EINER GEGEN ALLE – TRAU NIEMALS EINEM DIEB

„EINER GEGEN ALLE – TRAU NIEMALS EINEM DIEB“ von INAKI DORRONSORO (B + R; Spanien 2016; K: Sergi Vilanova Claudin; M: Pascal Gaigne; 105 Minuten; deutsche Heimkino-VÖ: 28.9.2017); derzeit interessieren mich vor allem spanische Thriller, denn u.a. mit „La Isla Minima – Mörderland“ (s. Kino-KRITIK) und „Der unsichtbare Gast“ (s. Heimkino-KRITIK) und  „The Body – Die Leiche“ (s. Heimkino-KRITIK) lieferte Spanien in letzter Zeit einige großartige Spannungswerke fürs hiesige Kino-Zuhause. Und als ich auf dem deutschen Cover dieses Films den Aufkleber las, „Von den Machern von Mörderland“, war ich elektrisiert. Jetzt stellte sich heraus, dass einer der beiden Polizisten-Hauptakteure von „La Isla Minima – Mörderland“ und „Goya“-Preisträger  – JAVIER GUTIÉRREZ – auch hier mitmischt, diesmal als Junkie-Oldie, in der zweiten oder erst dritten Hauptrolle agierend, ganz wie man dies sieht.

„Vorne“ mimt ein hierzulande kaum bekannter Darsteller namens ALAIN HERNÁNDEZ einen glatzköpfigen Typen namens Victor. Der sieht aus wie ein „Little“ Bruce Willis „auf nett“ und erinnert auch ein wenig an eine „Dampframme“ wie Vin Diesel, allerdings: auf Sparflamme getrimmt. Diszipliniert. Mehr „hart“ schauend. Victor besitzt offensichtlich ein „begnadetes Talent“  – als Dieb. Deshalb heuert ihn auch in Madrid die örtliche russische Mafia an von wegen: Ein großer Bank-Einbruch wird vorbereitet. Eine Schweizer Bank soll um 30 Millionen erleichtert werden. Mit Victor mittendrin, als geschickter Schweißer. Um ihm die Mitwirkung noch profitabler zu machen, stellt man ihm auch eine Prostituierte allabendlich „zur Verfügung“. Jedoch: Victor „will nicht“. Was nicht verwundert, denn Victor ist „gut“ verheiratet. In seinem „ersten Leben“, gut-bürgerlich, als Polizist. Welches er gerade „abgelegt“ hat, denn er ist undercover unterwegs. So dass die Polizei über jeden der Gangster-Schritte und deren Aktionen bestens informiert ist. Dann aber kriegt Victor ein erhebliches Problem, als er mitbekommt, dass ein (sehr) guter Freund aus früheren Tagen, Rápido, der Fahrer beim Raubzug sein soll. Aus Rápido ist zwar inzwischen ein Drogen-Wrack geworden, doch die Kerle-Freundschaft ist weiterhin angesagt. Was zu „erheblichen Komplikationen“ führt. Emotionalen wie moralischen. Auf beiden Seiten. Und auch auf Seiten der Polizei wird es „unruhiger“, weil Interpol derweilen auch mitmischt.

Ein europäischer Thriller. Warum betone ich dies? Weil es hier, im Gegensatz zu solchen amerikanischen Versionen, nicht um Dauer-Motive von blindwütiger Gewalt als Lösung aller Krimi-Probleme geht, sondern weil auch und vor allem auf die menschlichen beziehungsweise zwischenmenschlichen Komponenten sehr viel mehr wert gelegt wird als auf dumpfe Dauer-Ballerei. Bedeutet: Die Beteiligten zeigen sich nicht so sehr als Marionetten eines schießwütigen, lustvollen Programms, sondern als durchaus zwar emotional-coole, aber auch empfindsame Figuren. Was den psychologischen Spannunsgehalt erheblich steigert.

„Plan de fuga“, so der Originaltitel, ist ein gut = unterhaltsam durchlaufender neuer Spanien-Krimi eines kaum bekannten einheimischen Autoren-Spielleiters, Inaki Dorronsoro, Jahrgang 1969, der 2006 seinen letzten Film gemacht hatte, „Auf Distanz“, und der hier mit einigen verblüffenden Spannungs-Überraschungen aufwartet (= 3 PÖNIs).

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