Möbius-Affäre Kritik

DIE MÖBIUS AFFÄRE“ von Eric Rochant (B+R; Fr/Belg/Luxemburg 2012; K: Pierre Novion; M: Jonathan Morali; 103 Minuten; Start D: 01.08.2013); dass man sich beim Zuschauen eines Films durchweg konzentrieren muss, um die Figuren-Fäden nicht zu verlieren, ist nicht das Schlechteste. Dabei gibt der Titel indirekt einiges vor: Das Möbius-Band ist ein simpler Papierstreifen. Dreht man DEN um hundertachtzig Grad und verbindet seine Enden, lautet das Ergebnis – nur eine Kante und eine Oberfläche. (Benannt nach Professor August F. Möbius /1790-1868). Während heutzutage die Verbreitung von „Spionage“ übers Internet „leichter“ wie schneller (geworden) ist, man aber nach Enttarnungen schon mal wochenlang „öffentlich“ auf einem Moskauer Flughafen oder in einer ausländischen Botschaft in London festsitzt, sind auch immer noch „die Anderen“ aktiv. Die Handarbeiter- Spione. Die wahren Täuscher. Die Geheimen. Handwerker. Die selber noch „Hand“ anlegen, hin- und herreisen, sich öffentlich „zeigen“ müssen. Um für ihre Auftraggeber und für sich profitable Ergebnisse herauszuschlagen. Besser – herauszuholen.

ER ist seit geraumer Zeit der angesagteste männliche französische Schauspieler: JEAN DUJARDIN. Auch hierzulande über seine Agenten-Parodien „OSS 117“ („Der Spion, der sich liebte“ + „Er selbst ist sich genug“) im Heimkino sowie über seine Kinofilme „39,90“ und natürlich „The Artist“ bekannt, beliebt, geschätzt. Für die Rolle des draufgängerischen wie melancholischen Stummfilmdarstellers Georg Valentin in „The Artist“ erhielt er 2012 als erster französischer Schauspieler den Hauptrollen-„Oscar“. Seitdem wird er in Frankreich auf einer Qualitätsstufe mit Jean-Paul Belmondo, Alain Delon, Gerard Depardieu genannt (und in Richtung Jean Gabin gedacht). Jean Dujardin, geboren am 19. Juni 1972 im Département Haunts-de-Seine, mimt hier einen russischen Top-Spion. Sein Grégory Liobov, alias Moise, soll „für Zuhause“ belastendes Material gegen einen „zu mächtig“ gewordenen russischen Oligarchen (TIM ROTH) beschaffen. Der vom mondänen Monaco aus sein ertragreiches wie kriminelles Finanzimperium steuert. Als Moise für seine Zwecke die Bankerin und internationale Finanzexpertin Alice (CÉCILE DE FRANCE als Augenweidesahne) für seine Zwecke einschaltet, beginnt ein gefährliches Unterfangen, denn SIE ist Doppelagentin. Arbeitet verdeckt auch für die CIA. Weil sie wieder in die USA zurück will, wo sie einst als Mitverantwortliche des Lehman-Bankrotts das Land verlassen musste. Fortan belauert jeder jeden, ohne dessen wahre Identität und Absicht(en) zu ahnen. Zu kennen. Für Moise umso schwerer, weil er sich der äußerst attraktiven Alice „genähert“ hat. Was eine Affäre in Gang setzt, die zu einer „Casablanca“-Liebesgeschichte führt. Intensiv wie emotional poren- und seelentief. Woraufhin der sonst so kühle, besonnene Moise nun sogar seine eigenen Leute „foppen“ muss, um seinen Hals zu retten. Und natürlich hat inzwischen auch der tüchtige wie misstrauische Ivan Rostovski (Tim Roth) an Alice „erheblichen“ Gefallen gefunden. Alle haben nun ihre Positionen eingenommen, gefunden, um das Ost-West-Agenten-Drama mit James Bond- und John le Carré-Appeal in gehörigen Spannungs- und Bewegungsschwung zu bringen.

Normalerweise ist die Love-Story bei einem Thriller die schmucke banale Zugabe. Hier aber bedeutet sie ebenso Bedeutungsinhalt. Vielleicht sogar noch etwas mehr. Denn WIE hier die emotionale Balance in ihrer erotischen Atmosphäre faszinierend mitswingt, ist erstaunlich. Schön. Wie angenehm erwachsen. Mit (sehr) viel französischem, also überzeugendem und nicht lächerlichem Temperament. Keine dümmliche Akrobatik, sondern uneitel, sanft. Gefühlvoll. Intensiv. Weil die beiden „Beteiligten“, Jean Dujardin und vor allem die 37jährige belgische Aktrice CÉCILE DE FRANCE („Der Junge mit dem Fahrrad“), Intimes WIRKLICH auszudrücken verstehen. Was für den glaubhaften Fortgang von immenser Wichtigkeit ist. Mit Verlaub, in „Die Möbius Affäre“ ist eine der schönsten filmischen Liebesszenen überhaupt gelungen. Was natürlich für den geld- und machtgierigen Oligarchen-Ivan gar nicht so gut sein kann. Und dessen kantigen „Beschützer“ Khorzov (= total unangenehmer Film-„Feind“ für künftige höhere Aufgaben: ALEKSEY GORBUNOV) völlig missfällt.

Ein reizvoller Spannungsfilm aus Frankreich (und Umgebung) ist zu annoncieren: Raffinierte Unterhaltung ohne großes Geschreie, blödsinnige 3 D-Tricks, albernes Getöse. Beknackte Helden-Akteure. Bereitet guten Spaß (= 3 ½ PÖNIs).