Crimson Peak Kritik

CRIMSON PEAK“ von Guillermo del Toro (Co-B + R; USA 2014; Co-B: Matthew Robbins; K: Dan Lausten; M: Fernando Velázquez; 119 Minuten; Start D: 15.10.2015); der am 9. Oktober 1964 geborene mexikanische Regisseur, Drehbuch-Autor, Schauspieler und Schriftsteller Guillermo del Toro Gómez, der sich GUILLERRMO DEL TORO nennt, ist ein höchst ideenreicher, lustvoller Filmemacher. Seine „schrägen“ filmischen Unterschiede sind beispielsweise an seinem Meisterwerk „Pans Labyrinth“ (2006/s. Kino-KRITIK/Kamera-„Oscar“ für Guillermo Navarro) und an der grässlichen Hollywood-Materialschlacht „Pacific Rim“ (2011/s. Kino-KRITIK) zu ermessen. Del Toro mag die gedanklichen wie erzählerischen Themen-Verbindungen von hitzigem Märchen und schönem Entsetzen. Um daraus visuelle Poesie und atmosphärischen Horror heraus zu zaubern. Monster jedweder Art beherrschen sein Oeuvre.

Wie hier, bei seinem neuen, effektvollen Gothic-Horror-Spektakel. Das zwei Gesichter beinhaltet: Außen spektakulär, innen – dramaturgisch – eher spröde. Voraussetzung: Geister, die existieren. Und DIE die junge Autorin Edith Cushing (MIA WASIKOWSKA/“Alice im Wunderland“ von Tim Burton) warnen: Sieh‘ dich vor vor Crimson Peak. Einem Herrenhaus im britischen Norden, um die vorletzte Jahrhundertwende . Doch das hübsche, blonde Mädel hat sich verliebt. Und Liebe beseitigt mitunter jedweden Verstand. Wie wir (nicht nur) im Kino gelernt haben. Trotz zahlreicher innerfamiliärer und Freundes-Warnungen hat sie den düster wirkenden, stets in noblem Schwarz gekleideten und für uns gekünstelt wirkenden Sir Thomas Sharpe (TOM HIDDLESTON/der nordische Gott Loki in Marvel Comicadaptionen wie „Thor“ und The Avengers“) geheiratet. Nachdem ihr geliebter Vater und Ratgeber gestorben ist, wir wissen: umgebracht wurde, zieht sie gen Crimson Peak, einem schlossähnlichen Gebäude mit „luftigen“ Zerfallserscheinungen. Wo ihr Gatte und seine mysteriöse Schwester, Lady Lucille Sharpe (JESSICA CHASTAINE/“Zero Dark Thirty“), auf Edith – und ihr Erbe-Vermögen – warten. Um mit dem Wahnsinn zu beginnen. Während inzwischen ein guter Freund von Edith mit seinen „Recherchen“ beginnt….

Was wir längst ahnen, ist für das naive Blondchen lange Zeit nicht zu glauben. Unmöglich. Dabei haben sie doch die Geister durchaus gewarnt. Und tun es immer noch. Gelegentlich. Irgendwann aber ist Erwachsen-Sein und Begreifen-Lernen angesagt. Zum Verteidigen. Die Hackebeile werden ausgepackt. Und ähnliches „Material“. Der blutige Horror rauscht durch die pompöse Kathedralen-Stätte.

Inhaltlich, na ja. Dünn, weil wenig Neues. Viel Altbackenes. Liebes blondes Mädel will lange Zeit nicht erkennen und begreifen, dass ihre unmittelbare Umgebung schlecht ist. Motto: Wenn der Klassiker „Das Haus der Lady Alquist“ von George Cukor (1944/mit Ingrid Bergman + Charles Boyer) und der Briten-Grusel „Schloß des Schreckens“ von Jack Clayton (1961/mit Deborah Kerr + Michael Redgrave) auf ein neuzeitliches Spannungsgemälde mit Brutal-Charme treffen. In dem kunstvoll Satanismus gepflegt und Blutkämpfe ausgetragen werden. Das ist inhaltlich lange Zeit eher „gemütlich“ und in der Ausführung eben überschaubar, doch in der optischen Wucht und visuellen Atmosphäre ein Horror-Genuss. Wir müssen also trennen: Die schmackhafte Kopf-Lust gegenüber dem sinnlichen Bauch-Gefühl ‚runterfahren. Dann ist der Film als mittelprächtiger Unterhaltungskitzel durchaus akzeptabel (= 3 PÖNIs).