THE TOURIST

THE TOURIST“ von Florian Henckel von Donnersmarck (Co-B+R; USA 2010; 97 Minuten; Start D: 16.12.2010); natürlich ist ER der Größte mit seinen 2 Meter und 4,5 oder 6 Zentimetern Körpergröße, ganz klar. Aber mal ernsthaft – der am 2. Mai 1973 in Köln geborene adlige Drehbuch-Autor und Regisseur, der sowohl die deutsche wie auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, das Abi mit 1,0 hinlegte und sich danach „in der Welt“ (New York, Deutschland, Belgien, Russland und England) auch vielsprachlich bildete, um schließlich – nach einem Praktikum bei Sir Richard Attenborough („Gandhi“) – bei der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München Regie zu studieren, ist eine Ausnahmepersönlichkeit von Filmkünstler. Der vom „Spiegel“ in dieser Woche betitelte, ausgerufene „GENIEVERDACHT“ hat durchaus seine Berechtigung, denn mit gleich dem ersten eigenen Spielfilm, dem HFF-Abschlussfilm „DAS LEBEN DER ANDEREN“, hat er 2006/2007 national wie international ALLES gewonnen, was es überhaupt zu gewinnen gibt. Darunter bekanntlich auch, am 25. Februar 2007, den begehrten wie renommierten Auslands-„Oscar“. (Dass „Das Leben der Anderen“ vom Berlinale-Leiter Dieter Kosslick damals für den Berlinale-Wettbewerb abgelehnt wurde, ist eine der sehr betrüblichen deutschen Festival-Anekdoten überhaupt).

Der zweite Film. Nach langer Wartezeit. In der Zwischenzeit ist von Donnersmarck in DIE Metropole des Films gezogen, nach Los Angeles. Mit der gesamten Familie. Lies sich Zeit. Las viele (offensichtlich nicht gute) Drehbücher. Fing dann selber an, ein neues Drehbuch zu entwickeln. DAS steht jetzt kurz vor der filmischen Realisierung (im März 2011 soll Film 3 in Produktion gehen). Dann aber kam auf ihn dieses Projekt zu. Als eine Art „leichte Fingerübung“. Kollegen wie Lasse Hallström (Regie/“Gilbert Grape“) und Sam Worthington („Avatar“-Hauptdarsteller) waren zwischenzeitlich abgesprungen. Die Chance aber, mit dem Superstar-Paar ANGELINA JOLIE & JOHNNY DEPP zu drehen, war natürlich von großem Reiz. „Ich wollte die Art von Film machen, die mich in Hollywood immer am meisten fasziniert hat – die unglaublich charismatische Menschen in wunderschönen, glanzvollen Settings präsentiert“ (der Regisseur im Interview mit der Agentur DPA). Also frei nach dem Francois-Truffaut-Motto: Filme machen bedeutet, mit schönen Frauen schöne Dinge tun. In diesem Fall mit der „Oscar“-Lady Angelina („Durchgeknallt“/1999; nominiert 2008 für die Mutter-Rolle in dem Clint-Eastwood-Meisterwerk „Der fremde Sohn“).

„The Tourist“ ist ein Remake des französischen Romantik-Thrillers „Anthony Zimmer“ aus dem Jahr 2005, bei uns am 13.10.2005 als DVD-Premiere herausgekommen (Regie: Jeróme Salle/mit Sophie Marceau + Yvan Attal) und am 1. November 2010 im ZDF als „Montagskino“ unter dem Titel „Fluchtpunkt Nizza“ gesendet. Nizza ist jetzt erst Paris und dann Venedig. Dort wuselt die mondäne Elise Ward souverän herum. Hautnah beobachtet und verfolgt von der einheimischen Polizei wie von der britischen Steuerfahndung. Elise ist mit dem untergetauchten Millionen-Dieb ALEXANDER PEARCE liiert. Doch wo befindet sich DER? Und vor allem: Wie sieht DER eigentlich aus? Niemand weiß das, weil der Ganove, der einem russischen Mafia-Boss viel Money, SEHR viel Geld, abgenommen hat (von dem nun auch die britische Steuer „partizipieren“ möchte), sich hat wohl „teuer“ operieren und gesichtsverändern lassen. Elise ist also die einzige Spur. Für die Schurken wie für die „amtlichen“ Verfolger. Also wird sie keine Sekunde aus den Augen gelassen. Deshalb sucht sie sich im Zug von Paris nach Nizza einen Nobody-Passagier aus, den amerikanischen Mathe-Lehrer-Touristen Frank Tupelo. Becirct und foppt DEN und gibt ihn so schussfrei für die Verfolger. Frank bleibt nichts Anderes übrig, als „mitzurennen“, um nicht „umgepustet“ zu werden. Zudem hat er sich in seine „Entdeckerin“ verliebt, was die Jagd-Chose auf Alexander Pearce noch komplizierter werden lässt. Auch für Elise, der dieser Frank ganz und gar nicht (mehr) unsympathisch ist. Das Such-Spiel geht in die entscheidende Phase.

Ein Außen-Movie. Mit Hauptaugenmerk auf Kostüme, Bauten, Großräume, Postkartenansichten vom nassen Venedig. Und natürlich auf eine „dunkle Grace Kelly“-Angelina. Die wie eine unangreifbare Madonna durch die feine Szenerie triumphierend stolziert. Als selbstbewusste Thriller-Ikone. Hinreißend ausgestattet, wunderschön ausgeleuchtet.

„The Tourist“ ist Atmosphäre-pur. Erinnert natürlich an die charmanten Ironie-Thriller eines Alfred Hitchcock („Über den Dächern von Nizza“/1955) oder an den Stanley Donen-Klassiker „Charade“ (mit Audrey Hepburn + Cary Grant/1963). Besitzt inhaltlich aber zu wenig Raffinesse, um „mehr“ zu sein als eine wurschtige Bunte-Bühne-Neckerei mit Star-Bewegungen; da waren selbst 3 Drehbuch-Autoren nicht sonderlich originell am Werk (neben dem Regisseur noch „Oscar“-Preisträger Christopher McQuarrie/“Die üblichen Verdächtigen“ + „Oscar“-Preisträger Julian Fellowes/“Gosford Park“ von Robert Altman/2001). Aber: Die vielen Hochkaräter auch hinter der Kamera (wie die zweifache „Oscar“-Preisträgerin Colleen Atwood/Kostüme; „Oscar“-Preisträger John Seale/Kamera oder „Oscar“-Presiträger James Newton Howard/Musik) sorgen für eine routinierte, angenehm altmodische Suspense-Charme-Spannung. „The Tourist“ läuft gut durch, ohne „groß“ aufzuregen.

Ach so ja, und Johnny Depp? Der gibt seinen teuren Star-Namen her, mimt und flitzt irgendwie und ziemlich trocken- farblos als mysteriöser Lover-Boy mit. Überlässt der cool-strahlenden Angelina Jolie die ganze Führung. „The Tourist“ oder – wenn der Florian mit der Angelina spielt. Bzw. umgekehrt (= 3 PÖNIs).