ZOMBIELAND: DOPPELT HÄLT BESSER

PÖNIs:      (4/5)

„ZOMBIELAND: DOPPELT HÄLT BESSER“ von Ruben Fleischer (USA 2019; B: Dave Callaham, Rhett Reese, Paul Wernick; K: Chung Chung-hoon; M: Dave Sardy; 107 Minuten; deutscher Kino-Start: 07.11.2019).

Gastkritik von Caroline „Carrie“ Steinkrug

„End of passion play, crumbling away […] Dedicated to how I`m killing you […] Come crawling faster, obey your master!“ („Das Ende des Passionsspiels, alles zerfällt […] Du bist gewidmet der Art wie ich Dich töten werde […] Komm, krieche schneller, gehorche Deinem Meister!“) dröhnt der berühmte Song „Master of Puppets“ („Herr der Marionetten“) von der Band METALLICA in den ersten paar Minuten lautstark durch den Kino-Saal. Ein Lied, das einst vom Fernsehsender VH1 zum drittbesten Trash-Metal-Lied aller Zeiten gekürt wurde und gleich klar macht: Hier liegt ein kultiger B-Genre-Movie-Geruch in der Luft. Mit deftigem Wumms. Dazu gesellen sich Bilder einer choreografierten Jagd auf Zombies. Blutig. Protzig. Cool. Denn: Wir befinden uns in Amerika, den „gehirnlosen“ Vereinigten Staaten. Wie genau es dazu kam, entnehmen Sie bitte der Beschreibung – und den 47 Überlebensregeln des Klugscheissers Columbus (JESSE EISENBERG) – aus dem Jahr 2009. Denn dort erschien der erste Teil dieser fetzigen Hackebeil-Oper (s. Kino-KRITIK). Spielleitung damals wie heute: der 44-jährige Ruben Fleischer (zuletzt 2018: „Venom“), der seinem Namen wieder alle Ehre macht und alles auf der Leinwand zerfleischt, was nur zu zerfleischen geht. Ein r i e s e n Spaß. Der sich selbst nicht wirklich ernst nimmt und uns „Mad Max“ (1980; George Miller) in der „Nacht der lebenden Toten“ (1968; George A. Romero) als „Road Trip“ durch die USA präsentiert. Zurücklehnen. Anschnallen. Am Popcorn festhalten und ab geht die Splatter-Post!

Es ist eine Weile vergangen und unser, durch die Apokalypse einst zusammengewürfeltes Quartett, ist mittlerweile zu einer richtigen Vorzeige-„Familie“ zusammengewachsen: „Daddy“ Tallahassee (WOODY HARRELSON) sowie die „Kinder“ Columbus (Eisenberg) und Wichita (EMMA STONE). Nur Nesthäkchen Little Rock (ABIGAIL BRESLIN) ist von der Idylle im neuen „Einfamilienhaus“, dem Weißen Haus – ja, genau d a s White House in Washington, D.C. -, genervt. Sie hat genug von den ollen Präsidenten(-Gemälden) und dem langweiligen Spießerleben! Sie will: raus. In die große weite Welt und sich verlieben. Das ganz große Glück finden. Und so brennt sie durch – mit Berkeley (AVAN JOGIA), einem esoterischen Barden, der so gar nicht auf der Schwiegersohn-Wunschliste von Waffennarr Tallahassee stand. Ein Pazifist?! Geht’s noch? Also auf: den jungen Flüchtigen hinterher. Quer durchs ZOMBIELAND. Doch auch die infizierten Beißer haben sich inzwischen evolviert, die Pubertät quasi überwunden, und so gibt es neben den gewohnt stöhnenden, stumpfsinnigen „Homers“ jetzt auch: Hyper-Intelligente, genannt: „Stephen Hawkings“; schleichend-stille Hinterhältige, die „Ninjas“ und ganz vorne an der Nahrungskette mit dabei: der „T-800“, eine nette Anspielung auf das Terminator-Modell von Arnold Schwarzenegger.

Ansonsten geht es absolut nicht um: „Inhalt“. Sondern: um das freudige Verramschen des gesamten US-Arsenals: von Pop-Kultur, über politische Geschichte, bis hin zu Ikonen wie Elvis Presley. Ein sarkastischer Anarchismus, der gerne und absolut g r o ß a r t i g mit dem „American Way of Life“ rumhantiert. Und sich für nichts – aber auch für absolut g a r nichts – zu schade ist. Amüsant durch und durch: die ganzen kurzweiligen 107 Minuten lang. Das „Zerfetzten“ fetzt dabei voll ab, als (Tiefgang-)loses Abenteuer, das oft an Robert Rodriguez oder Quentin Tarantinos blutlüsterne Regie-Anfänge erinnert. Vor allem dann, wenn das Texaner-Arschloch mit Herz, der Darsteller-Testosteron-Hammer: WOODY HARRELSON, als Familienoberhaupt die Waffen-Krallen wetzt. Überhaupt: Das ganze „gefeierte“ Hollywood-Ensemble rund um „Oscar“-Preisträgerin Emma Stone („Beste Hauptdarstellerin“ für „La La Land“; 2017) scheint es deftig zu genießen einfach mal, im wahrsten Sinne des Wortes, das Gehirn abzuschalten. Mit von der Partie: der süd-koreanische Kameramann Chung Chung-hoon, berühmt durch seine Gruselbilder im Stephen-King-Hit „Es“ (2017). Seine Linse fängt die Endzeit-Chose poppig ein und visualisiert das, was wir uns als Zuschauer auch vor Augen führen sollten: Regel Nummer 1: Kopf aus; Regel Nummer 2: Spaß haben; Regel Nummer 3: Abfeiern; Regel Nummer 4: Staunen über die krasse Fahrt im Zombie-Vergnügungspark „Kino“ und Regel Nummer 5: Dumme sind vor dem Gefressen-Werden anscheinend wirklich sicher … wie Neuzugang Pink-Blondine Madison (alias ZOEY DEUTCH) charmant-köstlich beweist.

„Zombieland: Double Tap“ (= „sicherheitshalber zweimal schnell den Abzug drücken“), so der Originaltitel, stinkt nach Whiskey, Zigarren, Macho-Knarren und -Karren, PS-Druck, Benzin, Einöde, Dreck und Sauerei … aber auch ein bisschen nach Sentimentalität und Schnulzen-Movie. Was für eine unterhaltsame B-Noten-Verwurstung mit Kultgeschmack! Eine gelungene Fortsetzung, die am Ende durch ihre Credit-Szene doppelt belohnt und Hoffnung auf Mehr-Unterhaltung macht… (= 4 „Carrie“-PÖNIs; …mit meiner persönlichen Neu-Regel Nummer 48: Zombiefilme bilden und: „retten Leben!“)

 

 

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