FEEDBACK – SENDE ODER STIRB

PÖNIs:      (3,5/5)

„FEEDBACK – SENDE ODER STIRB“ von Pedro C. Alonso (Co-B + R; Spanien/USA 2018; Co-B: Alberto Marini; K: Ángel Iguácel; M: Sergio Moure De Oteyza; 97 Minuten; deutscher Heimkino-Start: 29.11.2019); ER zählt zu den besten Schauspielern Großbritanniens. Und darüber hinaus. Da er sich aber kaum einmal in „den Schlagzeilen“ befindet, ist er auch einer der unterschätztesten Akteure überhaupt: EDDIE MARSAN. Geboren am 9. Juni 1968 in Bethnal Green, im Osten von London. Nach Absolvierung einer Lehre als Drucker ging er auf die Mountview Academy of Theatre Arts, machte dort 1991 seinen Abschluss und begann seine Schauspieler-Karriere. Marsan spielte in unzähligen Nebenrollen ebenso „unauffällig-faszinierend“ wie er in diversen Hauptrollen grandios beeindruckte. Drei Beispiele: „Happy-Go-Lucky“ (2008/s. Kino-KRITIK), wo er als Fahrlehrer Scott brillant-genervt auftrat; „Spurlos – Die Entführung der Alice Creed“ (2009/s. Heimkino-KRITIK) und „Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit“ (2013/s. Kino-KRITIK). Jeder Auftritt – eine Hymne wert.

EDDIE MARSAN spielt den Radio-Moderator Jarvis Dolan, der seit Jahren in und mit seiner Talk-Show „The Grim Reality“ wegen seiner „ungeschminkten“ Ansichten über – britische – Gesellschaft und Politik provoziert und angefeindet wird. Was mittlerweile bis zu rüden Attacken auf sein Privatleben, mitten hinein in seine Familie, ausgeartet ist. Doch Jarvis ist keineswegs bereit, verbal klein-beizugeben, ganz im Gegenteil. Fake-News kommen für ihn nicht in Frage. Internet-Beschimpfungen und -Hass prallen an ihm ab. Eines Abends aber befinden sich plötzlich maskierte Fremde im Sende(r)-Raum. Mit Waffen im Anschlag. Und befehlen, seine Live-Sendung ab sofort nach ihren Anweisungen ablaufen zu lassen. Haben Dolans Assistenten als Geisel genommen. Foltern ihn. Als Dolans alter Weggefährte Andrew Wilde (PAUL ANDERSON) unwissend dazu stößt und ebenfalls brutal gezwungen wird, sich unterzuordnen, beginnt das rüde, aggressive „Spiel“ um Rache, Aufklärung und Abrechnung. Bei dem jedes „falsche“ Wort zu einem Massaker führen kann. Und in dem sich mittenmal auch die Positionen verändern, denn plötzlich stehen Widersprüche und düstere ungelöste Vorkommnisse aus der Vergangenheit von allen im Raum. Ein Katz-und-Maus-Belauern ist annonciert. Angesetzt wie ein mörderisches Schach-Match, bei dem jeder Zug der letzte sein kann.

Der Debütfilm des spanischen Filmemachers Pedro C. Alonso, der viele Jahre Kurzfilme geschaffen hat und als Produktions-Designer und Werbefilmer tätig war, bewegt sich spannend auf engster Fläche. Ein Radio-Studio als fiebriges Epizentrum der sich steigernden psychologischen Brutalität wie handfesten Gewalt. Inmitten einer nervösen „Brexit“-Stimmung im Briten-Lande, die Jarvis eingangs massiv als verlogen und schädlich beschimpft. Bevor es „privat“ wird. Denn offensichtlich haben sich Privilegierte einst schändlich „ausgetobt“ und sollen jetzt dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Aber – was geschah damals wirklich?

Autoren-Regisseur Alonso setzt bei seinem Spielfilm-Erstling auf harte Wut-Stimmung. „Öffentlich“ wie privat. Fabriziert einen Thriller mit Horror-Elementen, der weniger plausibel und mehr spannend-„kompliziert“ angesetzt ist. Mit nicht immer schlüssigen Aktionen. Inmitten einer klaustrophobischen Atmosphäre, bei der es zwangsläufig zu Ausbrüchen kommen muss. Dabei als physischer wie psychologischer Felsen in der Drecks-Brandung: Dieser als undurchsichtiger Edel-Typ auftretende EDDIE MARSAN; als Eigentlich-Held. Körpersprachlich wie Gedanken-listig – ein Genuss.

„Feedback“: Der neulich hierzulande erstmals beim „Fantasy Filmfest“ vorgestellte Genre-Mix ist eine biestige (An-)Spannungsentdeckung fürs heimische Gebrauchs-Kino (= 3 1/2 PÖNIs).

Anbieter: „Pandastorm Pictures“.

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