MEIN STÜCK VOM KUCHEN

PÖNIs: (3/5)

„MEIN STÜCK VOM KUCHEN“ von Cédric Klapisch (B + R; Fr 2010; K: Christophe Beaucarne; M: Loic Dury; 109 Minuten; deutscher Kino-Start: 15.09.2011); der gerade (am 04.09.2011) 50 Jahre alt gewordene französische Drehbuch-Autor und Regisseur ist auch bei uns durch seine Filme „…und jeder sucht sein Kätzchen“ + „Typisch Familie!“ (beide von 1996) sowie „L’auberge espagnole“ (2002) und „L’auberge espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg“ (2005) sowie zuletzt durch den Episodenfilm „So ist Paris“ (2008; s. Kino-KRITIK) bekannt geworden. Hier nun entwirft er eine wackere Sozialkomödie, die an die sozialkritischen Komödien des Briten Ken Loach erinnert („It’s a free World“). „Auf Französisch“, also mit „politischen Fein-Emotionen“. Um Menschen und Themen von heute.

Stichwort: der Raubtierkapitalismus. DER gerade in der Normandie, in Dünkirchen, dafür gesorgt hat, dass eine Fabrik geschlossen wurde und viele Menschen ihre Arbeit verloren haben. Wie auch France (KARIN VIARD), die geschiedene dreifache Mutter. Um halbwegs über die Runden zu kommen, zieht sie nach Paris, um als Haushaltshilfe das Einkommen für die Familie „zu besorgen“. In der Woche dort, an den Wochenenden Zuhause. Die Unterschiede könnten gar nicht größer sein. Der familiäre Zusammenhalt gegen die feudale, „berechnende“ Hauptstadt. Wo France beim Banker Steve (GILLES LELLOUCHE) einen Haushaltsjob bekommt. In dessen Luxus-Loft. Und sich mehr und mehr unentbehrlich macht. Besonders in der Erziehung des vierjährigen Sohnes des unsteten Spekulanten. Der sein Hardcore-Leben in vollen Zügen genießt. Sofern es nach seinen Vorgaben abläuft. Beruflich wie vor allem auch privat. Im Bewusstsein alle und alles, jeden und jedes kaufen, „haben“ zu können. Dennoch – man kommt sich näher. Die Romanze „Pretty Woman in Paris“ winkt. Ein wenig. Doch als sie mitbekommt, dass dieser Manager auch ihre Fabrik in Dünkirchen profitabel plattgemacht hat, zieht sie die Reißleine. Am Ende wird es fabel-haft: Das Volk jagt den Geldhai ins Meer, sie grinst dazu schelmisch im Polizeiauto. Ändern jedoch wird sich nichts.

Melancholie inmitten von Realgeschmack. Inmitten des süffisanten Gesellschaftsspiels „unten“ gegen „oben“. Nicht mit dem ideologischen Holzhammer, sondern mit french-typischem Charme. Als intelligente Komödie. Marke „Klassenkampf“ mit Gebäck. Als Geschmackshappen mit Klischees. Pendelnd zwischen Global-Henker und moderner Eliza Doolittle. Ohne („My Fair Lady“-)Gesang. Mit softer Wut. Das reife „Aschenputtel“-Mädel France wird durch die energisch-kesse KARIN VIARD (zuletzt die dominante Bistro-Ehefrau in „Nichts zu verzollen“) spannend-bodenständig gespielt. GILLES LELLOUCHE („Kleine wahre Lügen“) mimt den sich für unantastbar haltenden Geld-Macker „säuisch“-charismatisch. Mit coolem Kalt-Charme. Als Money-Mephisto. Verführerisch. Brandgefährlich. Gemein.

„Ma Part Du Gâteau“, so der Originaltitel, funktioniert als Rebellion im Caféhaus. Macht den Kopf nicht blöd, ganz im neugierigen Gegenteil, und schmeckt dabei nachhaltig-„lecker“ (= 3 PÖNIs).

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