Wim Wenders

WIM WENDERS für „RIAS Berlin“ im Oktober 1988

WIM WENDERS. Geboren im August 1945 in Düsseldorf. Nach abgebrochenen Studium der Medizin und Philosophie von 1967 bis 1970 Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Zwischen 1968 und 1972 Filmkritiker für verschiedene renommierte Tages- und Fachzeitungen. 1967 Beginn mit ersten Kurzfilmarbeiten. 1971 einer der Gründungsmitglieder des “Filmverlags der Autoren“, einem Filmverleih mit speziell deutschen Filmen. 1975 Gründung der eigenen Produktionsfirma “Road Movies“. Seit 1984 Mitglied der Akademie der Künste in West-Berlin. Stationen seiner Filme:

1970: „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“, zusammen mit seinem Freund dem Schriftsteller Peter Handke;
der bei den Filmfestspielen von Locarno 1958 ausgezeichnet wird. Danach entsteht, wiederum als Produzent, Autor und Regisseur in einer Person,

1973: „Alice in den Städten“;

1974: „Falsche Bewegung“, nach Goethe, wieder Zusammenarbeit mit Peter Handke;

1976: „Im Lauf der Zeit“, eines der schönsten deutschen Road-Movies überhaupt;

1977: „Der amerikanische Freund“, ein Krimi nach Patricia Highsmith.

Ende der Siebziger geht Wenders nach Amerika. Dort entstehen „Lightning Over Water“, der Abschiedsfilm von und mit Nicholas Ray und „Hammett“, eine Francis Ford Coppola-Produktion, die ganze drei Jahre Arbeit und Streit in Anspruch nimmt. Danach dreht er „Der Stand der Dinge“ in Portugal, Wenders filmische Abrechnung mit seinen Amerika-Erfahrungen, für die er den “Goldenen Löwen“ in Venedig bekommt. „Paris, Texas“, geschaffen in Kalifornien und für den er die “Goldene Palme“ in Cannes erhält. Bei einem Japan-Abstecher inszeniert Wenders „Tokyo-Ga“, eine kleine cineastische Hommage an fernöstliche Filmkünste. Nach der Rückkehr nach Deutschland entsteht in Berlin „Der Himmel über Berlin“, der im Frühjahr in Cannes den Regie-Preis und weitere internationale Auszeichnungen zugesprochen bekommt und kürzlich für den “Auslands-Oscar“ nominiert wurde.

“Der Himmel über Berlin“ ist seit seinem Kinostart Ende Oktober auch bei uns ein riesiger Publikumsrenner geworden. Ebenso wie davor in Frankreich.

„RIAS 2“ Special Film aktuell (entstanden Ende der 80er)

Der bedeutendste deutsche Filmemacher dieses Jahrzehnts ist WIM WENDERS. Kein anderer deutscher Filmkünstler verbuchte so viele nationale und internationale Erfolge, Auszeichnungen und Lobeshymnen. Dabei sind die Filme des Wim Wenders alles andere als modisch, spektakulär oder leicht konsumierbar. Ganz im Gegenteil. Der ehemalige Filmhochschulstudent und Filmkritiker liebt es oft sperrig und langsam, zieht den Bildern die Worte immer vor, taucht gerne und oft in die Seelen von Menschen und Landschaften ein. Am Übergang zu den achtziger Jahren war Wenders in Amerika. Schon seit jeher von den Mythen und Filmen dieses Kontinents fasziniert, wollte er vor Ort den deutschen Traum von Hollywood probieren und machte bittere Erfahrungen.

Mit diesen Erfahrungen in Kopf und Bauch wurden die 80er Jahre für Wim Wenders seine erfolgreichsten bislang. 1982: “Der Stand der Dinge“, gedreht in Portugal. Für die filmische Abrechnung mit seinen Amerika-Erlebnissen bekam er den “Goldenen Löwen“ beim Festival von Venedig. 1984 dann das Hauptwerk ““; die letzten Träume eines Amerika-Süchtigen, dessen Sucht am Abklingen ist. Der 2½-stündige Film erhielt die “Goldene Palme“ von Cannes und wurde auch hierzulande zu einem großen Publikumserfolg. Danach kam Wenders endgültig zurück in die Heimat, zog nach Berlin. Engagierte sich bei seiner “Road Movies“-Produktion und schuf nach den Jahren der freiwilligen Emigration seinen ersten deutschen, besser: Berliner Film.

“Der Himmel über Berlin“: Ein Märchen über moderne Poesie, über heutige Gefühle und Beziehungen, eine Standortbestimmung über das Leben und die Seele dieser Stadt. Als Clown und Engel spielte Bruno Ganz die Hauptrolle. “Der Himmel über Berlin“ bekam 1987 in Cannes den Preis für die “beste Regie“, war Filmbester auf dem Festival von Sydney und löste auch zahlreiche Diskussionen aus. Motto: Überstilisierte Kunst, Künstlichkeit, oder unterhaltsame, hintergründige Sensibilität? Plumpe Illusionen oder feiner Zauber? Wenders war wieder Zuhause, kontroverse Reibereien an der Tagesordnung.

Gegenwärtig bereitet er seinen neuen Monumentalfilm vor. Der spielt an vielen Orten der Erde und soll „Bis ans Ende der Welt“ heißen. Wie immer, sind Neugier und Erwartung groß, wenn Wim Wenders dreht. Er ist und bleibt d i e Regie-Größe in Deutschland.