THE GOOD LIAR – DAS ALTE BÖSE

PÖNIs:      (3,5/5)

„THE GOOD LIAR – DAS ALTE BÖSE“ von Bill Condon (USA 2018; B: Jeffrey Hatcher; nach dem Roman „Das alte Böse“ von Nicholas Searle/2017; K: Tobias A. Schliessler; M: Carter Burwell; 110 Minuten; deutscher Kino-Start: 28.11.2019); den Thriller habe ich im letzten Urlaub verschlungen, was für ein prächtig-raffinierter Spannungsroman. Um einen in die letzten Jahre gekommenen „exklusiven“ Trick-Betrüger, der noch einmal einen großen Coup wittert. Er heißt Roy (was er erst „verspätet“ zugibt), Roy Courtnay (IAN McKELLEN), und ist ein notorischer „feiner“ Hochstapler. Könnte der Opa der Patricia Highsmith-Figur Tom Ripley sein („Nur die Sonne war Zeuge“). So ausgefuchst wie er vorgeht. Roy kann sein spätes Glück nicht fassen, als er über ein Online-Portal Betty entdeckt. Betty McLeish (HELEN MIRREN). Wir schreiben das Jahr 2009; Betty, eine ehemalige Geschichtslehrerin in Oxford, Witwe, mit beträchtlichem Ersparnis-Geld. Sehr „beträchtlichem“. Man trifft sich, im noblen Café, und er gibt die moralische Beziehungs-Vorlage: Er mag Aufrichtigkeit! Das sei für ihn alternativlos. Immer. Und wir ahnen bereits, natürlich, wie vortrefflich Senior schwindelt. Und anscheinend bei der bezaubernden Betty damit bestens an- beziehungsweise clever durchkommt. Sein Adrenalin jedenfalls steigt stolz und stetig in die Höhe. Spürt man. Wie er geradezu „Erfolg“ beschwört. „Riecht“.

Doch wir deuten auch – wenn er sich da mal nicht getäuscht hat. Irgendwie (ver-)läuft alles zu klar. Für ihn. Kaum in ihrem Haus eingezogen, gegen den Protest ihres Enkels Steven (RUSSELL TOVEY), der Unheil wittert, beginnt Roy mit seinem Spiel. Der Foppereien und Täuschungen. Ein gemeinsames Konto soll eingerichtet, neue lukrative Anlagen getätigt werden. Sie lässt sich darauf ebenso ein wie auf die Empfehlung, seinen Geschäftspartner Vincent (JIM CARTER) für die Transaktionen mit ins Profit-Boot zu holen. Alles scheint sich für das späte Paar bestens zu entwickeln. Allerdings – wohl mehr für IHN. Als für SIE. Und hier kommt der bewährte Spruch zum Tragen: Wenn er sich da mal nicht getäuscht hat. Was schon längst zu vermuten war, auch Betty ist keineswegs das mondäne Trutchen, das sich einfach so ausnehmen lässt wie eine Weihnachtsgans. Ganz im Gegenteil.

BILL CONDON. Jahrgang 1955, aus New York City. Seine Karriere als Drehbuch-Autor und Regisseur verlief: routiniert. Hier klasse („Gods and Monsters“/“Oscar“ 1999 für das „Beste adaptierte Drehbuch“), dort solides Handwerk („Dreamgirls“/2006/s. Kino-KRITIK; das zweiteilige Finale der „Twilight“-Saga). Hier vermurkst er sich. Was als listige, doppelbödige Spannung elegant aufgebaut wird, als fein-leichte Krimi-Komödie, entpuppt sich dann – „mit Tiefgang“ – als ziemlich konstruierte, gestreckte, wenig wirklich spannende Suspense. „The Good Liar“ ist ein Weder Fisch-noch-Fleisch-Movie, bei dem allerdings die Spiellaune der beiden Stars an der Rampe dermaßen überzeugt, dass man gewillt ist, über die erzählerischen Schwächen hinwegzusehen. Hinwegzudenken. HELEN MIRREN, „The Queen“, und Sir IAN McKELLEN, „Mr. Holmes“, zeigen sich in kesser Lust und spitzzüngiger Laune, dies hier vortrefflich durchzuziehen, auch wenn ihr Spielleiter mit Niveau-Hemmungen inszeniert. Und dem Drehbuch-Autor Jeffrey Hatcher das im Roman so packende Finale hier entgleitet. MIRREN & McKELLEN = Euer Auftritt bitte! (= 3 1/2 PÖNIs)

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