Bridget Jones Reihe

Alles begann 1995. Als regelmäßige, wöchentliche Kolumne in der britischen Tageszeitung “The Independent“. Verfasst von der Journalistin HELEN FIELDING. Thema: Selbstironische Wochen-Geschichten aus dem Leben einer Singlefrau. Mit Namen Bridget Jones. Bridget ist um die 30 und ständig auf der Suche nach Halt und wahrer Liebe. Weil diese Artikel über diesen femininen Kraftbolzen so gut ankamen, schrieb Helen Fielding über ihre Heldin 1996 ein Buch, Titel: “Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“. Dabei hat sie sich klassischer literarischer Mithilfe, u.a. „Stolz und Vorurteil“ von Jane Austen, “gütig“ bedient, wie sie in einem Interview selbst zugegeben hat.

Der Roman avancierte zum Bestseller. Verkaufte sich millionenfach. Und wurde in England zum “Buch des Jahres“ gewählt. Dabei aber wurde Bridget Jones auch zum internationalen Phänomen: Die Hauptfigur schien die
Lebensziele und das Lebenschaos von Frauen in aller Welt zu symbolisieren. Natürlich stand nun die Verfilmung auf dem Plan. Die Produzenten der britischen Erfolgsfilme “Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ und “Notting Hill“ übernahmen den Stoff. Und verpflichteten SHARON MAGUIRE für die Regie: Eine hochdekorierte Dokumentarfilmerin, die nun mit dem Spielfilm

BRIDGET JONES – SCHOKOLADE ZUM FRÜHSTÜCK“ von Sharon Maguire (GB 2001; 97 Minuten; Start D: 23.08.2001) ihr Kino-Debüt abliefert.

Für die Hauptrolle dagegen wurde keine britische Darstellerin engagiert, sondern die Hollywood-Akteurin RENEE ZELLWEGER. Die fiel durch ihre Auftritte in den Filmen “Nurse Betty“ und “Jerry Maguire – Spiel des Lebens“ angenehm auf. Die 32jährige Texanerin mit dem Zungenbrecher-Namen, der Vater ist Schweizer/die Mutter Norwegerin, nahm die Herausforderung an. Und legte erst einmal kilomäßig kräftig zu. Denn Bridget Jones ist oben kein schmales, schlankes “Pretty Woman“-Modell, sondern eine leicht übergewichtige, kesse Solo-Chaotin.

“Schokolade zum Frühstück“, der Bei-Titel ist hier Programm. Bridget Jones mag Fast Food, liebt Wodka-pur, ist zugleich Kettenraucherin und notorische Vollblut-Neurotikerin. Ihr Single-Dasein ist der ewige und bisweilen hysterische, aber auch jederzeit trockenhumorige Kampf und Krampf gegen Pfunde, Macken und falsche Wünsche. Wie sie ihrem Tagebuch gerne wütend anvertraut. Kein Wunder, dass es in ihrer Umgebung schon mal Hohn und Spott hagelt.

Dabei gibt es im Umfeld der Bridget Jones immerhin gleich zwei Kerle, die
ihr irgendwie “nahestehen“. Der Eine ist Mark, der Rechtsanwalt und
Jugendfreund. Der immer die hässlichen Pullover trägt, die ihm seine
Mutter verordnet hat. Außerdem hat man ihm bereits eine schöne dunkelhaarige
Braut “zugeteilt“. Dennoch läuft Mark ständig mit einem mürrischen
Gesicht herum und redet Tacheles.
Verehrer 2 ist ihr Bilderbuch-Macho-Büro-Boss Daniel: Sexy, smart und
extrem verantwortungsscheu. Ausgerechnet ER wird vom Leinwand-Sonnyboy
HUGH GRANT imponierend eklig dargeboten.

Dieser neue Kinofilm “Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ ist erneut eine ÜBERZEUGENDE britische Komödie. Weil: Bodenständig- unanständig; weil mit fein-derber Charme-Komik durchsetzt; weil Timing und Pointen stimmen und funktionieren. “Das gewisse Unterhaltungs-Etwas“, die gescheiten Zwischentöne und Gags, sind Klasse-Ausbalanciert zwischen Sensibilität, Show und Verbal-Attacken. Und, eben:
RENEE ZELLWEGER ist einfach sensationell.

Sie beweist Mut zur
Uneitelkeit, zur Provokation, zur tragikomischen Frauen-Power. Als Bridget Jones muss sie viel einstecken, versteht aber auch prima zurückzukeilen.

Es ist toll: Derzeit haben – siehe auch “Amelie“ aus der Vorwoche – die Frauen in den besseren Kinofilmen die Hosen an. WUNDERBAR (= 4 ½ PÖNIs)!

