BRIDGET JONES‘ BABY

PÖNIs:       (4,5/5)

„BRIDGET JONES‘ BABY“ von Sharon Maguire (GB/USA/Irland/Fr 2015; B: Dan Mazer, Emma Thompson, Helen Fielding; nach den Kolumnen und Figuren-Motiven von Helen Fielding; K: Andrew Dunn; M: Craig Armstrong; 122 Minuten; deutscher Kino-Start: 20.10.2016); Fortsetzungen sind oft ein Gräuel, hier nicht. Die zweite Fortführung der selbstironischen Geschichten aus dem Leben der britischen Single-Frau Bridget Jones (RENÉE ZELLWEGER), mit ihren jetzt digitalen Tagebuch-Notizen, kommt britisch-amused bestens ‘rüber.

Wir erinnern uns. Im August 2001 lernten wir die Fast Food-Freundin, Wodka-Trinkerin und notorische Vollblut-Neurotikerin erstmals kennen. Bei ihrem tölpeligen Dauerkampf gegen Pfunde, Macken und falsche Wünsche: „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ von Sharon Maguire (s. Kino-KRITIK) avancierte zum Hit. Sie sollte wiederkommen. Im Dezember 2004 trat „Bridget Jones“ erneut in Erscheinung, diesmal – unter der Regie von Beeban Kidron – „Am Rande des Wahnsinns“ (s. Kino-KRITIK). Ein Dutzend Jahre später hat Bridget die 43 erreicht und ist sichtlich zerknirscht. Weil immer noch solo. Gibt es „IHN“ doch noch oder war’s das mit der erhofften emotionalen wie partnerschaftlichen Zweisamkeit („How the hell did I end up here again?“), während Celin Dion aus dem Player mit „All By Myself“ schmachtet.

Dabei hat sie eine passable Karriere hin- sowie die gewichtigen Pfunde weggekriegt, ist als TV-Produzentin erfolgreich unterwegs und Ex-Lover Daniel (Hugh Grant nur noch als Foto) abgehakt. Stichwort: vorauseilende Beerdigung: Daniel ist und bleibt verschwunden, wird amtlich zu Grabe getragen. Was Mark Darcy (COLIN FIRTH) auf den Plan ruft, jenen snobistisch-vertrockneten Anwalt, mit dem bekanntlich „mal was war“, dann aber nichts klappte. Mark ist jetzt verheiratet, gerade aber auf dem Scheidungsabsprung und erneut von Bridget „irritiert“. Sie aber wird zum „Kampf-Sex“ von ihrer Freundin und Moderatorin-Kollegin Miranda (SARAH SOLEMANI) verdonnert, bei einem „Woodstock für Arme“-Musikfestival-Weekend, mit ordentlich viel tiefem Schlamm, kostenlosem Alkohol und dem gutaussehenden Ami Jack (PATRICK DEMPSEY), einem knackigen Internet-Millionär und kurzfristig verwendbarem Bett-Gefährten.

Mark Darcy tritt in weitere Erscheinung. („Der zum Lachen in den Keller geht“/epd Film). Weiß nicht so recht warum, aber kann und will von Bridget nicht lassen. Auch hier landet man bald in der Heia – mit Folgen. Der Kino-Titel erreicht seine Bestätigung. Das späte Mädel ist schwanger. Aber von wem? Und überhaupt?

Das ist das inhaltliche Fundament. Das so wundervoll dauer-pointiert ummantelt ist von vielen herzig-originellen Zuträgern, die komische Mundart-Hilfe leisten und für körpersprachlich gestenreiche Slapstick-Heiterkeit sorgen. Köstliche Bonmots begleiten fortan das turbulente Geschehen, bei dem es auch um exquisite Auftritte von Co-Drehbuch-Autorin und „Oscar“-Preisträgerin EMMA THOMPSON als saukomisch-sarkastische Gynäkologin geht; „Pussy Riot“-ähnliche Rock-Furien fordern – über ihren Anwalt Mark Darcy – britische Rede-Freiheit; Barde Ed Sheeran & der Gangnam Style sorgen für süffisante Irritationen bei Bridget & Mark; Bridgets Vater („Oscar“-Preisträger JIM BROADBENT einmal mehr als ein verschmitzter Senior) darf erfrischend junge Ansichten äußern; während eine neue Generation von jungen, angeblich so dynamischen, hippen Besserwisser-Hipster-Nerds sich daranmacht, die Bridget Jones-Generation aus dem beruflichen (TV-)Feld zu drängen und dabei sogar mit einer „Hitler-Katze“ hantiert. Doch Bridget Jones und ihre patenten Spießgesellen geben kontra. Schließlich winkt der „impulsive“ Kreißsaal.

Die neue BRIDGET JONES-Show ist vortrefflich. Zum Lachen und Entspannen SEHR geeignet. Der volle Filmspaß-Genuss. Volles Lob für die drei Drehbuch-Autoren/Innen, denen wirklich viel Lustiges eingefallen ist. Der Wort- und Körpersprachen-Humor ist enorm. Die wieder aufgelebte romantische Achterbahnfahrt der Bridget Jones kommt fein-spitzzüngig in die amüsanten Unterhaltungspuschen.

Das Ensemble ist klasse. Sorgt für kesse Außen-Laune. Das Hauptpersonal funktioniert prächtig. „Oscar“-Preisträgerin RENÉE ZELLWEGER („Unterwegs nach Cold Mountain“), der Vater Schweizer, die Mutter Norwegerin, 1969 in Texas geboren, ist als charmant-chaotische Bridget Jones in ihrem temperamentvollen Element. Ein weiblicher Clown zum Umarmen. In Würde mit Würze stakst „Oscar“-Preisträger COLIN FIRTH („The King’s Speech“) durch den „shocking“-Tempel der Gefühle. Lover-Ami Jack alias PATRICK DEMPSEY (der Dr. Derek Shepherd aus der TV-Serie „Grey’s Anatomy“) bemüht sich, vermag aber die Erinnerungen an Hugh Grant nicht ganz zu überspielen.

„Bridget Jones 3“ ist ein stimmungsvolles, romantisches Unterhaltungs-Pfund, mit dem das komödiantische Emotions-Kino super auftrumpft (= 4 ½ PÖNIs).

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