DIE MUPPETS

PÖNIs:     (3/5)

„DIE MUPPETS“ von James Bobin (USA 2011; B: Jason Segel, Nicholas Stoller; K: Don Burgess; M: Christophe Beck; 109 Minuten; deutscher Kino-Start: 19.01.2012); seit dem Weihnachtsfest 2010 zählen SIE wieder zum festen Bestandteil des hiesigen Heimkinos. Nachdem es nämlich jahrelang aus rechtlichen Gründen nicht möglich war, die legendäre TV-Serie um die MUPPETS auf DVD herauszubringen, kam endlich am 02.12.2010 eine prächtige 4-Disc-DVD-Box mit der kompletten 1. Staffel, also insgesamt 24 Folgen, „per Scheibe“ heraus (s. Heimkino-KRITIK). Die phantastischen siebziger Anarcho-TV-Jahre lebten wieder auf (1976 wurden in den USA die ersten Folgen ausgestrahlt; hierzulande lief die erste Muppets-Folge am 03.12.1977 im ZDF). Der Rest ist TV- wie Kino-Legende. Bis 1981 entstanden 120 Folgen, dazu wurden 6 lange Kinospielfilme hergestellt: „Muppet Movie“ (1979); „Die große Muppet Sause“ (1981; mit Sir Peter Ustinov + Diana Rigg; kam bei uns nie ins Kino, sondern unter dem Titel „Der große Muppet-Krimi“ am 17.11.2005 auf DVD heraus); „Die Muppets erobern Manhattan“ (1984); „Die Muppets-Weihnachtsgeschichte“ (1992; nach Charles Dickens, mit Michael Caine als Ebenezer Scrooge); „Muppets – Die Schatzinsel“ (1996); „Muppets aus dem All“ (1999).

DIE MUPPETS – das bedeutete „komische Rebellion“. Aufstand gegen Anstand. Spielerisches Chaos. Sarkastische Pöbeleien. Ironische Stänkereien. Mit- und gegeneinander. Untereinander. Aber auch gegenüber den vielen Promi-Gästen, die damals gerne mitmachten. Das heißt: Die Muppets durften all diesen herrlichen Schabernack bestrafungslos „ausüben“, der UNS verboten ist. Von wegen „Anstand“. Benehmen. Immer schön „sauber“ bleiben. DIE durften verbal wie auch „handwerklich“ viele schöne „Sauereien“ durchziehen. Waren dabei saukomisch. In den einzelnen Wiedererkennungs-Typen. Wie Grünfrosch-Moderator Kermit, das ebenso eitle wie füllige Miss Piggy-Schwein, Fozzie-Bär, „Stuntman“ Gonzo oder die Tribünen-Kritiker-Oldies Statler & Waldorf oder, mein Lieblingsviech, das am Schlagzeug angekettete TIER. The Animal. Wehe, wenn er losgelassen zum Einsatz kam: DER mit dem „umfangreichsten“ Störpotenzial: laut, lauter, ohrenbetäubend. Eine hin-, eine mitreißende Truppe. Waren sie. Damals. Als JIM HENSON (*24.09.1936 – †16.05.1990) sie „entdeckte“. Sie kreierte. Sie führte. Lenkte. Das Unternehmen „Muppets, Inc.“ gründete. Tolle Mitspieler wie den Puppenmann und Regisseur FRANK OZ fand. Die dann ihren Lieblingen Ideen passenden Ulk-Drive verpassten. Ihnen diesen „gestörten“ Schwung „mit frechem Schmackes“ verordneten. Mit vielen tollen Show-„Gemeinheiten“. Wunderbar locker. Hinterfotzig. Kess. „Die Muppets“: eine fröhliche, stimmungsvolle tierische Chaos-Truppe. Mit vielen menschlichen Charakterzügen. Wahnsinnig erfolgreich.