BRIDGET JONES – AM RANDE DES WAHNSINNS“ von Beeban Kidron (GB 2004; B: Richard Curtis, Adam Brooks, Andrew Davies; Helen Fielding; nach Motiven des gleichn. Romans von Helen Fielding; K: Adrian Biddle, Adam Dale; M: Harry Gregson-Williams; 104 Minuten; Start D: 02.12.2004); Fortsetzung des nach dem Bestseller-Roman „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ entstandene gleichnamigen Kino-Hits von 2001. Wieder mit RENÉE ZELLWEGER in der Haupt- und Titelrolle, die seit diesem Jahr „Oscar“-Preisträgern ist („Beste Nebendarstellerin“ in „Unterwegs nach Cold Mountain“).

Endlich hat die sympathische Chaoten-Frau und Mitt-Dreißigerin Bridget Jones ihren Lebens-Partner gefunden. Wie sie fest annimmt. In bzw. mit dem stocksteifen wie versnobten Anwalt Mark Darcy (COLIN FIRTH). Allerdings noch ohne Trauschein. Bridget arbeitet als Reporterin beim Fernsehen, kämpft weiterhin gegen Übergewicht, irritierenden Geschmack und das Talent, in jedes nur erdenkliche peinliche Fettnäpfchen zu treten. Zudem wird Mark von seiner attraktiven Kollegin Rebecca (JACINDA BARRETT) angebaggert, während die Ratschläge von Bridgets besten Freunden dazu führen, dass sie ihre Mark-Beziehung schließlich beendet. Was Daniel Cleaver (HUGH GRANT) erneut auf den Beziehungsplan ruft, ihren charmanten Büro-Luftikus-Boss, der ihre emotionale Luft-Situation für sich auszunutzen beabsichtigt.

Bridget, diese weibliche Donna Quichotte, und ihr als köstliche Nummernrevue angelegter Dauerkampf gegen die glatten, schönen, korrekten „Windmühlen“ der Großstadt und Umgebung. Mit „feinen“ Erlebnissen beim Skiurlaub in Österreich wie auch anlässlich eines Reportage-Trips in Thailand. Zudem dürfen wir uns über eine der pointiertesten Prügelszenen (zwischen den beiden Kerlen) in der komischen Filmgeschichte amüsieren.

Klasse-Komödien-Entertainment mit viel Romantik-Feeling: Turbulent, Total-„Charming“, mit ironisch pulverisierten exzentrischen Figuren. Von erstklassigen Hauptakteuren brillant dargeboten. RENÉE ZELLWEGER, 35, der Vater Schweizer, die Mutter Norwegerin, aufgewachsenen in Texas, die als Bridget Jones so gerne „ideal“ wäre, ist mit dieser „Knuddel“-Rolle porentief-körperlich wie wundervoll-seelenhaft „verwachsen“. Filmisch verwandt.

Auch der zweite „Bridget Jones“-Streich, diesmal unter der Regie der erfahrenen Britin BEEBAN KIDRON („Die Herbstzeitlosen“/1992), unterhält-launig als ein pfundiger Schelmenstreich, der vollauf gelungen ist (= 4 PÖNIs).

BRIDGET JONES‘ BABY“ von Sharon Maguire (GB/USA/Irland/Fr 2015; B: Dan Mazer, Emma Thompson, Helen Fielding; nach den Kolumnen und Figuren-Motiven von Helen Fielding; K: Andrew Dunn; M: Craig Armstrong; 122 Minuten; Start D: 20.10.2016); Fortsetzungen sind oft ein Greul, hier nicht. Die zweite Fortführung der selbstironischen Geschichten aus dem Leben der britischen Single-Frau Bridget Jones (RENEE ZELLWEGER), mit ihren jetzt digitalen Tagebuch-Notizen, kommt britisch-amused bestens ‚rüber.

Wir erinnern uns. Im August 2001 lernten wir die Fast Food-Freundin, Wodka-Trinkerin und notorische Vollblut-Neurotikerin erstmals kennen. Bei ihrem tölpeligen Dauerkampf gegen Pfunde, Macken und falsche Wünsche: „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ von Sharon Maguire (s. Kino-KRITIK) avancierte zum Hit. Sie sollte wiederkommen. Im Dezember 2004 trat „Bridget Jones“ erneut in Erscheinung, diesmal – unter der Regie von Beeban Kidron – „Am Rande des Wahnsinns“. Ein Dutzend Jahre später hat Bridget die 43 erreicht und ist sichtlich zerknirscht. Weil immer noch solo. Gibt es „IHN“ doch noch oder war’s das mit der erhofften emotionalen wie partnerschaftlichen Zweisamkeit („How the hell did I end up here again?“), während Celin Dion aus dem Player mit „All By Myself“ schmachtet.

