Diese Zwei sind nicht zu fassen Kritik

DIESE ZWEI SIND NICHT ZU FASSEN“ von Peter Hyams (USA 1986; 107 Minuten; Start D: 20.11.1986).

Wenn ‚Bullen‘ in die Jahre koimmen…“ – könnte man die gegenwärtige Welle mit Filmen nennen, in denen amtliche Gesetzeshüter meist mehr mit sich als mit ihren polizeilichen Aufgaben zu tun haben. Das dennoch dadurch ihr Helden-Image keineswegs geringer wird oder leidet (sondern eher ganz im Gegenteil), gehört eben zu den Prinzipien und Praktiken im amerikanischen Business, das für wirkliche Verlierer und Opfer keinen Platz hat. Also ziehen sich die Kerle dann doch wieder aus dem Dreck, retten die Chose und stehen letztlich wieder voll im Saft. Nach Charles Bronson (in „Murphy‘s Gesetz und Jeff Bridges (in „5 Millionen Wege zu sterben“) treten hier nun mit Gregory Hines und Neuling Billy Crystal gleich zwei dieser saloppen, coolen Sprücheklopfer mit Harke auf. Als Ray und Danny sind sie zwei Schreckgespenste für jeden unanständigen Typ, und auch wenn (oder weil) ihre Methoden selten einmal völlig stubenrein sind, gelten sie als die ‚Besten der Schmutzigen‘ auf den Straßen von Chicago.

Aber die Tatsache, es ständig mit immer mehr „Unrat“ zu tun zu bekommen, hat sie im Laufe der Dienstjahre mürbe und müde gemacht. Ihre Frauenbeziehungen sind Momentsachen, ansonsten klucken sie andauernd zusammen, führen sich schon manchmal wie ein altes, zänkisches Ehepaar auf und sinnieren darüber, wie es denn nun weitergehen soll. Denn sie gehen stramm auf die Vierzig zu. Gerade haben sie wieder einmal Mist gebaut, haben mit ihrer burschikosen, vorpreschenden Art die Verhaftung eines Großdealers vermasselt, so dass ein Zwangsurlaub angesagt ist.

In Key West begegnet ihnen bei Strand, Wein, Weib und softem Sound die andere Seite des Lebens, so dass sie kurzerhand beschließen, ihren Job zu schmeißen und hier eine Kneipe aufzumachen. Aber noch einmal müssen sie zurück ins kalte Chicago, wo sich Julio Gonzales (Jimmy Smits) anschickt, wieder ein neues, dickes Drogengeschäft zu landen. Und das geht über ihre Hutschnur und ihr Gerechtigkeitsverständnis. Also spielen sie noch einmal mit, und wie. Und es ist nicht auszuschließen, dass es für sie noch viele weitere solcher „Spiele“ geben wird.

Ray und Danny sind wie Kinder, die versessen darauf sind, ständig Räuber und Gendarm spielen zu dürfen. Zwar gibt es oft genug Zweifel an solchermaßen Tages- und Nachtbeschäftigung („Ich dachte immer, wir sind die Guten“), doch dann zieht es sie doch wieder in den kriminellen Müll, der nicht nur ihnen über den Kopf zu wachsen droht. Die Polizistenfilme von heute sind eigentlich überhaupt nicht mehr an einer herkömmlichen Story von Gut gegen (geheimnisvollem) Böse interessiert, sondern stellen diese Positionen wie in einem Kartenspiel gleich ganz klar. Der Gegner ist, auch für die Zuschauer, sofort ausgemacht und verändert sich auch nicht, denn er ist ja nicht der Punkt, um den es geht. Es geht um die Cops selber mit ihren Dauer- Macken und Sprüchen, ihren Resignationen und Hoffnungen, ihren vielen illegalen Methoden, die scheinbar allein nur noch ein Überleben ermöglichen. Aber: „Wir sind schon eine Ewigkeit im Dienst und die Kriminalität wird immer schlimmer. Vielleicht sind wir das Problem“, werden auch Fragen angerissen, die nicht so schnell wegzuwischen sind.

Das Problem von Autoren und Regisseure allerdings scheint es zu sein, „dazu“ ja nicht die obligatorischen Unterhaltungsmechanismen zu vergessen. Eine halsbrecherische und in dieser Form wieder actionreiches Filmneuland betretende Verfolgungsjagd auf der Hochbahn von Chicago und der effektvolle Show-Countdown in einem riesigen, ultramodernen Verwaltangsbau wirken bombastisch und decken nun wieder die erste Story-Absicht, das psychologische Eingehen auf absaufende Helden von heute, zu. So ist man zwiegespalten. Einerseits erschlagen einen die Bilder, andererseits berühren, interessieren diese sicher nicht unbewusst vorhandenen Psycho-Zustandsbeschreibungen. Auch dass es am Ende kasperlehaft-gut zugeht, ändert nichts an dem Reiz und der Unruhe, die neuerdings Filme wie „Running Scared“ hervorbringen…(= 3 PÖNIs)
.