Crazy Heart Kritik

CRAZY HEART“ von Scott Cooper (B+R; USA 2009; 110 Minuten; Start D: 04.03.2010); den letzten “großen” Leinwand-Alkoholiker spielte der zuletzt in allerlei „merkwürdigen“ Rollen auftretende Nicolas Cage 1994 in „Leaving Las Vegas“ und bekam dafür bekanntlich die „Oscar“-Trophäe zugesprochen. Jetzt ist der bereits viermal für den „Oscar“ nominierte, inzwischen 60jährige JEFF BRIDGES („The Big Lebowski“) hoffentlich wie verdientermaßen auch dran. Denn in dem Debütfilm des Schauspielers, Produzenten, Drehbuch-Autoren und jetzt auch Regisseurs Scott Cooper (1981 in Südafrika geboren), basierend auf einem (hierzulande unbekannten) Roman von Thomas Cobb, triumphiert Jeff Bridges als abgehalfterter, ausgelaugter, selbstzerstörerischer Country-Sänger Bad Blake mit einer erstklassigen, mit einer überragenden Performance.

Der Typ ist 57, als wir ihn kennenlernen, und sieht aus wie gefühlte 150. Düst durch den USA-Süden, von Kaschemme zu Kaschemme, raucht ununterbrochen, säuft ununterbrochen, kotzt sich schon mal kurz aus, um dann einfach „so“ weiterzumachen. Mit viel Stinkigkeit und Bierbauch, als „aufrechtes“ Wrack. Einst war der fusselbärtige Bad ein Star im Business, doch dann….4 gescheiterte Ehen und eben „die anderen Dinge“, die Spaß, aber auch kaputt-machen. Irgendwie hat er es vergeigt. Als Bad auf die alleinerziehende Journalistin Jean und ihren kleinen 4jährigen Lausbuben trifft, scheint „was möglich“. Bad ist „emotionalisiert“. Doch dann vermasselt er es doch. Dennoch…..

Ein RIESENFILM. Um eine „irre Figur“. Mit viel Zynik und noch mehr Selbstzerstörung. Trotzdem irgendwie charismatisch, mit viel Schmutz-Charme, Wut-Präsenz, Schrott-Power. Cooper & Bridges finden genau die überzeugende Balance zwischen Loser-Cowboy und Charakter-Versager. Während die Körpersprache, die Mimik und Gestik von Jeff Bridges ununterbrochen klasse-„dröhnt“. Was für eine Show! Von diesem Schauspieler-Hero („König der Fischer“; „Die fabelhaften Baker Boys“; „Liebe hat zwei Gesichter“, neben Barbra Streisand). Dem hier total DIE BÜHNE gehört und DER DIESE auch prächtig dauerhaft zu füllen versteht. Während MAGGIE GYLLENHAAL (in „The Dark Knight“ war sie die Staatsanwältin Rachel Dawes) als Jean angenehm-klug-charmant-zurückhaltend mitmischt (und dafür ebenfalls mit einer „Oscar“-Nominierung belobigt wurde). Begeisterung allerorten, weil auch die Musik von T-BONE BURNETT (der auch für die Soundtracks in „Walk the Line“ und in dem Coen-Streifen „O Brother Where Art Thou?“ viel Zuspruch bekam) und dem im Vorjahr verstorbenen texanischen Songwriter STEPHEN BRUTON stimmungsvoll tönt. (Das Stück „The Weary Kind“ ist ebenfalls „Oscar“-nominiert, in der Kategorie „Bester Original-Song“). Und die Live-Röhre von Jeff Bridges souverän bruzzelt. Nochmal: Solch eine sagenhaft abgefahrene, emotional-hochkarätige, erstklassige Performance EINES überragenden Schauspielers gab es schon lange nicht mehr so grandios auf der Leinwand zu bestaunen, zu bewundern! Was für eine gute, gute Show!!! An der übrigens in kurzen Nebenparts auch Asse wie Colin Farrell und Robert Duvall (= auch Mitproduzent) beteiligt sind. Ein toller Film! (= 4 PÖNIs)