GOODFELLAS – DREI JAHRZEHNTE IN DER MAFIA

PÖNIs:       (5/5)

Martin Scorsese wurde mit Werken wie „Taxi Driver“, „Wie ein wilder Stier“, „Die Farbe des Geldes“ oder „Die Zeit nach Mitternacht“ weltberühmt. Sein neuer Film heißt:

„GOODFELLAS – DREI JAHRZEHNTE IN DER MAFIA“ von Martin Scorsese (Co-B + R; USA 1989; Co-B: Nicholas Pileggi; nach seinem Buch „Wise Guy – Der Mob von innen“/1986; K: Michael Ballhaus; M: div. Komponisten, Eric Clapton; 146 Minuten; deutscher Kino-Start: 11.10.1990); und handelt von der Mafia. Zeigt den Mob von innen. Und so heißt auch das Buch, nach dem der Film „GoodFellas“ entstand: “Der Mob von innen“. Der Autor ist Nicholas Pileggi. Der traf 1981 einen Mann, der offiziell nicht mehr existierte. Sein Name: Henry Hill.

Henry war seit seiner Jugend ein Verbrecher gewesen. Er war Mitglied dieser “ehrenwerten Gesellschaft“. Obwohl er nur Mechaniker war, wusste er alles. Wusste wie-was funktionierte, wer mit wem oder gegen wen was hatte. Er wusste, wie dieses üble Familien-System zusammengesetzt war und wann welche Taten verübt wurden. Als Henry Hill mitbekam, dass ihn seine eigenen Leute umbringen wollten, packte er aus. Ließ sich in das amerikanische Justizprogramm “zum Schutz von Zeugen“ aufnehmen und plauderte dafür haarklein aus, wann-was-wie-wo und wer. Erzählte von seinem 50-jährigen Mafia-Leben, Martin Scorsese machte daraus einen phantastischen Film. Dabei arbeitete er auf drei reizvollen Ebenen: Schauspieler, Kamera, Musik. Alle drei sind gleichberechtigt, alle drei besitzen eine unglaublich starke Wirkung und Ausstrahlung.

Nicht ROBERT DE NIRO, Scorseses Lieblingsakteur, spielt die Hauptrolle, sondern RAY LIOTTA als Henry. Ihm folgen JOE PESCI in der Rolle seines Lebens als fiebriger, schizophrener, brutaler Kumpel Tommy und dann erst Robert de Niro als aalglatter Jimmy. Das Trio ist, spielt hervorragend. Aber auch deshalb, weil bei „GoodFellas“ die Kamera des Deutschen Michael Ballhaus „mit-fiebert“. Sie ist aufregender Teil der Inszenierung, besitzt dramaturgische Wirkung und Klasse, wirkt emotional-anmachend. Dazu montiert Scorsese bis 15 Minuten vor Schluss die heißesten Songs dieser 30 Filmjahre hinzu, und dabei entsteht so etwas wie ein irrer, tobender Rock ‘n‘ Roll-Krimi, der ständig an die Birne und unter die Haut knallt. Dabei geht es dem Katholiken Scorsese nicht um spektakuläre Details, sondern um die Gangster und ihre Motive. Wie können Menschen im Bewusstsein solcher Gewalt und Verbrechen überhaupt „leben“? WIE existieren sie? Was geht IN IHNEN vor?

Henry Hill ist für ihn nur ein typischer Amerikaner, der halt im Betrieb auf der anderen bürgerlichen Straßenseite des Lebens seine Lehre und Karriere machte. Und dieser Betrieb hieß eben ‚Mafia‘ und nicht ‘GmbH und Co. KG‘. Das entschuldigt natürlich nicht die Illegalität, macht sie aber nachvollziehbar. Scorsese moralisiert faszinierend: „GoodFellas“, ein Begriff aus der Mafia-Sprache, ist ein kühnes, faszinierendes, überragendes  Meisterwerk (= 5 PÖNIs).

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