ROCK THE KASBAH

ROCK THE KASBAH“ von Barry Levinson (USA 2014; B: Mitch Glazer; K: Sean Bobitt; M: Marcelo Zarvos; 106 Minuten; Start D: 24.03.2016); ich schätze ihn. Ich bewundere ihn. ER zählt mit zu den bedeutendsten Cineasten der USA. Ich bin traurig. Und bestürzt. Denn ER hat seine filmische, seine satirische, seine kritische Drama- wie Komödien-Kraft eingebüßt. Die Rede ist von BARRY LEVINSON. Geboren am 6. April 1942 in Baltimore, Maryland. Viele seiner Filme spielen in seiner Geburtsstadt, wie „American Diner“ (1982), „Tin Men“, „Avalon“ und „Liberty Heights (1999). Für „Rain Man“ bekam er 1989 den „Oscar“ als „bester Regisseur“ (nachdem er kurz vorher auch den „Goldenen Berlinale-Bären“ für dieses Meisterstück abräumte). 1998 erhielt er für „Wag the Dog“, einem meiner definitiven Lieblingsfilme (s. Kino-KRITIK), auf der Berlinale den „Silbernen Bären“. Zudem: Für „Good Morning, Vietnam“ hätte er 1988 auch einen Regie-„Oscar“ verdient gehabt.

Zuletzt hörte man immer wieder aus Hollywood-Fachkreisen, dass seine Werke von Produzenten letztlich umgeschnitten wurden, weil er den „final cut“, die „letzte Schnitt-Verantwortung“, nicht vertraglich besaß. Wie wohl auch hier. Jedenfalls ist auch hier wieder die Montage mitunter „rabiat“ und nicht nachvollziehbar. Außerdem äußert sich Barry Levinson mit keiner Silbe mehr über diesen Film. Der von einem heruntergekommenen, die Realität komplett außen vor lassenden Musiker- & Konzert-Manager namens Richie Lanz (BILL MURRAY) handelt, der am finanziellen wie sozialen Abgrund taumelt und mit der irrwitzigen Idee beauftragt wird, für die hauseigenen Truppen in Afghanistan eine Bühnenshow zu arrangieren. Sozusagen: Eine Bomben-Show inmitten von Bombenhagel. Als seine neueste „Muse“, Ronnie (ZOOEY DESCHANEL), vor Ort kalte Füße kriegt und abhaut, unter Mitnahme seines Geldes und Passes, muss Richie improvisieren. Auch in Afghanistan gibt es einen TV-Talentwettbewerb a la „American Idle“ oder „Superstar gesucht“. Für diesen findet er die junge, schöne Sängerin Salima (LEEM LUBANY). Das Problem: Mädels dürfen eigentlich dort nicht auftreten, außerdem sind da ja noch ihre traditionsbewusste Dorf-Familie und –Gemeinschaft sowie die kriegerischen Taliban. Doch Richie wäre nicht der kaputte Richie, dem immer noch etwas „Schlimmes“ einfällt, auch wenn die Situation eigentlich völlig verfahren ist.

„Verfahren“, so sieht hier auch alles aus. Wenig ergibt Sinn oder entspricht gar Logik, die westliche Betrachtung der Menschen und Gemeinschaften vor Ort riecht gen Vandalen-Klischee und US-Kolonialismus, während die mitunter absurden Slapstick-Situationen unstimmig bis doof-lächerlich bebildert sind. Eine beabsichtigte Satire auf arrogantes „amerikanisches Okkupanten-Tun“ in der Fremde, läuft aus dem politischen wie privaten Ruder. Ist weder Figuren-tief noch pointiert-attackierend, sondern flach und lustlos zerfahren. Manchmal weckt höchstens der (orientalische) Soundtrack. Moment-Interesse.

BILL MURRAY kann machen, was er will. Er ist Kult und wirkt hier zwar völlig „daneben“, aber ihm kann ich immer zuschauen. Ob er sich eine Zigarette ansteckt, ein Liedchen lächerlich trällert („Smoke oh the Water“), irgendwas macht, bei ihm bin ich immer „dran“. Der Kerl mit dem Pokerface ist ein Typ. Was aber den Film nicht besser werden lässt. Warum in Nebenparts Stars wie Bruce Willis (als Söldner) und Kate Hudson (als Front-Nutte) mitmischen, erschließt sich mir auch nicht schlüssig.

Ich würde gerne diesen Film „komplett“ sehen. So wie ihn Barry Levinson ursprünglich konzipiert hatte. Vielleicht würde er dann „stimmen“. So aber: Ein Desaster (= 1 PÖNI; für Bill Murray, natürlich).