Birnenkuchen mit Lavendel Kritik

BIRNENKUCHEN MIT LAVENDEL“ von Éric Besnard (B + R; Fr 2015; K: Philippe Guilbert; M: Christophe Julien; 101 Minuten; Start D: 10.03.2016); bisweilen verliebe ich mich in einen Film: Dieser hier ist ein wunderschöner Wohlfühlfilm. Als romantische Komödie. Angereichert mit viel Sonne, mit vielen sinnlichen Landschafts- und Wolkenreizen in der herrlichen französischen Provence, mit sympathisch-spannenden Menschen, inmitten einer feinen Geschichte mit „Rain Man“-Charme.

Manchmal scheint es schlimm und aussichtslos zu sein, und dann wendet sich das Schicksal. Beispielsweise durch eine Unachtsamkeit. Beim Autofahren. Als die junge Witwe Louise (VIRGINIE EFIRA) einen jungen Mann namens Pierre (BENJAMIN LAVERNHE) anfährt, selbst versorgt und – nicht wieder ganz los wird. Auf ihrem Hof in der Dróme, wo sie mit ihren beiden Kindern allein lebt. Und bemüht ist, mit Birnenanbau und Lavendelproduktion über die Runden zu kommen. Doch die Bank setzt ihr zu, ihre Rechnungen werden nicht bezahlt, ein Nachbar hätte nichts gegen die Verbindung ihrer beider Flächen und auch privat, und jetzt gibt es nun auch diesen eigenwilligen wie äußerst sensiblen Pierre. Der ungewöhnlich korrekt, außergewöhnlich ehrlich ist, Natur buchstäblich „anfasst“ und sich besonders gut mit Zahlen auskennt. Bisher hat er beim alten Jules (HERVÉ PIEREE) in dessen örtlichem Antiquariat gewohnt und gearbeitet.

Die Lebens-Praktikerin und der Lebens-Empfinder. Sie hat Stress, er, der Hypersensible, fühlt sich in ihrer Familie wohl. Besitzt rationale Neugier ohne Ende, eckt-an wie trumpft-auf mit seiner außergewöhnlichen Konzentrationsfähigkeit. Weiß schließlich sogar seinen extrem ausgeprägten mathematischen Geist vorteilhaft einzubringen. Bekommt Panik-Attacken bei zu großer Lautstärke, nimmt „Dinge“ des Alltags viel intensiver wahr als jeder andere. Kurzum: hier passt eigentlich nichts, und dies passt bestens.

Die vielen kleinen zwischenmenschlichen Gefühls-Motive bereiten ein enormes Vergnügen. Die dezent pointierte Situationskomik wirkt lächelnd-intensiv. Hier hat jemand einen Film geschaffen, der sich, ohne dies je zu betonen, gegen die Schnelllebigkeit, die Hektik und Aggressionen unserer hektischen Großstadt-Welt wendet. Und „das Leise“ zu Schönheit formt. „Empfindlichkeit ist keine Schande“, heißt es von diesem Jemand, Drehbuch-Autor und Regisseur ÉRIC BESNARD, im Presseheft. Und außerdem: „Als ich mit dem Drehbuch fertig war, kam mir ein Film in den Sinn: STARMAN von Carpenter. Ein Außerirdischer entdeckt die Welt und die Liebe. Und seine Reaktionen sind die eines Kindes. Einfach, ehrlich. Pierre ist ehrlich, aufrichtig, direkt. Geld interessiert ihn nicht, und er lügt nie. Er ist wie ein Außerirdischer“.

VIRGINIE EFIRA & BENJAMIN LAVERNHE. SIE hat man neben Depardieu in „Eine ganz ruhige Kugel“ 2013 gesehen, er war 2014 in „Nur Fliegen ist schöner“ mit-dabei. Ihr Miteinander-hier wirkt weder aufgesetzt noch plump, sondern amüsant und berührend. Es macht viel Spaß, ihren (Film-)Weg zu verfolgen. Sich ihnen mit gutem Gefühl anzuschließen.

„Birnenkuchen mit Lavendel“ schmeckt formidabel (= 4 PÖNIs).