Creed – Rocky’s Legacy Kritik

Link für Pöni TV  „CREED – ROCKY’S LEGACY“ von Ryan Coogler (Co-B + R; USA 2015; Co-B: Aaron Covington; Co-Produzent: Sylvester Stallone; K: Maryse Alberti; M: Ludwig Göransson; 132 Minuten; Start D: 14.01.2016); das ist Überraschung-pur, das verblüfft mächtig-gewaltig: Ein weiter „ROCKY“-Film. Der insgesamt 7. seit dem Low-Budget-Pionier-Klassiker von 1976, der damals 3 „Oscars“ einheimste (darunter als „Bester Film“) und SYLVESTER STALLONE zum Star katapultierte. Aber bevor ich die Geschichte nochmal erzähle, verweise ich lieber auf meinen Text zum sechsten Teil, „Rocky Balboa“ (s. Kino-KRITIK), wo über Höhen und Tiefen dieser Boxer-Reihe ausführlich berichtet wird.

Der Typ ist erst 29 (geboren am 23. Mai 1986 im kalifornischen Oakland) und hat gleich mit seinem 2012er Debüt-Werk, „Nächster Halt: Fruitvale Station“ (s. Kino-KRITIK), einen Klasse-Film abgeliefert: RYAN COOGLER. In der Hauptrolle damals: MICHAEL B. JORDAN. Der ist auch im zweiten Film von Ryan Coogler „ganz vorne“ mit-dabei. Als Adonis „Donnie“ Johnson, einem unehelichen Sohn von Apollo Creed. Apollo (Carl Weathers) war einst Ring-Gegner und dann guter Freund von Robert „Rocky“ Balboa. In „Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts“ wurde er 1985 vom sowjetischen Boxer-Hünen Ivan Drago (Dolph Lundgren) im Ring getötet.

Sein Sohn Donnie hat das Box-Talent vom Papa geerbt. Gibt den ungeliebten Büro-Job bei einem Finanzunternehmen auf, um eine Karriere als Boxer zu starten. Wogegen sich seine Adoptiv-Mutter Mary Anne Creed (PHYLICIA RASHAD) vehement wendet angesichts der Erinnerungen an das tödliche Geschehen einst um ihren Mann. Doch Donnie ist beharrlich. Sucht den in Philadelphia zurückgezogen lebenden Rocky Balboa (SYLVESTER STALLONE) auf, auf dass der ihn künftig trainieren möge. Aber Rocky hat längst mit dem Boxen samt Umfeld abgeschlossen. Zumal die gesundheitlichen Spätfolgen der vielen Ring-Fights ihre gesundheitlichen Spuren bei ihm hinterlassen haben. Doch Donnies Hartnäckigkeit imponiert ihm schließlich ebenso wie dessen unbestreitbares Talent.

Nein, keine neue kitschige Klischee-Erfolgsgeschichte. Vom Junior Niemand, der mit Unterstützung von Senior Rocky sich „nach oben“ siegt. Mit Ryan Coogler ist solch ein pathetischer „american Blödsinn“ offensichtlich nicht zu machen. Ganz im Gegenteil, „Rocky 7“ entwickelt sich prima. Während Sylvester Stallone, der in diesem Juli 70 wird, mit teilweise selbstironischer wie mitunter leiser Tonart entspannt(er) mitmischt, seiner legendären Figur mit dem schlurfenden Gang charakterliche Tiefe vermittelt und mit unaufdringlichen Erinnerungen unaufgeregt wie süffisant hantiert, wird auch der Schauplatz Philadelphia zum atmosphärischen Wiedererkennungswert: wenn Donnie seine Lauf-Trainingseinheiten durch die Straßen und an den bekannten Gebäuden vorbei durchzieht (die Skyline, Hochbahn, das berühmte „Eagles“-Graffiti, das italienische Viertel); und selbst die 72 Stufen zum Philadelphia Museum of Art, die so genannten „Rocky Steps“, werden schließlich (gemeinsam) bestiegen. Ein innerer emotionaler Vulkan.

„Creed – Rocky’s Legacy“ (= Vermächtnis) ist ein stimmungsvoller Geruchs-Film. In den Restaurants, in den Wohnstuben, in diesem dampfenden Box-Studio, das „Nebenbei“ atmet prickelnd. Während die Ring-Szenen einmal mehr „an die Detail-Birne“ hämmern. Schließlich eine Eigendynamik mit viel „Fieber-Charme“ entwickeln. Vor allem aber wirkt, und zwar heftig, die Chemie und Energie zwischen „Rocky“-Erfinder und Oldie Sylvester Stallone und „Bubi“ Michael B. Jordan. Stallone hat aufgehört zu protzen und zu klotzen und überlässt gelassen dem talentierten Nachwuchs die Aktions-Bühne. Und DER nutzt diese Chance, ohne zu prahlen. Startet hier etwa eine rocky-like „Vater & Sohn“-Ära? Jedenfalls kriegt Regisseur Ryan Coogler die Reiz- und Spannungskurve emotional so gut hin, das sich „Rocky“-Historie und „Donnie“-Gegenwart feurig verbinden und durchaus weiterführen lassen.

„‚Creed‘ kann nicht nur mit den besten seiner Vorgänger mithalten, sondern geht auch respektvoll seinen eigenen Weg“, heißt es im US-Branchenblatt „Variety“. Und auch seine neue, jetzt vorwiegend schwarze Musik, mit dem Themen-Klassiker im Hintergrund, klingt angenehm angemessen.

SYLVESTER STALLONE ist soeben mit der „Golden Globe“-Trophäe als „Bester Nebendarsteller“ ausgezeichnet worden. Er, der vielfach Belästerte, hat diesmal sogar die Chance, den „Oscar“ einzuheimsen. Seine Leistung in „Rocky 7“ jedenfalls ist unterhaltsam ausdrucks-intensiv. Und dies ständig außerhalb des Rings! (= 4 PÖNIs).