Departed Kritik

DEPARTED – UNTER FEINDEN“ von Martin Scorsese (USA/Hong Kong 2006; 151 Minuten; Start D: 07.12.2006). Der 1942 in New York City geborene Scorsese inszenierte 1968 seinen ersten Spielfilm („Who´s That Knocking At My Door?“), machte sich bereits 1975 mit dem Robert-de-Niro-Film „Taxi Driver“ unsterblich („Goldene Palme“ von Cannes) und schuf danach erstklassige Spannungshochkaräter wie „Raging Bull – Wie ein wilder Stier“ (1979; mit Robert de Niro, als Boxer, in „Oscar“-Hochform), „The King of Comedy“ (1982; mit Alt-As Jerry Lewis), „Die Farbe des Geldes“ (mit Paul Newman + Tom Cruise) sowie „Kap der Angst“ (1991). Den größten Ruhm aber erntete Scorsese mit seinen inzwischen zu Klassikern gewordenen GANGSTERFILMEN „Mean Streets – Hexekessel“ (1973); „GoodFellas“ (1989); „Casino“ (1995) und „Gangs Of New York“ (2002). Zuletzt inszenierte er das Howard-Hughes-Biopic „Aviator“ (2004), mit Leonardo Di Caprio in der Hauptrolle.

Scorsese zählt zu den bedeutendsten Filmemachern überhaupt. Darüber hinaus ist er Begründer und Vorsitzender von „The Film Foundation“, einer Stiftung, die sich der Konservierung/dem Erhalt von Filmen verschrieben hat. Im Verlauf seiner Karriere hat er ALLE wichtigen Filmpreise eingeheimst (u.a.: „Goldener Löwe“ von Venedig/1995; den „Life Achievement Award“ des American Film Institute „für sein Lebenswerk“/1997), nur den begehrten „OSCAR“ bekam er bislang NICHT zugesprochen. Mit „Departed“ (übersetzt etwa = „Verstorben/Verblichen“) kehrt Scorsese wieder zum Gangsterfilm-Genre zurück. Dabei orientierten sein Drehbuch-Autor William Monahan (zuvor: „Königreich der Himmel“) und er sich an den Mustern eines in Asien sehr erfolgreichen Hongkong-Thrillers aus dem Jahr 2002 („INFERNAL AFFAIRS“).

Thema: Im Süden von Boston steht die Polizei im harten Dauer-Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Deshalb wird der junge Cop Billy Costigan in das Syndikat des irisch stämmigen Gangsterbosses Frank Costello eingeschleust. Zugleich hat DER einen „seiner Spezis“, den Jungkriminellen Colin Sullivan, im Polizeidienst untergebracht, wo er sich in einer Spezialeinheit hocharbeitet und für Costello wertvolle Spitzeldienste leistet. Das alte New York nun in Boston, eine lausige Moral-Welt, mit diversen Verrätern und Mördern auf beiden Seiten, dazu eine sensible Polizei-Psychologin (Vera Farmiga) mit beruflichen wie privaten Verhältnissen zu sowohl Billy wie auch Colin, und über allen THRONT bei diesem sehr brutalen, teilweise packend-spannenden Kerle-Katz-und-Maus-Spiel DER PATE Frank, vom 3fachen „Oscar“-Preisträger JACK NICHOLSON „losgelöst“-diabolisch-präsent dargeboten.

Der 69jährige mimt den Über-Vater und satanischen Freund mit einer unbändigen Bösewicht-Spiel-Lust, befindet sich aber bisweilen auch im Grenzbereich einer Karikatur. Neben ihm leisten sowohl LEONARDO DI CAPRIO in seinem (nach „Aviator“ und „Gangs of New York“) 3. Scorsese-Film wie auch MATT DAMON („Oscar“-Autor für „Good Will Hunting“; „Der talentierte Mr. Ripley“; „Die Bourne-Verschwörung“) ordentliche Darsteller-Arbeit. Fazit: Der Cineast Scorsese hat hier mehr eine kommerziell-solide Thriller-(Auftrags-)Show denn (wie in seinen früheren Gangster-Balladen) eine tiefergehende Menschen- und Seelenbefindlichkeitsbeschreibung abgeliefert.

Mit Typen, die bekannt sind und handeln; mit der anscheinend unerlässlichen Über-Prise Gewalt + Blut; mit der bekannt-tragischen Betrachtung von Gut/Böse, samt dem üblichen Eingeständnis, dass inzwischen die eigentliche Staatsgewalt in den Händen von bestens organisierten Mafiosi liegt. Dazu: Ein erstklassiges Ensemble von Darsteller-Profis (Alec Baldwin, Martin Sheen, Ray Winstone, Mark Wahlberg…) sowie der üblich-flotte Dauer-Sound-Rhytmus („Gimme Shelter“/The Rolling Stones) und die von Kamera-As Michael Ballhaus wieder brillant dirigierten Bild-Motive. Ein guter neuer Spannungsfilm von Martin Scorsese, aber diesmal auch nicht mehr; der Regie-„Oscar“ winkt endlich…(= 3 PÖNIs).