story. In läppischem Zusammenhalt und mit zahnloser Undichte.

Der Film „Der Diktator“ also – ein ewiges Auf und Ab. Mit dem allerdings dialog-köstlichen Höhepunkt während eines Hubschrauber-Fluges über New York, mit einem älteren US-Touristenpaar gegenüber, wenn Cohens Aladeen mit einem Kumpel in seiner arabischen Landessprache über seinen Porsche 911 und „Nine Eleven“ (un-)missverständlich philosophiert und Panik auslöst. Mit und als „Der Diktator“ erreicht Sacha Baron Cohen aber längst nicht mehr die Wirkung wie einst mit „Borat“ oder auch noch als „Brüno“. Anstatt der annoncierten, behaupteten heißen Provokanten-Luft überwiegt hier der lediglich nur lau aufgewärmte geschmäcklerische Grenzwert-Humor (= 3 PÖNIs).

Kein großer Holly-Wurf, aber immerhin solide schmunzelnd unterhaltsam (= 3 PÖNIs).