City of McFarland Kritik

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CITY OF McFARLAND“ von Niki Caro (USA 2013; B: Christopher Cleveland, Bettina Gilois; K: Adam Arkapaw; M: Antonio Pinto; 129 Minuten; Start D: 18.06.2015); eigentlich wollte ich den Film durchwinken, als ich von der Story hörte: Frustrierter Sportlehrer sorgt in der US-Provinz für Außenseiter-Erfolge. Beim Cross-Country-Laufen. Der Name der Regisseurin allerdings ließ aufhorchen, denn die Neuseeländerin NIKI CARO ist durchaus bekannt. Über ihre Filme „Whale Rider“ (2003/s. Kino-KRITIK) und „Kaltes Land“ (2005/s. Kino-KRITIK) auch bei uns sehr geschätzt. Zudem zeigt sich, dass diese Geschichte auf tatsächlichen Begebenheiten aus den 1980er Jahren beruht und immerhin einen „Oscar“-Star wie KEVIN COSTNER („Der mit dem Wolf tanzt“/1990) vorweisen kann. Also doch Neugierde.

Einst war es eine Begegnung mit Richard Burton, die ihn zur Schauspielerei brachte: Kevin Costner hat viele gute Film-Jahre gehabt („J.F.K. – Tatort Dallas“; „Bodyguard“; „Open Range – Weites Land“; „Mr. Brooks – Der Mörder in Dir“ von 2007), doch in letzter Zeit schien seine Karriere nur noch „dahin zu plätschern“. Nun aber kommt er in einer Produktion zurück, für die selbst die hiesige Verleihfirma, immerhin eine Walt Disney-Filiale, keine Marketing-Mühe zeigt. Wahrscheinlich setzt man dort auf nur geringes deutsches Publikumsinteresse für Stoff und Film. Dabei ist „McFarland“, so der Originaltitel – mit einem „gerade mal“ 17 Millionen Dollar-Budget hergestellt (und der zweieinhalbfachen Einnahme an den heimischen Kinokassen) – einer der besseren Filme MIT Kevin Costner. Seit langem.

Er war ja schon mal als Baseballspieler („Annies Männer“), als Golfer („Tin Cup“) und neulich – hierzulande im Heimkino kaum beachtet – als Football-Trainer („Draft Day“) unterwegs. Hier mimt der heute 60jährige Kevin Costner den „energischen“ Football-Coach Jim White. Der hat es mal wieder in seiner rabiaten Trainings-Art übertrieben und wird deshalb gefeuert. Nicht zum ersten Mal. Deshalb muss er in die Provinz. Nach McFarland. Einem vorwiegend von Latinos bewohnten Kaff in einem heißen, staubigen kalifornischen Kaff. Was seiner Familie, Ehefrau Cheryl (die wunderschöne MARIA BELLO) und seinen beiden pubertierenden Töchtern Julie und Jamie, schwer aufstößt. Zudem: „Diese Stadt hat nichts vom amerikanischen Traum“, heißt es zur klimatischen Begrüßung.

Von wegen. Irgendwann entdeckt Jim White das Potenzial. In einigen Jungs. Beim Laufen. Und beginnt mit ihnen zu arbeiten. Gründet ein Cross-Country-Team, vermittelt Gemeinschaftssinn und Spaß und kriegt dabei selbst die Kurve. Sprich Achtung und Respekt. Wie seine Schützlinge. Natürlich geht es aufwärts. Wie damals, anno 1987, als McFarland aus der Anonymität aufstieg. Durch Erfolge des örtlichen Lauf-Teams. Gegen die sehr viel finanzstärkeren „weißen“ Privatschulen.

Was sich hier so banal und bekannt anhört, ist viel mehr. „Sport“ dient hier als Aufhänger für die Überwindung von Vorurteilen. Abbau von gegenseitigem Misstrauen. Motto: Wenn Du Menschen erst einmal näher kennenlernst, beginnst du, sie zu verstehen. Wie sie ticken. Wie sie empfinden. Wie sie sind. Und beginnst, vermagst, dich besser mit ihnen zu verständigen. Natürlich befinden wir uns im Gefühlskino. Und selbstverständlich ist „das Abenteuer“ McFarland auch ein Familien-Drama. Als Wandlung. Ein Ewig-Frustrierter, der sich für „etwas Besseres“ hält, kommt endlich menschlich, also charakterlich, in die Spur. Wie auch seine Familie. Die den örtlichen Zusammenhalt der Familien als Eigen-Gewinn entdeckt. Schließlich übernimmt. Über die intensive Begegnung „mit Fremden“. Annäherung ist keine Frage der Hautfarbe und Herkunft, sondern des Begreifens. Der gegenseitigen Akzeptanz. Stichwort: Eine Kennenlernen- und Verständigungs-Kultur ist vonnöten. Heißt es amüsant.

Was für ein auch aktuelles deutsches Thema. Angesichts der hitzigen Integrationsdebatte. Das überraschende Vergnügen: Der amerikanische „Walt Disney“-Film argumentiert weder scheinheilig noch kitschig. Oder glatt. Sondern glaubhaft. Tiefergehend. In der unaufdringlichen Beschreibung von Situationen und Entwicklungen. In der besonnenen Charaktere-Auslotung. Sportlicher Sieg kommt denn auch wesentlich „ruhiger“ und überhaupt nicht marktschreierisch ´rüber wie sonst bei so vielen anderen vergleichbaren Protz-Sieg-Movies. Regisseurin Niki Caro & ihr Team setzen auf lakonischen Humor und ironischen Charme und vermeiden clever hohlen Fahnen-Patriotismus und Sentiment.

Die Überraschung: „City of McFarland“ besitzt das richtige atmosphärisches Gespür für ein erstaunlich intelligentes und dabei SEHR unterhaltsames Gut-Fühl-Kino (= 4 PÖNIs).