Irgendwann war Schluss. Mit lustig. Man hatte ausgespielt. „Papa“ Jim Henson starb mit jungen 53 Jahren, der DISNEY-Konzern hatte die Regie-Geschäfte übernommen. Die Muppets tauchten immer mal wieder auf, in der Werbung, Online, in zahlreichen Wiederholungen. Eigentlich aber waren sie „gegessen“. Bis Disney-Hollywood sie nun wieder belebte. Für den 7. Kinofilm. DER genau SO ansetzt: Die Muppets sind verstreut. In alle Winde. Existieren nur noch solo. In der Anonymität des „unteren“ Entertainments. Fozzie Bär tritt in einem drittklassigen Casino „mühsam“ auf. In einer schwachmatischen Muppets-Tribute-Gruppe namens „The Moopets“. Das Tier steckt mitten in einer Therapie zur Aggressionsbewältigung. Um endlich „Ruhe“ zu finden. Vergeblich. Natürlich. Schließlich heißt der Gruppenleiter JACK BLACK. Und hat selber „einen Hammer“. Apropos – Gonzo hat Trompete & Kanonen abgelegt und die Branche gewechselt. Hat ein Klempner-Imperium aufgebaut. Würde aber zu gerne lieber wieder auf die Bühne zurück. Und so weiter, und so fort. Einzig Miss Piggy hat sich auf der Überholspur der Mode erfolgreich eingerichtet. Lebt mittlerweile in Paris und entzückt dort als Plus-Size-Redakteurin die Leser der französischen „Vogue“. Mit ihrem exzellenten Stil und Modegeschmack. Kermit & Friends holen sie alle wieder zusammen. Auslöser: Neu-Muppet und Super-Fan Walter. Mit seinem Menschen-Bruder Gary (JASON SEGEL) und dessen Braut Mary (AMY ADAMS) entwickelt er so viel Enthusiasmus, dass Kermit gar nicht anders kann als wieder herumzutröten. Schließlich soll ihr Theater, das als heruntergekommenes Muppet-Museum zerfällt, abgerissen werden. Der schmierige Öl-Baron Tex Richman (CHRIS COOPER) wittert unter der Immobilie profitables Öl. Wenn nicht innerhalb kürzester Zeit 10 Millionen Dollar „eingespielt“ werden, ist ein- für allemal endgültig Feierabend. Mit dieser Muppet-Kultstätte.

Na ja, so „ganz scharf“ wie einst zünden sie nicht mehr. Eher nostalgisch softig. Als Musical-Verschnitt. Mit netten Liedchen-Liedern. Mehr süßlich. Kurzweilig peppig. Und schmunzelnd witzig. Die große Anarcho-Luft aber ist ‘raus. Man duelliert sich jetzt weniger zotig und mehr „weinerlich“. So à la – Radau mit Sentiment. Eine mehr nette, denn flotte Erinnerungsregung. Mit viel Lächeln, aber auch dussligem Storygewusel. Mehr Frechheiten hätten sicherlich gut getan. Im Zeitalter von „Shrek“, „Ice Age“ & Pixar-Toys. Aus den Muppets sind heute viel zu gutherzige Figuren geworden. Ihr Film: hübsch, melancholisch, aber auch im Menschen-Ensemble läppisch: JASON SEGAL, bekannt aus der „Emmy“-prämierten Erfolgs-Sitcom „How I Met Your Mother“ und als Jason aus der Komödie „Beim ersten Mal“ (2007), ist hier Co-Drehbuch-Autor und Mit-Produzent und besitzt als Darsteller eher Luschen-Format. Während AMY ADAMS („Verwünscht“; „Julie & Julia“) läppische Liedchen trällert. Und treu-doof auf den Antrag des Liebsten wartet. „Oscar“-Preisträger CHRIS COOPER („Adaption“) allerdings auch mal „peppen“ zu sehen, ist dagegen goldig.

Fazit: Der neueste Muppet-Film lässt zu viel belanglosen Singsang zu, öffnet den menschlichen Figuren zu sehr die Pforten und grenzt den Krawall-Freiraum der Puppen immens ein. Lotet DEN viel zu wenig aus. Zugunsten einer emotionalen Suppe, in die Mehr-Pfeffer ‘reingehört hätte (= 3 PÖNIs).

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