DER TINTENFISCH UND DER WAL

DER TINTENFISCH UND DER WAL“ von Noah Baumbach (USA 2006; 81 Minuten; Start D: 11.05.2006); ist, um es vorwegzunehmen, zunächst einmal kein Tierfilm und zählte im Vorjahr zu d e n „definitiven“ Lieblingsfilmen der US-Kritik. Der (hierzulande weitgehend unbekannte) Regisseur, Darsteller und Autor („Die Tiefseetaucher“), Sohn eines Romanciers und einer Kritikerin, verarbeitet in seinem innerhalb von nur 3 Wochen hergestellten und zum Teil mit kleinen Super-16-Kameras gedrehten Film autobiographische Momente.

Das (heute 37jährige) Scheidungskind aus Brooklyn erzählt von einer New Yorker Intellektuellenfamilie im Jahr 1986, die nach 17 Jahren zerfällt. Dabei stehen vor allem die beiden Söhne, 12 + 16 Jahre alt, im Mittelpunkt, die mit der neuen Situation erst fertigwerden müssen. Was sich hier auf dem Papier so „banal“ oder „bekannt“ anhört/liest, entpuppt sich auf der Leinwand als feinsinnige, hintergründige, großartig gespielte und sehr 80er(= heil-naiv-überschaubar-wirkende)-atmosphärische Tragikomödie über das gleichsam schmerzhafte wie komische Erwachsenwerden, bei der man unwillkürlich – ob der treffenden/präzisen Figurenzeichnung und der exzellenten Dialoge – auch an Woody Allen denken muss.

Etwas „ganz Pikantes“ für die hiesige Arthouse-Kinogemeinde: Mit „dem Trennungs-Ehepaar“ LAURA LINNEY („Die Truman Show“) und dem überragenden JEFF DANIELS mit gewaltigem Grau-Bart (zuletzt in einer Nebenrolle in „Good Night, And Good Luck“ von George Clooney; unvergessen in „The Purple Rose Of Cairo“ von Woody Allen/1985 oder als Killer in Clint Eastwoods „Blood Work“/2002) als sympathisch-abstoßender Künstler-Egomane und selbstgerechter Akademiker besitzt dieses aufregend-anregende Kaum-80 Minuten-Werk, das (für das Drehbuch) sogar eine „Oscar“-Nominierung bekam, außergewöhnlich dichte, ereignisreiche, „lebendige“ Spannungsmotive. Ein wunderbarer Außenseiter-Film für cineastische Liebhaber!!! (= 4 PÖNIs).