UNTERWEGS MIT JACQUELINE

UNTERWEGS MIT JACQUELINE“ von Mohamed Hamidi (Co-B + R; Fr/Marokko 2015; Co-B: Alain-Michel Blanc, Fatsah Bouyahmed; K: Elin Kirschfink; M: Ibrahim Maalouf; 91 Minuten; Start D: 14.07.2016); der Film heißt im französischen Original „La vache et le prisonnier“, stammt von Regisseur Henri Verneuil, kam hierzulande am 17. Mai 1960 unter dem Titel „Ich und die Kuh“ in die Kinos. Komiker Fernandel spielte darin einen französischen Kriegsgefangenen, der von einem Bauernhof in Bayern flieht, mit einer Kuh namens Marguerite im Schlepptau.

In „Unterwegs mit Jacqueline“, Originaltitel: „La Vache“, also „Die Kuh“, wird mit Ausschnitten an diesen Fernandel-Oldie nicht zufällig erinnert, denn auch hier geht es um einen Mann und seine Kuh. In einem exotischen Road Movie. Irgendwann: heute. Irgendwo: in einem kleinen Dorf in Algerien. Bauer Fatah (FATSAH BOUYAHMED) lebt dort als glücklich verheirateter Familienvater. Zu dessen Familie aber auch Jacqueline zählt, seine Kuh. Sie zählt zur besonderen Rasse der „tarentaise“ (bei uns: Tarenteser Rind) und wird vor allem wegen ihren Schönheit und ihres gutmütigen Temperaments geschätzt und gehalten.

Kein Wunder, dass Fatah sich seit Jahren bemüht, um „seine Jacqueline“ auf der renommierten Landwirtschaftsmesse in Paris vorstellen zu können. Das ist sein Traum. Der erfüllbar zu werden scheint, denn eines Tages erhält Fatah tatsächlich die begehrte Einladung. Allerdings: Für die Anreise-Kosten muss er selbst aufkommen. Unterstützt vom Dorf-Rat kann die lange Reise starten. Zu Fuß. Sozusagen – der „Jakobsweg“ des optimistischen und stets gut gelaunten Bauern Fatah mit seiner schönen Kuh Jacqueline. Eine Odyssee übers Mittelmeer, nach Marseille, und von dort per pedes einmal quer durch Frankreich.

Mit natürlich vielen Überraschungen. Wendungen. Begegnungen. Abenteuern. Streik-Barrikaden müssen ebenso überwunden werden wie spaßlose Polizisten. Sein barscher Schwager (JAMEL DEBBOUZE) möchte nicht, dass seine algerische Familie von seiner Heirat mit einer französischen Frau erfährt. Deshalb „mauert“ er, zunächst, als Fatah mit seiner „Begleitung“ bei ihm auftaucht und um Unterstützung bittet. Also weiter. Jacqueline büchst zwischenzeitlich aus, was Philippe (LAMBERT WILSON) auf den Rettungsplan ruft: seines Zeichens verarmter und hochgradig depressiver Land-Adel. Mit fröhlichem Zirkus-Volk wird derart deftig gefeiert, dass Fatah mit „I Will Survive“ zum Karaoke-Star mutiert. Die „Ernüchterung“ folgt. In Sachen – Paris, ich komme. Doch inzwischen haben die (sozialen) Medien von diesem Kauz Kenntnis genommen. Ein Mann, seine Kuh und der Weg. Das ist das jetzt öffentliche Ziel.

Eine Volks-Komödie. Wie früher. Als Humoristen wie Fernandel, Vittorio de Sica oder Pierre Richard für urige wie melancholische Feelgood-Movies sorgten. Der quirlige Clown heute heißt FATSAH BOUYAHMED, kam am 2. April 1971 im Pariser Vor-Ort Aubervilliers als Sohn algerischer Einwanderer zur Welt und wird in Frankreich als Komiker mit Herz gemocht. Als schlichter bäuerlicher Schlaumeier tritt er hier augenzwinkernd in die Slapstick-Fußstapfen einer naiven, gutmütigen Jerry Lewis-Figur. Und kommt mit der toleranten, humanen Film-Botschaft gut an: nimm‘ jeden so wie er ist, lass‘ die blöden Vorurteile weg, um dann „ungebremst“ aufeinander zugehen zu können. In Frankreich kam diese vergnügliche Unschuldshymne formidabel an, über eine Million Besucher wollten „das“ im Kino sehen. Erleben. Empfinden.

Gut so: Positiv macht Sinn und verbreitet Spaß (= 4 PÖNIs).