SHUTTER ISLAND

PÖNIs:      (4/5)

„SHUTTER ISLAND“ von Martin Scorsese (USA 2009; B: Laeta Kalogridis; nach dem gleichn. Roman von Dennis Lehane/2003; K: Robert Richardson; M: Robbie Robertson; 138 Minuten; deutscher Kino-Start: 04.02.2010); natürlich – er ist einer der einflußreichsten Regisseure des 20. Jahrhunderts, der heute 67-jährige, in Queens/New York geborene Regisseur. Der mit Filmwerken wie „Taxi Driver“ (1976), „Wie ein wilder Stier“ (1980), vor allem mit „GoodFellas“ (1990; s. Kino-KRITIK), und „Casino“ (1995) außergewöhnliche kinematographische Erlebnisse kreierte. 2004 schuf er „Aviator“, und für den Gangster-Streifen „DEPARTED“ (s. Kino-KRITIK) bekam er schließlich 2007 die längst überfällige „Oscar“-Trophäe. Für seinen neuesten Film, Drehbuch: Laeta Kalogridis (Drehbücher zu „Alexander“ von Oliver Stone/2004 + „Pathfinder – Fährte des Kriegers“ von Marcus Nispel/2007), adaptierte Scorsese den gleichnamigen, 2003 veröffentlichten Roman des 43-jährigen Bostoner Schriftstellers DENNIS LEHANE. Von DEM stammen auch die Romane „MYSTIC RIVER“ und „GONE BABY GONE“, die 2003 von Clint Eastwood, zweifach „Oscar“-prämiert, und 2007 von Ben Affleck (deutscher Zusatztitel: „Kein Kinderspiel“) verfilmt wurden.

In „Shutter Island“ begeben wir uns zurück in das Jahr 1954. Wo sich der US-Marshal Edward Daniels, gemeinsam mit seinem neuen Partner Chuck Aule, auf dem (Schiffs-)Weg zu einem abgelegenen Eiland befindet. Dort, siehe Titel, sind extrem gefährliche wie extrem psychotische Strafgefangene stationiert. Sie sind in den Häusern A, B und, für die „ganz Schlimmen“, C untergebracht, wo sie „speziell“ resozialisiert werden sollen. Eine weibliche Gefangene ist verschwunden, und die beiden Polizisten sollen herausfinden, wie das überhaupt möglich war und was wirklich passiert ist. Doch sowohl der Anstaltsleiter wie auch der oberste Medizinmann erweisen sich nicht gerade als sehr kooperativ, ganz im Gegenteil. So beginnen Edward & Chuck mit eigenen, gefährlichen Ermittlungen. Und stoßen ganz offensichtlich auf eine merkwürdige Paranoia. 1954. Der Kalte Krieg befindet sich auf dem Höhepunkt. Amerika macht „genüßlich“ Jagd auf Kommunisten. Anscheinend ist auch hier eine Art „Verschwörung“ im Gange. Der „neue amerikanische Mensch“ soll „gezüchtet“ werden, so etwas in etwa. Danach sieht es jedenfalls hier aus. Und hört es sich an. Aber was ist WIRKLICH los? Kann man, als Zusehender, tatsächlich Edward glauben und folgen? Denn auch der Typ scheint nicht „ganz ohne“ zu sein. Hat andauernd Alpträume. Über seine Zeit als Soldat. Wo er an der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau teilgenommen hat. Und an der Erschießung des Nazi-Wachpersonals dort. Seitdem plagen ihn diese „wüsten Träume“. Außerdem hat er seine Frau und seine kleine Tochter ganz offensichtlich bei einem – vorsätzlich gelegten – Brand in seinem Haus verloren. Und auch dies hält ihn traumatisch „in Gang“. Denn der Brandstifter befindet sich möglicherweise auch hier. „Offiziell“ versteckt. Dermaßen selbst vollgestopft mit Privatproblemen will Edward eine schnelle Aufklärung. Um möglichst bald von diesem unwirtlichen Inselort wieder wegzukommen. Doch das ist leichter gedacht als getan. Denn nun…

Scorsese goes B. B-Movie. B-Picture. B-Stimmung. Was soviel bedeutet wie – Fopperei-pur. Wendungen, Täuschungen, amüsantes wie hochkarätiges Rabauken-Theater. Schon gleich am Anfang. Wo es keineswegs „sanft“ einleitend zugeht, sondern gleich mit der gesamten VOLLEN DRÖHNUNG. Die Bässe wummern nur so durch den Saal, dass es einen gleich in den Sessel drückt. Was ist denn nun los? Jetzt schon die volle Kanne Emotionen??? Während Leonardo kotzend in die Szenerie eingeführt wird. Als Edward verträgt er das Schiffswackeln nicht. Auf der Insel endlich eingetroffen, riecht er gleich Konfrontation. Probleme. Kriminelle Energie. Verschwörung. Inmitten einer düsteren rotbraunen Mauer-Szenerie. Die ausgeleuchtet ist wie ein irrer Horrorladen. Dabei benehmen sich „die Einheimischen“ (zunächst) recht zivilisiert. Dennoch nicht sehr zugänglich. Edward ist irritiert, und wir sind es auch. Dann zieht auch noch ein Hurrikan herauf. Was offensichtlich die meisten hier noch mehr „stinkig“ macht. WAS läuft denn hier nun ab? Was ist ja, was nein? Antwort: ein monumentales B-Spannungspuzzle.

Der streitbare Katholik Scorsese begibt sich einmal mehr wieder „herunter“ in die atmosphärischen Psycho-Verstrickungen von Schuld und Sühne. „Religiös“ gesprochen, es soll gesühnt werden. In einem Mystery-Thriller, der zum Psycho-Drama mutiert. Mit rüdem Help-Charme (soviel darf verraten werden). Aber wieso? Weshalb? Warum??? Leonardo DiCaprio als „Nachtschattengewächs“ Edward. Die Milchbubi-Zeiten („Titanic“) sind nun endgültig vorbei. Nach „Gangs of New York“ (2002), „Aviator“ (2004) und „Departed – Unter Feinden“ (2006) spielt der 35-jährige LEONARDO DiCAPRIO das bereits 4. Mal für Martin Scorsese. Mit viel wahnhafter Kraft. Voll überzeugend. Bei diffusem Seelentief-Licht, schwerer Orchestrierung und mit klaustrophobischen Schwingungen. Ein heißes Spannungsding. Marke: Prima-Nerven-Atmosphäre. An der auch der brillante „Schurke“ BEN KINGSLEY, der undurchsichtige Oldie-Kauz MAX VON SYDOW, „Kumpel“ MARK RUFFALO und all die anderen vom „Panik-Ensemble“ stimmungsvoll „Mitschuld“ haben. Und tragen. „Als habe sich ‘Der weiße Hai‘ an Speed-Junkies überfressen“, urteilte die „Süddeutsche Zeitung“. Wunderbar. Ein Schizo-Spaß–pur (= 4 PÖNIs für diesen B-Leckerbissen).

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