Dabei hat sie eine passable Karriere hin- sowie die gewichtigen Pfunde weggekriegt, ist als TV-Produzentin erfolgreich unterwegs und Ex-Lover Daniel (Hugh Grant nur noch als Foto) abgehakt. Stichwort: Vorauseilende Beerdigung: Daniel ist und bleibt verschwunden, wird amtlich zu Grabe getragen. Was Mark Darcy (COLIN FIRTH) auf den Plan ruft, jenen snobistisch-vertrockneten Anwalt, mit dem bekanntlich „mal was war“, dann aber nichts klappte. Mark ist jetzt verheiratet, gerade aber auf dem Scheidungsabsprung und erneut von Bridget „irritiert“. Sie aber wird zum „Kampf-Sex“ von ihrer Freundin und Moderatorin-Kollegin Miranda (SARAH SOLEMANI) verdonnert, bei einem „Woodstock für Arme“-Musikfestival-Weekend, mit ordentlich vielem tiefen Schlamm, kostenlosem Alkohol und dem gutaussehenden Ami Jack (PATRICK DEMPSEY), einem knackigen Internet-Millionär und kurzfristig verwendbarem Bett-Gefährten.

Mark Darcy tritt in weiter Erscheinung. („Der zum Lachen in den Keller geht“/epd Film). Weiß nicht so recht warum, aber kann und will von Bridget nicht lassen. Auch hier landet man bald in der Heia – mit Folgen. Der Kino-Titel erreicht seine Bestätigung. Das späte Mädel ist schwanger. Aber von wem? Und überhaupt?

Das ist das inhaltliche Fundament. Das so wundervoll dauer-pointiert ummantelt ist von vielen herzig-originellen Zuträgern, die komische Mundart-Hilfe leisten und für körpersprachlich gestenreiche Slapstick-Heiterkeit sorgen. Köstliche Bonmots begleiten fortan das turbulente Geschehen, bei dem es auch um exquisite Auftritte von Co-Drehbuch-Autorin und „Oscar“-Preisträgerin EMMA THOMPSON als saukomisch-sarkastische Gynäkologin geht; „Pussy Riot“-ähnliche Rock-Furien fordern – über ihren Anwalt Mark Darcy – britische Rede-Freiheit; Barde Ed Sheeran & der Gangnam Style sorgen für süffisante Irritationen bei Bridget & Mark; Bridgets Vater („Oscar“-Preisträger JIM BROADBENT einmal mehr als ein verschmitzter Senior) darf erfrischend junge Ansichten äußern; während eine neue Generation von jungen, angeblich so dynamischen, hippen Besserwisser-Hipster-Nerds sich daranmacht, die Bridget Jones-Generation aus dem beruflichen (TV-)Feld zu drängen und dabei sogar mit einer „Hitler-Katze“ hantiert. Doch Bridget Jones und ihre patenten Spießgesellen geben kontra. Schließlich winkt der „impulsive“ Kreißsaal.

Die neue BRIDGET JONES-Show ist vortrefflich. Zum Lachen und Entspannen SEHR geeignet. Der volle Filmspaß-Genuss. Volles Lob für die drei Drehbuch-Autoren/Innen, denen wirklich viel Lustiges eingefallen ist. Der Wort- und Körpersprachen-Humor ist enorm. Die wieder aufgelebte romantische Achterbahnfahrt der Bridget Jones kommt fein-spitzzüngig in die die amüsanten Unterhaltungspuschen.

Das Ensemble ist klasse. Sorgt für kesse Außen-Laune. Das Hauptpersonal funktioniert prächtig. „Oscar“-Preisträgerin RENEE ZELLWEGER („Unterwegs nach Cold Mountain“), der Vater Schweizer, die Mutter Norwegerin, 1969 in Texas geboren, ist als charmant-chaotische Bridget Jones in ihrem temperamentvollen Element. Ein weiblicher Clown zum Umarmen. In Würde mit Würze stakst „Oscar“-Preisträger COLIN FIRTH („The King’s Speech“) durch den „shocking“-Tempel der Gefühle. Lover-Ami Jack alias PATRICK DEMPSEY (der Dr. Derek Shepherd aus der TV-Serie „Grey’s Anatomy“) bemüht sich, vermag aber die Erinnerungen an Hugh Grant nicht ganz überspielen.

„Bridget Jones 3“ ist ein stimmungsvolles, romantisches Unterhaltungs-Pfund, mit dem das komödiantische Emotions-Kino super auftrumpft (= 4 ½ PÖNIs).