WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE

PÖNIs:      (4/5)

„WE HAVE ALWAYS LIVED IN THE CASTLE“ von Stacie Passon (USA 2016; B: Mark Kruger; nach dem gleichn. Roman von Shirley Jackson/1962; K: Piers McGrail; M: Andrew Hewitt; 96 Minuten; deutscher Kino-Start: 03.10.2019); so etwas existiert also auch wieder – der klassische Gruselfilm. Hier: faszinierend aufgefrischt. Nicht mit dem Hackebeil argumentierend, sondern mit packenden psychologischen Figuren und deren „auffälligen“ Motiven. Bewegungen. Nach der Literatur der amerikanischen Horror-Autorin SHIRLEY JACKSON (*1916 – †1965). Deren Spannungswerk, 1962 bei uns unter dem Roman-Titel  „Wir haben immer schon im Schloß gelebt“ erschienen, im selben Jahr vom „Time Magazine“ unter die 10 besten Romane des Jahres gelistet wurde. Um schließlich auch als Bühnenstück vom Broadway adaptiert zu werden. Und aus deren Gesamtwerk auch die mehrfach verfilmte Geschichte „The Haunting of Hill House“ von 1959 stammt (von Robert Wise 1963 unter dem Titel „Bis das Blut gefriert“ und 1999 von Jan de Bont unter dem Titel „Das Geisterschloss“ mit Lili Taylor und Liam Neeson adaptiert; zugleich veröffentlichte Netflix am 12. Oktober 2018 die auf dem Roman basierende zehnteilige Serie „Spuk in Hill House“).

Zwei junge Schwestern. Constance (ALEXANDRA DADDARIO) und Merricat (TAISSA FARMIGA). Leben zusammen mit ihrem Onkel Julian (CRISPIN GLOVER) in einem hochherrschaftlichen Anwesen. Abseits der Provinz-Gemeinde. Beide begeben sich kaum aus dem Haus. Constance, die immer lächelt und mit bunten Blumen-Kleidern aussieht, als würde sie gleich zu einem Picknick aufbrechen, und die verbissene Merricat, die mit Flüchen im Garten das angeblich lauernde Böse vom Anwesen fernhalten möchte. Dienstags allerdings muss sie „nach draußen“, um einzukaufen. Dabei begegnet ihr die Feindseligkeit, der offene Hass der Kleinstadtbewohner. Vor fünf Jahren starben die Eltern der Schwestern an einer Arsenvergiftung. Onkel Julian, der nur knapp überlebte und seitdem etwas gestört scheint, bemüht sich täglich, ein Buch über die Ereignisse von damals zu verfassen. Die Leute haben darüber feste Vorurteilsansichten, für sie haben die Schwestern die Eltern umgebracht. Deshalb sollten sie „weg“. Von hier. Egal wie.

Dann taucht mittenmal Cousin Charles (SEBASTIAN STAN) auf. Becirct Constance, richtet sich häuslich ein, übernimmt offensichtlich die Führung. Merricat empfindet ihn als Eindringling. „Bekämpft“ ihn wie es ihr möglich ist, aber Charles lässt sich nicht vertreiben. Ganz im Gegenteil.

Ein altes, großes Gemäuer. Zwei eigenwillige Schwestern. Die es sich hier, mit ihrem ebenso merkwürdigen, gar wahnhaften (?) Onkel, eingerichtet haben. Unbehelligt eigentlich halbwegs „normal“ leben. Könnten. Aber: DA sind sie = „Die Leute“-draußen. Der Mob. Hasserfüllt und gemein. Irgendwie lauernd. Eine bedrückend-geheimnisvolle Suspense-Atmosphäre. Macht sich breit. Wohin tendiert das Geschehen? Was passiert als Nächstes? WIE sind hier die wirklichen Verhältnisse? Oder ist alles so wie wir es – lächelnd-gespannt – serviert bekommen? Mit dieser Angst? Und dieser unheimlichen Geheimniskrämerei? Mit diesen unterschwelligen Anspielungen. Den lauernden Aggressionen? Die wann – vielleicht – explodieren? Mit anderen Worten: Wer nimmt hier tatsächlich und welche – verdächtigen – Positionen ein? Und dann dieser „flotte“, beharrliche und immer „selbstbewusster“ werdende Cousin-Verführer. Drecksau oder Helfer? Dämon oder Licht im geheimnisvollen Dunkel?

Die glorreiche Visualität. „Auf visueller Ebene habe ich mich von den Gemälden des Modernisten Edward Hopper inspirieren lassen… In der Tradition besitzt der Film den maßgeschneiderten Gothic-Look jener Ära der 50er und 60er-Jahre, als Filme wie „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ oder „Fieber im Blut“ entstanden“ (Regisseurin Stacie Passon/Presseheft).

Ein Spaß der alten Spannungs-Schule. Fein diskret angeschoben, brillant in den stimmungsvoll ausgeleuchteten klassischen Grusel-Ecken hantierend, mit wenigem, aber überzeugendem „Stimmungs“-Personal argumentierend. Auskommend. Eine Ausgrabung, der Film entstand bereist 2016, die sich als schmucker Genre-Volltreffer lohnt (= 4 PÖNIs).

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