DIE MORDE VON MADRID

„DIE MORDE VON MADRID“ von Rodrigo Sorogoyen (Co-B + R; Spanien 2015; Co-B: Isabel Pena; K: Alejandro de Pablo; M: Olivier Arson; 116 Minuten; deutsche Heimkino-VÖ: 27.4.2018); meine gute Güte, was entstanden in den letzten Jahren doch für Thriller-Spitzenwerke in Spanien. Dabei müssen sie hierzulande übers Heim-Kino entdeckt werden, denn Filme wie „Der unsichtbare Gast“ (s. Heimkino-KRITIK); „The Body – Die Leiche“ (s. Heimkino-KRITIK); „La Isla Minima – Mörderland“ (s. Heimkino-KRITIK); „El Bar – Frühstück mit Leiche“ (s. Heimkino-KRITIK) oder „Einer gegen Alle – Trau niemals einem Dieb“ (s. Heimkino-KRITIK) kamen erst gar nicht oder – im Film-Falle von „La Isla Minima – Mörderland“ – nur ganz kurz und wenig beachtet – in unsere Lichtspielstätten.

Ein neues Beispiel für bessere (An-)Spannung liefert der kunstvoll gestrickte, 2015 gedrehte, 2016 auf dem Filmfestival von San Sebastián entdeckte  und jetzt erst zu uns gekommene Genre-Streifen „Que Dios nos perdone“, etwa: „Möge Gott uns retten/vergeben“. Der im „realen“ Sommer von 2011 in der spanischen Hauptstadt angesiedelt ist. Kurz vor den Kommunal- und Regionalwahlen. Wo die Temperaturen auf Extremwerte angestiegen sind, die politischen Demonstrationen gegen die Wirtschaftskrise zunehmen und anderthalb Millionen Pilger in Erwartung des bevorstehenden Papst-Besuches unterwegs sind. In der Metropole herrscht eine greifbare explosive Stimmung. Auch bei der Polizei, denn ausgerechnet jetzt beschäftigt die Ermittler auch noch eine Serie von Morden an älteren Frauen. Um nicht noch einen weiteren öffentlichen Funken zu zünden, unterliegt dieser brandaktuelle Kriminalfall der absoluten Schweigepflicht. Zuständig für die Ermittlungen sind die beiden Polizisten Velarde (ANTONIO de la TORRE) und Alfaro (ROBERTO ÁLAMO), die ein Paar in Figura „verklemmter Dustin Hoffman“ mit Sprachfehler (Velarde) und „Bud Spencer-Dampframme“ (Alfaro) abgeben. Die selbst alles andere als koscher sind und bei denen sich privat wie beruflich so einiges selbst im Argen befindet. Velarde gibt sich „ungelenk“, Alfaro hat gerade eine Therapie gegen seine ständigen aggressiven jähzornigen Ausraster hinter sich. Beide gehören an sich selbst auf die Psycho-Couch und sind nun dafür verantwortlich, den Killer „still“ zu überführen. Wie soll das funktionieren?

Überzeugende zwiespältige „Bullen“-Charaktere, die alles andere als „Helden“ sind; packende Motive aus dem lodernden Hitze-Madrid; eine berstende atmosphärische wie emotionale Dauer-Anspannung um einen intelligenten Verrückten, die alte Frauen hasst: Der Film „DIE MORDE VON MADRID“, für 6 „Goyas“ nominiert (und mit einer Trophäe für Antonio de la Torre bedacht), weiß sich in fiebrig Positur zu bringen. Für eine ständige  fesselnde Spannungssteigerung zu sorgen, um schließlich mit einem verblüffenden Finale aufzuwarten. Aus der Ferne winkt dabei der David Finchers eigenwilliger Thriller-Klassiker „Zodiac“ aus dem Jahr 2007.

Das hiesige Heimkino hat einen weiteren „Spanien-Hit“ (= 4 PÖNIs).

Anbieter: „Indeed Film“.