DIE TRAUZEUGEN

DIE TRAUZEUGEN“ von Stephan Elliott (Australien/GB 2011; 97 Minuten; Start D: 14.06.2012); der 47jährige australische Drehbuch-Autor und Regisseur hat eine bewegte Vergangenheit. Nach Anfängen als Assistent bei Regie und Schnitt sowie eigenen Kurzfilmen schuf er seinen Spielfilm-Erstling mit der Krimi-Komödie „Frauds“/“Ein schräger Vogel“ (mit Phil Collins + Hugo Weaving), die 1993 im Wettbewerb von Cannes lief. Bereits ein Jahr später kam der internationale Durchbruch mit der schrägen australischen Tragikomödie „Priscilla – Königin der Wüste“ (mit Terence Stamp, Hugo Weaving + Guy Pearce). Das Low-Budget-Movie wurde ein weltweiter Erfolg, erhielt zahlreiche Preise, darunter einen „Oscar“ für das „Beste Kostümdesign“ sowie den Publikumspreis in Cannes. Nach der Übersiedlung gen London übernahm er 1997 die Regie bei der britisch-australischen Co-Produktion „Welcome to Woop Woop“ (mit Rod Taylor), die unfertig und außer Konkurrenz in Cannes lief und völlig durchfiel.

Nachdem 1999 sein Thriller „Das Auge“ (mit Ashley Judd + Ewan McGregor), der auf dem Festival von Venedig Premiere hatte, gute Kritiken bekam und beim Brüsseler Science Fiction- + Fantasy Filmfestival den Hauptpreis ergatterte, an den Kinokassen aber unterging, war Stephan Elliott, der in diese australisch-britisch-kanadische Co-Produktion viel eigenes Geld gesteckt hatte, Pleite. Zog sich aus dem Filmbusiness zurück. Verdiente fortan als passionierter Skifahrer seinen Lebensunterhalt als Skilehrer in verschiedenen Regionen. 2004 stürzte er beim Skifahren in einen Felsabhang und verletzte sich schwer. Während der vierjährigen Krankenhaus- und REHA-Pause entstand, gemeinsam mit der australischen Journalistin und Drehbuch-Autorin Sheridan Jobbins, das Drehbuch für die Gesellschaftssatire „EASY VIRTUE – EINE UNMORALISCHE EHEFRAU“, die auf einem Bühnenstück von Noel Coward basierte und die er 2008 dann selbst (mit Jessica Biel, Kristin Scott Thomas + Colin Firth) als britischen Independent-Film realisierte. Die erfolgreiche Rückkehr war damit für Stephan Elliott geebnet. Geschafft.

Mit „A Few Best Men“, so hier der Originaltitel, nähern sich Drehbuch-Autor und “Executive-Producer” Dean Craig und Stephan Elliott geruchsmäßig dem derzeit angesagten “Hangover”-Milieu. Allerdings eine Spanne jünger. Und dämlicher. Der britische Jungspund David (Xavier Samuel) lernt im Urlaub auf einer Trauminsel die hübsche australische Mia (Laura Brent) kennen. Die volle Liebe. Mit baldigem Heiratsversprechen. Zuhause sind seine chaotischen Kumpels, die den elternlos aufgewachsenen David quasi brüderhaft „aufgezogen“ haben, entsetzt. Zumal die Hochzeit nicht im heimischen Britannia, sondern im fernen Australien annonciert ist. Dennoch – gemeinsam fliegen sie hin. Mit der Folge, dass fortan sich „die Brüder“ pausenlos wie dämliche Arschlöcher benehmen, aufführen, und diese sowieso schon reichlich durchgeknallte Hochzeitsveranstaltung zu einem ewigen Fiasko werden lassen. Wobei Alkohol, Drogen und herbe Gemütsschwankungen eine (un-)freundliche, aber maßgebende Dauerrolle spielen. Und: Mit zwar vielen verrückten, aber keineswegs komischen Ideen (à la – ein „besonderer“ und dann vollgekokster Schafsbock wird erst entführt und dann handgerecht auf der Toilette „entleert“). Tumber Trash. Man kreischt vorhersehbar und wenig originell herum von wg. Kultur-Crash: Wenn britische Prolls auf eine pseudo-feine australische Sippe stoßen. Wo einzig die dortige Mama, gespielt von der inzwischen 63 jährigen ehemaligen Schlager-Schnuckelbiene OLIVIA NEWTON-JOHN („Grease“ / „Xanadu“/1978 + 1980), für „Stimmung“ sorgt und sich als feuriger Alki-Koks-Feger erweist. Und kräftig komischen Dampf ablässt. Während die „blöden Kinderchen“ nur hirn- und geschmacklos herumtuckern. Und langweilen. Dass sie sich am Ende, nach diesem blöden Dauerschlamassel, dann plötzlich alle wieder family-lieb haben, stößt schließlich ganz doof-bitter auf.

Das darf vermutet werden: Der begabte Stephan Elliott, der nach eigenem Bekunden nur bei seinem Hit „Priscilla – Königin der Wüste“ das Recht auf den „Final Cut“ hatte, schuf hier eine beliebige Auftragsarbeit. Zum Üben und Geldverdienen. Oder umgekehrt. „Die Trauzeugen“ trägt zwar seinen Regie-Namen, dürfte bzw. durfte aber wenig „von ihm“ wirklich enthalten. Haben. Mutmaßlich. So stußig ist diese verkorkste Albernheit (= 2 PÖNIs).