Wag the Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt Kritik

WAG THE DOG – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt“ von Barry Levinson (USA 1997; B: David Mamet, Hilary Henkin, nach einem Roman von Larry Beinhart; K: Robert Richardson; M: Mark Knopfler, Willie Nelson; 97 Minuten; Start D: 26.03.1998).

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat Probleme. Hausgemachte Probleme. 11 Tage vor der Wiederwahl kann ihm ein 3minütiges “Techtelmechtel“ mit einer minderjährigen Praktikantin im Weißen Haus das Amt kosten. Die Opposition lauert schon in den Startlöchern und sorgt in den Medien für entsprechende Schlagzeilen. Doch: Für solche “Pannen“ gibt es Berater wie Conrad Brean. Conrad ist im Hintergrund “der Mann für alle Fälle“. Er ist ein professioneller Lügenbold und weiß genau, wie man die Medien, also “die Öffentlichkeit“, wieder auf “präsidialen Kurs“ bekommt Wie man “das Volk“ wieder in die richtige patriotische Wiederwahl – Stimmung bringt. Stichwort: Ablenkung tut Not bzw. ein Krieg, pardon, ein MEDIEN-Krieg muss her.

Conrad Brean erfindet also auf die Schnelle den geheimnisvollen neuen B 3-Bomber. Ernennt Albanien zum neuen Atom-Feind. Und setzt, fiktiv natürlich, aber wirkungsvoll, gleich eine albanische Terroreinheit in Bewegung, die von Kanada aus in Richtung Washington unterwegs ist. Bei so viel “Bedrohung“ und “Erklärungsbedarf“ hat der Präsident nun wirklich Wichtigeres zu tun, als irgendeine “angebliche“ Sex-Affäre zu
kommentieren. Zudem: Conrad Brean erhält Beistand aus Hollywood. Dort zählt Stanley Motss zu den Mächtigen. Motss ist Produzent und will “phantasievoll“ angesprochen werden.

Die Show kann beginnen. Der ganze schöne bilderreiche Manipulations- Zirkus, genannt NACHRICHTEN, wird in Gang und Bewegung gesetzt. Mit.
vielen technischen Tricks und perfekter Illusion aus dem allmächtigen
Computer. Schließlich wartet das Volk begierig auf die spektakulären neuen “Mitteilungen“ und Geschichten. Während die Medien quotenreich, also ertragreich mitmischen. So ist der “Krieg“ bald gewonnen, und die Wiederwahl des Präsidenten scheint – trotz einiger Störungen
zwischendurch – gesichert.

Als der “Rain Man“-Regisseur BARRY LEVINSON Anfang 1997 das Projekt “Wag The Dog“ in nur 29 Drehtagen realisierte, gab es noch keine tatsächliche Praktikantin Monica Levinsky, und es gab auch noch keine “sogenannte Clinton-Affäre“.
Robert De Niro tritt als Conrad Brean herrlich abgebrüht und überzeugend auf. Und liefert sich mit seinem Star-Kollegen Dustin Hoffman als Produzent Motss hinreißend-listige und wunderbar-doppelzüngige Verbal-Duelle. Übrigens: DAVID MAMET, einer der intelligentesten, zeitgenössischen amerikanischen Autoren und Schriftsteller, verfasste das Drehbuch zu “Wag The Dog“ nach dem Roman “American Hero“ von
Larry Beinhart.

Der Film: “Wag The Dog“ ist eine ebenso nachdenklich stimmende wie vergnügliche Polit-Satire auf und über das moderne MEDIEN-Zeitalter. Das Motto – mit Politik, Moral und “anderen
Spezialeffekten“ lassen sich die 90er Jahre be-herrschen – ist so abwegig, nicht mehr. Zwar geht dieser schwarzen Komödie mittendrin etwas die gedankliche und dramaturgische Luft aus, dennoch: “Wag The Dog“ zählt zweifellos zur besseren, weil intelligenteren Kino-Unterhaltung derzeit…(= 4 ½ PÖNIS).