À LA CARTE! – FREIHEIT GEHT DURCH DEN MAGEN

PÖNIs: (4,5/5)

„À LA CARTE! – FREIHEIT GEHT DURCH DEN MAGEN“ von Éric Besnard (Co-B + R; Fr/Belgien 2020; Co-B: Nicolas Boukhrief; K: Jean-Marie Dreujou; M: Christophe Julien; 113 Minuten; deutscher Kino-Start: 25.11.2021);

WÜTEND + KÖSTLICH. MIT VIEL WAHREM. Titel = „À LA CARTE! – FREIHEIT GEHT DURCH DEN MAGEN“. Von ÉRIC BESNARD (Co-B + R); Fr/Belgien 2020; 113 Minuten. Wir schätzen Éric Besnard. Im März 2016 startete bei uns seine Provence-Melancholie „BIRNENKUCHEN MIT LAVENDEL“ und entwickelte sich zum Kult-Vergnügen (s. Kino-KRITIK/4 PÖNIs). Jetzt füllt er unsere Kinos wieder mit einem SEHR schmackhaften Blickfang. Begleitet vom – gedanklichen – Warnhinweis = geht bloß nicht hungrig in eine Vorführung dieser lukullischen Offensive. Denn bei dieser sich steigernder filmischen Delikatesse, bekommt man immer mehr Appetit! Auf dem französischen Land von 1789. Wo ein Bauch-korpulenter Typ namens Manceron (GRÉGORY GADEBOIS) wirkt. Sein Markenzeichen – er ist ein begnadeter Koch und tätig für den „amtierenden“ Herzog de Chamfort (BENJAMIN LAVERNHE). Er fühlt sich in seinem Element, wenn er seinem adligen Herrn und dessen Gäste mit „bestem Futter“ die Langeweile vertreiben darf. (Dabei deutet sich die Französische Revolution/1789 – 1799 in der Pariser Ferne bereits an). Doch dort, wo Manceron in der Küche bruzzelt, kommen Schwanen-Ragout und gebackene Täubchen auf den langen Tisch. Doch als der eigenwillige Küchenchef eines Tages „experimentiert“, seine Phantasie einbindet und der herzöglichen Gemeinde eine Köstlichkeit aus der niedrigsten aller Zutaten auftischt – der Kartoffel -, sind die adligen Vielfutterer (und Lästerer) verstimmt. Ihr Motto war und ist: Keine Änderungen erlaubt. Manceron, weg mit dir. Zurück auf dem heimischen Bauernhof erwartet ihn Trübnis und Langeweile. Resignation. Bis die geheimnisvolle Louise (ISABELLE CARRÉ) auftaucht. Um von Manceron die Kochkunst zu lernen („Ich mag nutzlos sein, aber ich gebe nicht auf“). Natürlich passt Manceron dies überhaupt nicht, jedoch – ihr talentierter, fast sinnlicher Umgang mit wilden Kräutern, Waldbeeren und Trüffeln sorgt für zunehmendes Interesse. Zudem hat sich der Herzog de Chamfort, der keinen geeigneten Nachfolger für Manceron gefunden hat, für einen baldigen Besuch angekündigt. Ab sofort lautet die Devise – wir erfinden wieder Numero -LECKER. Wenn da nur nicht „die Ereignisse“ wären. Die sich überschlagen. Mit dem Ziel, hier, im Kleinen, das erste Restaurant zu schaffen, als Ort der Gemeinsamkeit UND DES GENUSSES. Für alle. Sowohl für den Adel wie auch für „das Pack“, wie die herrschende arrogante Mischpoke das Volk tituliert. Mancerons Devise heißt aber inzwischen: „So wie es Wasserstellen gibt, kreieren  wir eine ‚Lebens-Stelle'“! Nochmal und noch-lauter: FÜR ALLE!

Es lebe der gefüllte Magen: In der Region mit opulenten (Landschafts-)Bildern, die nicht selten an die Gemälde großer Meister erinnern. Éric Besnard setzt ein schwelgendes Fest der Sinne auf der Leinwand fest. Um, wie nebenbei, elegant von der Erfindung des Restaurants im Fahrwasser der Revolution zu erzählen. Sowie zeitgleich von der imponierenden Geschichte einer späten Liebe. Mit eben diesen zwei unaufdringlich-auffälligen, ungemein überzeugenden, beindruckend- großartigen Charakter-Akteuren wie GRÉGORY GADEBOIS und ISABELLE CARRÉ. Sozusagen: Schönheit und Tiefgang, Historie und Sinnlichkeit  – klar doch: so schön und politisch-klug und so wunderbar lüstern-hungrig, das kann nur bestes, Geschmacks-intensives französisches Kino sein! (= 4 1/2 PÖNIs).

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