MR. MORGAN’S LAST LOVE

MR. MORGAN’S LAST LOVE“ von Sandra Nettelbeck (B + R; D/Belgien/USA/Fr 2011; K: Michael Bertl; M: Hans Zimmer; 116 Minuten; Start D: 22.08.2013); ist die Adaption des Romans „La douceur assassine“ von Francoise Dorner, der bei uns 2007 unter dem Titel „Die letzte Liebe des Monsieur Armand“ veröffentlicht wurde. Dabei im Mittelpunkt: Der in Paris lebende Amerikaner Matthew Morgan (im Buch ist es der Franzose Armand, Philosoph im Ruhestand), der als pensionierter Philosophie-Professor sehr unter dem Tod seiner Frau leidet. Drei Jahre, zehn Monate und 11 Tage ist es jetzt her, aber Matt kann sich von ihr immer noch nicht „lösen“. Längst hat er das „normale Leben“ aufgegeben. Ein Selbstmordversuch scheiterte, hat ihn aber noch depressiver werden lassen. Als er der jungen Französin Pauline zufällig begegnet, scheinen sich zwei Seelen-Gestrandete gefunden zu haben. Zu einer ungewöhnlichen Freundschaft. Denn auch Tanzlehrerin Pauline steckt in der Tiefenkrise. Und weiß‘ nicht weiter. Beziehungsweise wohin. Fünfzig Jahre trennen diese beiden Menschen, doch gefühlsmäßig befinden sie sich auf gleicher Ebene. Ihr Miteinander hat nichts mit Sex oder einer brachialen Affäre zu tun, sondern einzig mit der Wiederentdeckung von Lebensfreude. DIE bekanntlich an kein Alter gebunden ist. Sein sollte. Das simple Genießen des Anderen: Ist ein zeitloses immerwährendes Vergnügen.

Bis hierher – Melancholie und das ganze behutsame Programm von menschlicher Annäherung. Zwischen zwei spannenden Menschen, überzeugend dargeboten von zwei hervorragenden Schauspielern: Dem göttlichen, zu Drehzeiten (in Paris, der Bretagne, in Brüssel und in Köln) 78jährigen zweifachen „Oscar“-Preisträger Sir MICHAEL CAINE, einem der profiliertesten Charakterdarsteller überhaupt (davor überragend: „Harry Brown“/s. Heimkino-KRITIK), und der jungen CLEMENCE POÉSY, bekannt geworden als Fleur Delacour in den Harry Potter-Filmen „Feuerkelch“/2005 und den letzten beiden Teilen „Heiligtümer des Todes“/2010/11). Zwischen den Beiden „funkt“ es sensibel als Matt und Pauline. Funktioniert die „Zündung“ zwischen Schmerz und Verstand. Wobei der vitale Michael Caine einmal mehr grandios körpersprachlich „diese wahrhafte Chemie“ eindringlich still auszudrücken pflegt. Es ist eine Wonne, ihn bei seiner „aufrechten“ Furcht vor Alter und Alleinsein, Lebenshunger und Sterblichkeit sowie dem aufkommenden neuen Mitteilungsdrang mit seinen herrlich kleinen Gesten und verständlichen Bewegungen zu genießen.

Dann aber wendet sich der Film. Wird „umfangreicher“. Als seine Kinder aus den Staaten auftauchen. Während Gillian Anderson, die Dana Scully aus der „Akte X“-TV-Serie, als hektische Tochter nur kurz wie furios shoppend in Paris herumtobt, bleibt Sohn Miles (ganz blass: Justin Kirk), der sich seit Jahren mit seinem Dad im Dauerzwist befindet, länger. Und „stört“ mächtig. Hält Pauline erst für eine Erbschleicherin, bevor er dann selbst bei ihr „anbaggert“. Ab jetzt holpert der Film unerquicklich. Verzweigt sich zu sehr, verliert den lächelnden Neugier-Charme der ersten Stunde. Schlägt „härtere“ Töne an. Die dem einfühlsamen Geschmack des Films nun nicht mehr gut-tun. Wollen. Motto: Die harte Banalität des Normalen. Dabei spielen obligatorische Kälte, Sehnsucht, Missverständnisse und noch mehr Suizidversuche eine tragende Trockenrolle. Der Zauber hat sich derweil „versendet“. Die Drehbuch-Autorin und Regisseurin, die 45jährige Hamburgerin SANDRA NETTELBECK – „Bella Martha“, mit Martine Gedeck//2001; zuletzt 2009 mit der Depri-Chose „Helen“, ihrem ersten englischsprachigen Film im Kino, besetzt mit Ashley Judd – setzt auf (zu) vieles: Bittersüße Altersmelancholie, familiäres Drama, der Versöhnungskampf mit dem Sohn, diese vielen unnötigen Hin-und-Her-Reisen, gegen Ende verfranst sich das emotionale Geschehen zu einem mürben und ziemlich „deutschen“ Eintopf: Dürfen es vielleicht einige konstruierte Probleme mehr sein??? ES ist ein bisschen nervend nun. Einzig wenn Michael Caine „mitmacht“, bleibt das Interesse neugierig wach. Doch irgendwie hat sich der Film, wie sagt man, „verflacht“? Besser: Längst verabschiedet.

Sir Michael sollte bald mal wieder auf eine, also SEINE abendfüllende Performance setzen. Der Kerl hat es echt noch KLASSE allein drauf (= 3 PÖNIs).

 

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