Wir Wunderkinder Kritik

An dieser Stelle eine deutsche Film-Entdeckung aus fernen Zeiten. Als “Die grüne Heide‘ und ähnlicher Kitsch-Schund die Köpfe verkleisterten und es nur ganz wenige
qualitätsvolle/niveauvolle/seriöse einheimische Produktionen gab, die sich mit den Gegebenheiten von (Nazi-)Vergangenheit und (Adenauer-)Gegenwart spannend-unterhaltsam auseinanderzusetzen wussten. Die Staudte-Filme “Der Untertan“ (1951) oder „Rosen für den Staatsanwalt“ (1959) waren ebenso die Ausnahme wie der Schwarz-Weiß- Film

WIR WUNDERKINDER“ von Kurt Hoffmann (D 1958; 108 Minuten; Start D: 03.05.1959; DVD-Veröffentlichung: 23.03.2007).

aus dem Jahr 1958. Er basiert auf dem ein Jahr zuvor erschienenen gleichnamigen Satire-Roman von HUGO HARTUNG.
Geschichte: Der über 40 Jahre währende Lebensweg eines Mannes namens Hans Boeckel, von seiner Begegnung mit dem Kaiser bis zur Wirtschaftswunderzeit. Sein Bemühen, “anständig“/“gut“ zu sein, lässt ihn immer wieder scheitern, aber auch “aufrecht“ weitermachen. Ganz im Gegensatz zu seinem Klassenkameraden Bruno Tiches. Der bringt es mit Dauer-Opportunismus vom NS-Funktionär über den Schwarzhändler bis zum hohen Wirtschaftsboss im Nachkriegs-Deutschland. Der Moralist und der Anpasser: Großartiger kabarettistisch-satirischer Querschnitt durch vier Jahrzehnte deutscher Geschichte am Beispiel von zwei völlig unterschiedlichen/gegensätzlichen deutschen Typen. Brillant inszeniert und hervorragend von Schauspielern wie HANSJÖRG FELMY und ROBERT GRAF in den Hauptrollen gespielt. Desweiteren exzellent: Das Duo WOLFGANG NEUSS/WOLFGANG MÜLLER als Moritaten-Begleiter, mit für damalige Zeit(en) mutig-geschliffenen Wortwechseln/bissigen Liedern bzw. hämisch-entlarvenden Kommentaren sowie allerhand süffisanten Spitzen gegen “die deutsche Lebensart“. Weitere exzellente Ensemble-Mitstreiter: Johanna von Koczian, Wera Frydtberg, Elisabeth Flickenschildt, Ingrid van Bergen, Jürgen Goslar, Ralf Wolter.

„Wir Wunderkinder“ erhielt damals viele nationale wie internationale Auszeichnungen, darunter: Bundesfilmpreis 1959 (“Filmband in Silber“) + “Golden Globe Award 1959“ für den “besten fremdsprachigen Film“. Heute: Eine herausragende filmische Deutsch-Geschichtsstunde von 108 Minuten, höchst informativ wie prima unterhaltend (= 5 PÖNIs).

Anbieter: “Kinowelt Home Entertainment“

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