WINCKELMANNS REISEN

WINCKELMANNS REISEN“ von Jan Schütte (B+R; D 1990; 80 Minuten; Start D: 29.11.1990).

Krokodillederstiefel, Pomade im Haar und zu Hause Fototapete: das ist Winckelmann. Außerdem ist Wickelmann Haarwaschmittelvertreter und zwar ein ziemlich miserabler. Winckelmanns Leben ist so flach wie die Gegend, in der er sein Shampoo ausfährt: Schleswig-Holstein, Schafe, karges Land und kleine Ortschaften.
Den anderen Leuten in Jan Schütte‘s neuem Film “Winckelmanns Reisen“ ergeht es kaum besser. Aline, 25, kellnert in der Kneipe ihres Vaters. Der ist ein alter Suffkopp und nicht selten sein einziger Gast. Der Vater träumt von seiner Vergangenheit in Miami, Aline träumt von einer Zukunft in Holland.

“Winckelmanns Reisen“ handelt von verpassten Gelegenheiten, Durchschnittsmenschen, die immer Pech haben, immer zur falschen Zeit am falschen Ort sind.
Auch in Jan Schüttes erstem Film “Drachenfutter“ ging es um die ‘kleinen Leute‘. die immer zu kurz kommen. Es ist dem Regisseur hoch anzurechnen, dass er sich in seinen Filmen um die Menschen kümmert, deren Leben stupide, elendig und ereignislos ist.

In “Winckelmanns Reisen“ ist Jan Schütte dabei ein Fehler unterlaufen: Auch der Film ist ereignislos geworden. Die Figuren sind gleichgültig, phantasielos, unsympathisch und an ihrem Elend selbst schuld. Leute, mit denen sich niemand identifizieren mag.
Außer Schaubühnenschauspieler Udo Samel, der leider nur in einer kleinen Rolle zu sehen ist, verstehen die anderen Darsteller es auch nicht, ihren Rollen Leben und Wärme einzuhauchen.
“Winckelmanns Reisen“ ist ein muffiger, langweiliger Film (= 1 ½ PÖNIs).