MÄNNERHERZEN … UND DIE GANZ, GANZ GROSSE LIEBE

PÖNIs:      (4/5)

„MÄNNERHERZEN … UND DIE GANZ, GANZ GROSSE LIEBE“ von Simon Verhoeven (B; Co-M + R; D 2010; K: Jo Heim; Co-M: Gary Go; 112 Minuten; deutscher Kino-Start: 15.09.2011); über DEN Bengel brauchen wir nicht mehr zu diskutieren, siehe die biographischen Kurzdaten am Anfang der Rezension von „Männerherzen“, der am 8. Oktober 2009 in den hiesigen Kinos anlief und nicht nur toll war, sondern auch, mit über 2,1 Millionen Kinobesuchern, erfolgreich (s. Kino-KRITIK). Das erste Ausrufungszeichen „!“ des im nächsten Juni 40 Jahre jung werdenden Sohnes von Senta Berger und Michael Verhoeven. DER, wie ich der Vollständigkeit halber noch anfügen will, auch mal eine Fußballer-Karriere im Visier hatte, bis zu seinem 17. Lebensjahr als Stürmer für den TSV 1860 München in der höchsten deutschen Jugend-Klasse und der DFB-Nachwuchsauswahl spielte. Sich dann aber so schwer „durch einen Gegenspieler“ verletzte, dass er aufhören musste. Glücklicherweise, darf man heute attestieren, denn sonst dürften wir jetzt nicht notieren, in SIMON VERHOEVEN offensichtlich einen GANZ, GANZ großem deutschem Komödien-Talent zu begegnen. Sowohl als Drehbuch-Autor wie auch als Regisseur. Und dies eben nicht über die sonst so gewohnte eklige Körperflüssigkeiten-Komödien-Komik, diesem widerlichen Anal-Humor („Resturlaub“) oder diesem doofen Zoten-Bombardement („Otto’s Eleven“; „What A Man!“). Sondern mit interessanten Charakter-Typen, einem klasse ausgetüftelten „sitzenden“ Pointen-Reigen, knuffiger Situationskomik. Frei nach dem klugen Motto: Guter Humor ist stets auch komische Tragik. Es geht im Übrigen direkt, also unmittelbar anschließend weiter: „Männerherzen 2“.

Mit diesen Sinnkrisen-„Fuzzis“ aus Teil 1. Die Lauten & die Leisen. Die Besserwisser & die Luschen. Die Kraftprotze & die Möchtegerns. Also – die Harten & die Zarten. Mit Namen Philip, Niklas, Jerome, Bruce, Günther. Und Roland. Der Choleriker. Der schon mal zuhaut, bevor „es“ denkt. Beziehungsweise seinen Kontrahenten schon mal ins Krokodilbecken vom Zoo-Aquarium schubst. Wie damals. Und deshalb jetzt im Knast sitzt. WOTAN WILKE MÖHRING als Roland hat hier den bewegungsunfreudigsten Part. Und das Pech, auf einen Knast-Psychiater zu treffen, der selbst ‘ne Vollmacke hat. Was soviel bedeutet wie – Roland hat keine Chance, vorzeitig ‘rauszukommen. Zurück zu Ehefrau und Kind. Deshalb kann auch der „mittlere“ Landesbeamte Günther weiterhin hoffen, bei Rolands Gattin Susanne „zu landen“. Natürlich aber ohne ihr „dabei“ gleich das linke Ohr anzuknabbern/abzubeißen. Oder so. Scherzkeks CHRISTIAN ULMEN, der zuletzt des Öfteren schon mal „unkontrolliert“ herumalberte („Jerry Cotton“; „Hochzeitspolka“; „Maria, ihm schmeckt’s nicht“), wird von Simon Verhoeven als „grauer Günther“ in die zielgenaue, treffsichere Balance zwischen verklemmtem Blödmann und nettem Schüchterling versetzt. Ohne dabei dessen Figur zu denunzieren. Denn: „Beschädigen“ tut der sich schon selber genug.

