Mein bester Feind Kritik

MEIN BESTER FEIND“ von Wolfgang Murnberger (Co-B+R; Ö/Lux.2010; 109 Minuten; Start D: 01.09.2011); der am 13. November 1960 in der Wiener Neustadt geborene Drehbuch-Autor und Regisseur hat an der Filmakademie Wien Regie, Drehbuch und Schnitt studiert. Bekannt wurde Wolfgang Murnberger durch die schwarzhumorige Trilogie „Komm, süßer Tod“ (2000), „Silentium“ (2004) und „Der Knochenmann“ (2009), gedreht nach den Romanen von Wolf Haas und mit Josef Hader in der Detektiv-Rolle des abgewrackten Simon Brenner. Sein neuer „Streich“ basiert auf dem 2009 veröffentlichten Roman „Wie es Victor Kaufmann gelang, Adolf Hitler doch noch zu überleben“ von Paul Hengge. Einem Wiener Schriftsteller und Drehbuch-Autoren des Jahrgangs 1939 („Die Herren mit der weißen Weste“; „Bittere Ernte“; „Hitlerjunge Salomon“), der hier auch am Drehbuch mitschrieb. Und einen „raffinierten Thriller“ zu Nazi-Zeiten entwickelt.

Polen 1943. Ein Flugzeug stürzt ab. Als Überlebende krabbeln verletzt der jüdische KZ-Häftling Victor Kaufmann, Sohn einer jüdischen Kunsthändler-Familie, und SS-Hauptsturmführer Rudi Smekal aus dem Wrack. Beide kennen sich seit Jugendjahren. Seit Rudi als Sohn der Haushälterin der Kaufmanns wie ein zweiter Sohn innerhalb der Familie aufgenommen, behandelt und unterstützt wurde. Doch dann sah er, der Arbeiter, im Wien von 1939, die Chance, über die Nazis endlich auch WAS oder WER „zu werden“. Nun ist er in besonderer Mission unterwegs. Denn Victor soll ihm helfen, das Original einer Michelangelo-Zeichnung zu finden. Der Führer möchte das wertvolle Kunstwerk Mussolini zu dessen Staatsbesuch vermachen. Doch es gibt Probleme. Denn Papa Kaufmann hatte „Fälschungen“ anfertigen lassen. Das Original wird nun zum „Pfand“ für die Überlebenden der Familie. Währenddessen sich die „Positionen“ zwischen Victor und Rudi umkehren. Stichwort: Was so eine Uniform halt auszumachen vermag….. Für eine Weile wenigstens.

Darf man? Wer ist „der Jude“ spielen?: Man darf. Keine weiteren unnötigen Diskussionen. Wir befinden uns im klugen Kino. „Mein bester Feind“ ist ein hervorragender Spannungsfilm. Völlig unaufgeregt inszeniert, vorzüglich gespielt. Mit bösem schelmischen Humor. Samt entsprechender lakonischer Krimi-Spannung. Vor dem Hintergrund grausamer Geschehnisse. Die nicht im Bild vorkommen. Denn es geht um den klassischen „MacGuffin“: Nach dem Meister der Spannung überhaupt, nach Alfred Hitchcock, etwas Unvorhandenes. Ein Objekt, das aber ständig gedanklich „dabei“ ist und die (An-)Spannung permanent stützt. Als „Ding“ der Begierde. Der Beteiligten. Hier: Die kostbare Michelangelo-Zeichnung. Die Leben zu retten vermag. Von der Überleben abhängt.

Der im Frühjahr im Berlinale-Wettbewerb außer Konkurrenz vorgestellte Film entpuppt sich als vorzügliche Kopf- UND Bauch-Unterhaltung. Kriegt die Gratwanderung, die Balance zwischen Tragödie und Genre überzeugend hin. Bietet mit MORITZ BLEIBTREU, im vorigen Jahr noch der diabolische „Joseph Goebbels“ in „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ von Oskar Roehler, und dem österreichischen Schauspieler GEORG FRIEDRICH (gerade auch mit „Sommer in Orange“ im Kino) zwei exzellente, glaubwürdige Kontrahenten auf. Ohne zu übertreiben, ohne großspurig „auf den Putz“ zu hauen: Wie zwei schicksalhafte „Helden“ aus dem cleveren Western-Epos: Der Ordnungshüter und der Opportunist. Der Jude und der Nazi. Original und Fälschung. Und die Pointe winkt. Schlussendlich. Köstlich. Musik. Abspann.

Wohlgefühlt (= 4 PÖNIs).