Aber auch die anderen Kerle „schmecken prima“ zwischen „possierlich“ und „dampfend“: Jerome, der Frauen-Held (TIL SCHWEIGER, sensationell zurückgenommen, angenehm in Bild und Ton), nimmt eine Auszeit, kehrt ins hessische Provinz-Elternhaus und unter seine Bayern München-Bettdecke zurück. Hält sich mit Holz hacken fit. Und hat in CHRISTINE SCHORN + MICHAEL MENDL köstliche Eltern-Nichtversteher. Mit viel ulkigem Schinkenbrot-Charme. Währenddessen sich die Anderen in der Hauptstadt austoben. Als Dauer-Chaot von Bio-Fastfood-Café-Betreiber im Scene-Bezirk Kreuzberg („Philip“ MAXIM MEHMET); als sinn- und trostsuchender Kumpel Niklas (FLORIAN DAVID FITZ) mit irritierenden „Spacebook“-Aktivitäten und als Überflieger von Schnulzen-„Poet“. Mit Namen Bruce Berger. Im Zivilleben, vor der Leinwand: JUSTUS VON DOHNÁNYI. Und hier sind wir bei DEM Darsteller-Kracher dieses tollen Beziehungsreigens: Der am 2. Dezember 1960 in Lübeck geborene und kürzlich nach Berlin (in meine Charlottenburger Gegend) umgezogene Justus von Dohnányi ist hier der definitive Clown-KNÜLLER. Bei dieser flotten Kerle-Performance. Als schwuler Bruce Berger ist er in seinem Element. Als sagenhafte Bühnensau. Mal hoch, mal noch höher, mal Keller. WIE der Sohn aus prominentem Hause (Opa: Nazi-Widerstandskämpfer; Vater: bekannter Dirigent; Onkel: populärer Hamburger Ex-„Bürgermeister“-Politiker) seine Figur temperamentvoll und dabei SEHR witzig „fleddert“, durchzieht, ist beste urige Spaß-Kunst. Weil ER, also seine Figur, im Original so nachhaltig ankam, wurde ihm hier nun der größere Auftritt verordnet. Was der Show RICHTIG gut tut. Sie noch besser funktionieren lässt. Noch schwungvoller. Mit viel komischem Tiefgang. Denn nach den vielen „strengen“ wie „dunklen“ Typen (etwa sein Veit Harlan in Oskar Roehlers „Jud Süß“-Film oder der schleimige Bendix Grünlich in Heinrich Breloers „Buddenbrooks“-Adaption oder als Captain-Fiesling Nikoli in „James Bond 007 – Die Welt ist nicht genug“, 1998, mit Pierce Brosnan) darf er sich hier von seiner poppigen, überdrehten Entertainer-Seite zeigen. Mit viel Dampf-Energie und scharfem Rambazamba. Dieser Dohnányi ist ein Brüller!

Apropos: 2007 schuf Justus von Dohnányi, als Drehbuch-Autor, Regisseur und Mitspieler, den hierzulande wenig beachteten schwarzen Komödien-Jux „BIS ZUM ELLENBOGEN“ (s. Kino-KRITIK). Wo er bravourös einen Toten mimte. Der durch den Norden der Republik „tourt“. War schon ein ironisches und jetzt durchaus zum DVD-Entdecken geeignetes Eigen-Vergnügen dieses grandiosen Komödianten (mit den adäquaten Partnern Stefan Kurt + Jan Josef Liefers). DEM jetzt hier die „große Bühne“ gehört, OHNE dass „die Anderen“ darunter leiden. Müssen. Der phantastisch überdreht wie „traumatisiert“ triumphiert. Und mit dem Titelsong – von Simon Verhoeven – zudem einen öligen Ohrwurm ins Schlagerohr vergnüglich setzt. (Wie schon bei Teil 1 mit der Verhoeven-Hymne „Alle Kinder dieser Erde“/dem Hit auf Abi-Feiern.)

Und die Mädels? Wie JANA PALLASKE & NADJA UHL? Potente Stichwortgeberinnen. Wie gewohnt. Als Männer-„Pflegerinnen“. Und ständige Rettungsanker. Wo beginnt Ulk, wann entsteht Katastrophe, wie die Versöhnung? SIE haben wieder mächtig zu tun, „die Plüschlöwen“ zu bändigen. Motto: Es bleibt ein Kreuz mit diesen ewigen „Komplikationen“ zwischen Jungs und Frauen.

„Männerherzen 2“ fetzt als unterhaltsamer deutscher XL-Spaß ab. Besitzt dabei clevere satirische Ulkpfeile. Überzeugt prächtig als Nicht-Schenkelklopfer-Albernheit. Ein deutscher Fortsetzungsfilm, der’s locker packt. Bringt. Als Prima-Rundum-Ensemble-Hit. Mit einem Klasse-Ausraster wie JUSTUS VON DOHNÁNYI. Wir können’s doch… (= 4 PÖNIs).

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